Busstreik – mal wieder

In Konstanz stehen Mittwoch vormittag die Busse still – mal wieder. Letzten Montag und Dienstag – ich gerade mal eine Woche hier angekommen – ging den ganzen Tag quasi garnichts – nur eine Linie verkehrte. Am Mittwoch ist der Streik begrenzt bis 13 Uhr, was jedoch bedeutet, dass ich mal zur Uni radeln muss, um meine Vorlesung nicht zu verpassen.

Doch warum streiken die Busfahrer überhaupt? Sie forden laut Verdi unter anderem kürzere Schichten, volles Weihnachtsgeld und 30 Tage Urlaub für alle unabhängig vom Alter.

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass ihnen das auch zusteht. Bus fahren ist nicht grade ein aufregender Job, verlangt jedoch dauerhafte hohe Konzentration. In Konstanz vielleicht eher weniger setzt man sich aber durchaus auch der Gefahr aus, verbal oder gar physisch attackiert zu werden, wenn man, vorwiegend natürlich nachts, in seinem Bus für Ruhe und Ordnung sorgen  will.

Wenn man jsich jedoch den Status quo ansieht, könnte man darüber auch anders denken. Insbesondere was den Verdienst angeht, haben Konstanzer Busfahrer einen Spitzenlohn. Sie verdienen laut gehalt-tipps.de satte 3032,83 € während z.B. ein Bielefelder Busfahrer nur 2046,- € verdient. Solche Angaben sind natürlich mit Vorsicht genießen, suggerieren aber zumindest, dass es den Konstanzer Busfahrern eigentlich ganz gut geht.

Wenn man sich Streiks allgemein so anschaut, kann man immer mit einem Kompromiß rechnen. Ob die Konstanzer Busfahrer sich kompromißbereit zeigen, ist aber wohl völlig offen. Von ihnen zieht nicht nur fast jeder mit, sondern der eingeschränkte bis nicht vorhandene Busverkehr baut ordentlich Druck auf den Stadtwerken Konstanz auf, die für den Busverkehr verantwortlich sind.

Am vergangenen Montag und Dienstag – ausgerechnet zum Uni-Start und damit sehr geschickt ausgewählt – streikten die Busse, weshalb sämtliche Erstsemester den Gießberg hochradeln oder hochspazieren mussten, bei Regen und oft ohne Plan, wo es langgeht. Viele Konstanzer zeigten sich auch uninformiert und warteten Stunden an den Haltestellen, ohne das ein Bus vorbeifuhr. An schlechter Informationspolitik kann das eigentlich nicht liegen – auf sämtlichen Internetseiten wie sozialen Netzwerken mit Konstanz-Thematik, von der Uni und von den lokalen Zeitungen wurde man ständig gewarnt. Nun ist nicht jeder digital unterwegs oder liest Zeitungen, hätte aber zumindest die Ankündigungszettel sehen müssen, die an jeder Haltestelle hingen.

Mehr konnten hier die Stadtwerke nicht tun – der Konstanzer Bürger zeigtes sich hier anscheinend aber uneinsichtig. Überhaupt könne die Mehrheit der befragten Betroffenen den Streik nicht verstehen, eben mit der Begründung, dass es den Konstanzer Busfahrern vergleichsweise ja ganz gut ginge.

Gut geht es aber auch den Konstanzern, die mit dem Bus fahren. Wenn ich den Busverkehr hier im Verhältnis zu meiner Heimatstadt Herford setze, ist der hier gradezu luxuriös. An sämtlichen Wochentagen, meist zumindest bis Mitternacht, kommt man überall im 30-Minutentakt überall hin, in den meistwn Fällen noch deutlich schneller. Zur Uni fährt den ganzen Tag über beispielsweise ein Bus im 8-Minuten-Takt.

Mit dem Semesterticket, dass dieses Jahr 45 € statt 35 € kostet, kann man den gesamten Busverkehr dann auch kostenlos benutzen. Das lohnt sich schon, gerade im Herbst und Winter, wenn einem das nasskalte, neblige Bodenseewetter den Spaß am Radfahren verdirbt.

Rad fahren heißt es dann aber am Mittwoch morgen – und Solidarität mit den Streikenden, auch wenn man selbst betroffen ist. Fahrrad fahren ist schließlich nochmals umweltverträglicher als Bus fahren (hätte nie geglaubt, dass ich sowas jemals sagen würde ;)). Natürlich haben alte und gehbehinderte Leute ein Problem, dass man schwer lösen kann – gleichzeitig steigt gerade dadurch aber auch der Druck, bald zu einer Einigung zu kommen.

Hoffen wir also, dass die Streikenden bald keinen Grund mehr zum Streiken haben und die Busse ganz natürlich wieder fahren, damit Konstanz ganz konstant eine Stadt mit einer guten  Infrastruktur bleibt.

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