Endspurt

Schon ist mein letztes „Wochenende“ in Neuseeland herum – zurück in Deutschland bin ich bereits in 10 Tagen. Jenes habe ich nicht sonderlich intensiv genutzt, sei es denn zum Ausschlafen. Die nächste Woche wird mir nämlich nicht mehr allzu viel Schlaf bieten.

Ich habe also lange geschlafen, Bücher gelesen (habe nun wieder eines der deutschen  Neuseeland-Bücher von Sarah Lark angefangen), Musik gehört und auf meinem Ipod gepackt, Reisevorbereitungen getroffen und den üblichen Krams im Internet.

So ist mein Flug laut Emirates-Website bereits bestätigt, also brauche ich mich darum nicht mehr zu kümmern. Am Sonntag in 9 Tagen 17.50 Uhr verlasse ich planmässig Aotearoa – selbst die hartnäckig über Neuseeland schwebende Aschewolke des chilenischen Vulkans wird daran wohl nichts ändern. Erst steht jedoch noch das Seminar und die quälende Fahrt dorthin bzw. von dort weg an – Dinge, auf die ich mich nicht unbedingt freue.

Schon mehr auf meine Abschiedsfeier am Mittwoch  – alle Häuser aus Helensville kommen, es wird gegrillt und ich werde gebührend verabschiedet und sehe nochmal all die Leute, zu denen ich mal mehr, mal weniger enge Bindungen entwickelt habe.

Kevin, von dem mir der Abschied am schwersten fallen wird, hat am Sonntag noch seinen 50ten Geburtstag – als Geschenk habe ich ihm seine geliebte „kokoko“ gekauft, Coca Cola, Zero wohlgemerkt, da er Diabetiker ist.

Auch von Tom wird mir der Abschied sehr schwer fallen, er hat bereits realisiert, dass ich bald weg bin: „Chrichra pack bag, fly plane, see mum“ höre ich ihn mit seiner liebenswürdigen Stimme sagen, wenn meine Abreise zur Sprache kommt.

Für die beiden ist es auch sicherlich am schwersten zu realisieren, dass ich weg bin und auch für einige Jahre nicht wiederkommen werde (das ich wiederkomme und sie hoffentlich noch sehen werde ist beschlosssene Sache), die anderen sehen das wohl gelassener. Natürlich fällt mir auch der Abschied von anderen schwer, mal mehr mal weniger. Eigentlich habe ich mich mit allen gut verstanden, auch wenn ich zusehens von manch Verhalten genervt bin. Knapp 25 Wochen ist eine gute Dauer – lang genug um einen tiefen Einblick zu erhalten, aber nicht so lang, dass ich mich nur noch zur Arbeit schleppen würde. Allzu lang würde ich das auf Dauer jedoch nicht aushalten – mein Kompliment an meine Kollegen, die hier für ihren Hungerlohn täglich schuften und irgendwie immer motiviert sind.

Für mich wäre das auf Dauer hier  viel zu eintönig und viel zu praktisch. Schadet nichts, gewisse Kochfertigkeiten gelernt zu haben und geschwind mit Besen, Staubsauger und Mop umgehen zu können, doch auf Dauer würde mich das krank machen. Ständig den gleichen Weg mit dem Van zu fahren und auch die Aktivitäten werden irgendwann ziemlich zur Routine. Besuche in der Kirche sind da noch, auch wenn ich Deist bin, ein Lichtblick, ebenso alle anderen Eins-zu-Eins-Erlebnisse mit den Leuten hier, z.B beim Schwimmen.Insbesondere Kevin und Tom ist es zu verdanken, dass sich immer wieder ein Lächeln auf mein Gesicht schlich, wenn ich stumpf staubsaugte oder anderen praktischen Tätigkeiten nachging – oder auch einfach nichts zu tun hatte, aber auch nichts machen konnte.

Auf Dauer kommt man sich hier fast wie im Gefängnis mit regelmässigem Ausgang vor – innerhalb kann man außerhalb der Arbeitszeiten machen was man möchte, aber man kann es nur unzureichend verlassen. Kontakte zu Neuseeländern außerhalb der Projekte konnte ich hier also nicht wirklich knüpfen, war ich doch an den freien Tagen lieber damit beschäftigt, die vielen tollen Dinge rund um Auckland zu sehen und zu erleben. Das hat mir auch regelmässig Kraft gegeben.

Hört sich jetzt alles negativer an als es war – ich habe mich jetzt wirklich nicht von Wochenende zu Wochenende zu 4-Tages-Trips geschleppt, aber es gab Tage, wo ich am liebsten im Bett liegen geblieben wäre. Wer kennt das nicht?

Für mich bedeutet das in Hinblick auf die Zukunft, dass ich etwas studieren möchte und werde, was mir Spaß macht, wo ich leidenschaftlich dabei und auch talentiert für bin, genauso in Hinblick auf mögliche folgende Berufsfelder. Soziale Arbeit, Pflege und Co. kam nie wirklich in Frage für mich – dafür bin ich viel zu theoretisch gestrickt und ich fände es auf die Dauer zu eintönig. Wie die meisten Jobs – das Leben ist kein Wunschkonzert!

Ich denke aber, dass der Weg, den ich einschlagen werde, der richtige für mich ist – welcher Weg das ist, lasse ich Euch Lesern voerst noch offen! Dieses Jahr hat mir viel gebracht – auf charakterlicher wie intellektueller, auf theoretischer wie praktischer, auf rationaler wie emotionaler Ebene – trotzdem glaube ich, dass man mir die Veränderung nicht sonderlich ansehen wird. Aber das ist ein anderes Thema!

Das Thema jetzt ist, die verbleibenden Tage noch zu geniessen. Morgen findet noch ein Bowling-Wettkampf zwischen Land- (Helensville) und Stadthäusern (Henderson und Co.) statt, bei dem ich für Land natürlich ordentlich punkten werde. Darauf freue ich mich bereits seit Monaten, hat doch eine der Bewohnerinnen aus Haus 5 mich bei jedem Treffen mit ihr (mehrmals wöchentlich) daran erinnert. Dort sehe ich dann auch nochmal die gesamte Community und kann mich schonmal ein wenig verabschieden.

Im Übrigen habe ich in der letzten Woche und werde noch in der kommenden Woche viele Bilder von den Leuten hier machen . Die werden nicht hier im Internet veröffentlicht, aber ich glaube ja durchaus, dass der ein oder andere mal Interesse an einem kleinen Foto-Abend hätte.  Freie Abende habe ich nach Wiederankunft reichlich (auch wenn viele bereits verplant sind), also meldet Euch einfach!

Ich mache mal Schluss und melde mich morgen wieder mit einem etwas melancholischen Eintrag, auf dessen Verfassung ich mich bereits freue!

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