Tag 2 (Teil 1): Taihape-Wairoa

Dann machen wir mal weiter:

kurz zum gstrigen Tag: wenn man kein Auto mehr hat, leiht man sich eben eins! Das tat ich auch, um zu einen der Mt-Tabor-Häusern in der Stadt zu fahren, wo ich bisher auch noch nie gewesen bin. Dort arbeitet der mexikanische Freiwillige Pablo und dort sollte ich mich mit Kate treffen, die ICYE-Koordinatorin hier in Neuseeland. Reichlich spät zwar (hätte man besser vor 2 Monaten machen sollen), aber besser als nichts. Auch sie war reichlich spät, ganze 2 Stunden musste ich auf sie warten, für einen kleinen halbstündigen Austausch. Aber war ganz nett. So erfuhr ich auch immerhin, dass wir bei unserem Abschluss-Seminar wohl Paintball spielen werden. Verspricht also vielleicht doch noch etwas Spannung!

Danach war ich noch bei Westgate ein bisschen Einkaufen und habe mein Bank-Konto bei Westpac gekündigt – das verlief schnell und unkompliziert. Auf der Rückfahrt nach Helensville (ich „durfte“ den Wagen so bis 18 Uhr benutzen) nahm ich am späten Nachmittag dann auch noch die Möglichkeit wahr, ein letztes Mal Muriwai Beach anzusteuern, wo ich im Auto meine scharfe Hell-Pizza (ebenfalls ein letztes Mal) verzehrend, die Tasmanische See und ihr Übergang auf Neuseeland beobachtete. Ging dann auch nochmal ein bisschen rum, schaute mir die Gannet-Kolonie (Tölpel) an und genoss dieses sehr schöne Stück Neuseeland – einer meiner Lieblingsorte hier. Ich nahm mir Zeit und blieb dort, bis ich die Sonne im Meer versinken sah. Nochmals ein schöner Abschluss, der mich ganz sentimental werden lässt.

Heute habe ich bis 4 Uhr geschlafen, ordentlich mit Tobi geskypt und ansonsten die Vorzüge eines endlich wieder vernünftig funktionierenden Internets genossen…

Um auf den Trip zurückzukommen: an jenem Freitag Morgen stand ich nach guten 11 Stunden Schlaf trotzdem bereits gegen 7 Uhr auf und war ganz überrascht, dass die Landschaft fast weiß  war. Kein Schnee zwar, aber doch ordentlich Frost, der auch vor meinem Auto nicht haltmachte. So verzögerte sich meine Abfahrt, weil ich erstmal Scheiben freikratzen musste. Da ich zu schlau bin, um zu kratzen, nahm ich mir einfach einen Kochtopf, füllte ihn mit lauwarmen Wasser und schüttete es über die frostigen Scheiben. Schon war der Frost weg und die Scheiben frei. Das Auto lief unterdessen warm und überraschte mich dann auch mit einer angenehmen Betriebstemperatur, als ich mich auf den Weg machte, der jedoch nicht nach Süden oder Norden führte.

Ich fuhr nämlich von Taihape aus nach Osten – das geht tatsächlich und war sogar der Grund überhaupt bis nach Taihape zu fahren. Von Taihape windet sich nämlich eine Straße über die Berge der Kaweka Ranges 150km östlich in die Hawkes Bay Region nach Hastings bzw. Napier. Die war früher der einzige Verbindungsweg nach Taihape, als es den  SH1 noch nicht gab. Damals kann man sich das dann tatsächlich gut als isolierteste Stadt Neuseelands vorstellen.

Damals war die Straße zu großen Teilen auch noch Schotter, eine Begebenheit die sich gewandelt hat. Mittlerweile ist alles asphaltiert, was eigentlich schade ist, nimmt es der Strecke doch einen gewissen Charme. Gegen die extremen Steigungen half das jedoch auch nicht – die behält die Strecke immernoch und wird grade deshalb auch von nicht allzu viel Verkehr befahren. Wohnmobile z.B sollten dort besser nicht fahren, zu steile und zu viele Aufstiege bzw. enge Abfahrten. Das machte für mich natürlich den Reiz aus, weshalb ich diese als „Gentle Annie“ bekannte Strecke machen wollte, nicht zuletzt natürlich wegen der Landschaft.

Von Taihape aus ging es, wie gesagt, östlich ins bekannte Hügelland hinein, was durch den Frost noch grün-weiß einen netten Anblick bot. Die aufgehende Sonne tauchte den Himmel dazu in ein angenehmes Licht. Überhaupt war der Himmel an diesen Tag sehr interessant. Wegen solch einem Himmel verdankt Neuseeland seinen Namen Aotearoa – was ja bekanntlich „Land der langen weißen Wolke“ bedeutet. Solch  Wolkenphänomen ist mir in Deutschland nie aufgefallen, konkret beschrieben sind es extrem feine, dünne Wolken die den Himmel komplett bedecken, ab und an kann man trotzdem einen bläulichen Schimmer noch bestens entdecken. Die Sonne scheint hindurch, wird jedoch größtenteils verdeckt, Regen gab es keinen einzigen. Von den Bedingungen her also eigentlich perfekt.

Bald stieg die Straße schon steil an und windete sich die Hügel hinauf, nur ab und an kann man ein paar Farmen vorbei, ansonsten weites, grünes Hügelland mit vielen Schafen. Nach Erklimmen einiger Höhenmeter hatte man dann bald das Vergnügen, den weißen Mt Ruapehu in der Ferne aufragen zu sehen, teilweise natürlichg nur über den grünen Hügeln. Etwas später auf der Strecke konnte man sogar noch die Spitze des Mt Ngaurahoes sehen, der mir ja noch gut in Erinnerung ist. Überhaupt ist die Landschaft traumhaft und bietet meiner Meinung nach eine der letzten verbliebenen Stücke abgelegener Natur zumindest auf der Nordinsel. Irgendwann hörte die vom grünen Grasland und einigen Hügeln dominierte Hochebene aber auf und machte steilen Berghängen und Wald Platz – ich war im Kaweka Forest Park angekommen. Hier boten sich dann andere nette Aussichten – von den Vulkanen war nichts mehr zu sehen. Tiefe Schluchten, malerische Flüsse und grüner Wald an steilen Hängen prägten die Landschaft, durch die sich irgendwie die Straße schlängelte. Es ging bald ziemlich hinab, man war in Kuripango angekommen. Das war früher ein kleiner Ort, der sogar eine Taverne hatte – heute exisitieren jedoch nur noch Ruinen und die einzigen Bewohner leben auf ein paar großen Farmen in der Umgebung. Dort gibt es jedoch auch ein paar vom DOC ausgewiesene kostenlose Campingplätze, absolut einfach versteht sich. Aber zum Campen war es ja noch etwas früh.

Um doch noch in den Genuss von Schotterpisten zu kommen, bog ich in eine ab, die zu zwei Seen führen sollte. Nach 6km Fahrt stellte sich jedoch heraus, dass man noch eine Stunde zu den Seen wandern musste – das passte nicht in meine Zeitplanung. Ein Informationsplakat zeigte mir aber trotzdem die Seen, die eigentlich ganz nett aussahen.

Ich fuhr jedenfalls zurück und weiter auf der Strecke Richtung Napier und sah sogar einige Bauarbeiter an der Straße. Die findet man hier ja überall, egal wie unbenutzt die Straße ist. Mir kamen in einer Stunde vielleichr 2-3 Wagen entgegen, hinter mir war nie einer.

Weiter Richtung Napier, die braunen Berge der Kaweka Ranges, die im Winter oft Schnee auf ihren Gipfeln haben aber noch nicht hatten, hinter mir, wurde die Landschaft wieder von grünen Hügelland dominiert, das sich bis zum Pazifik erstreckte. Nach kurzer Zeit hatte ich einen überragenden Ausblick über fast die gesamte Hawkes Bay-Region bis zum Cape Kidnappers und dem Meer in bestimmt noch 40km Entfernung Luftlinie. Lassen wir da lieber die Bilder sprechen. Im weiteren Verlauf der Straße machte ich dann noch an einem anderen Aussichtspunkt halt und näherte mich ansonsten bald schon wieder bewohnteren Gefilden wn. Der Vekehr wurde immer dichter und bald hatte ich schon Napier erreicht. Mein Reiseplan sah eigentlich vor, an der Stadt vorbeizufahren, doch ich hatte Lust nochmal Napier zu sehen und den Schauplatz des Tatorts ein halbes Jahr zuvor aufzusuchen. So fuhr ich nochmals durch die Innenstadt Napiers, sah mir die schönen Art-Deco-Gebäude an und parkte an der Straße Marine Parade, an der sich ja auch der Auto-Aufbruch ereignet hatte. Zum Glück natürlich nicht noch einmal, ich ging nur kurz zum Strand und sah über den Pazifik und fuhr dann bald schon wieder aus Napier heraus, tankte noch und nahm dann die nächste Etappe ins Visier. Das nächste Ziel war Wairoa, eine kleine Stadt am gleichnamigen Fluss, touristisch nicht sonderlich interessant, aber meist Ausgangspunkt für Touren zum Lake Waikaremoana. Dort war ich bereits 2-mal gewesen, allerdings nur durchgefahren. Die Strecke zwischen Napier und Wairoa kannte ich dementsprechend auch schon, bei erneutem Fahren diesmal zeigten sich jedoch trotzdem mir noch ein paar Neuigkeiten. Vermutlich war ich beim erstmaligen Fahren der Strecke mit dem Gedanken woanders (Tag nach dem Auto-Aufbruch), beim zweiten Mal kam ich aus der anderen Richtung, was einem ja meist eine ganz andere Perspektive eröffnet.

Viel zu sehen ist entlang der Strecke trotzdem nicht, das übliche grüne Hügelland, ein paar Wälder, kleine Siedlungen, ein paar Seen und ab und an immerhin ein Ausblick aufs Meer.

Von Napier nach Wairoa sind es etwa 130km, also eine ganz schöne Strecke, dazwischen ist fast nichts an Orten. In Wairoa angekommen fuhr ich zum ersten Mal nicht durch die Stadt hindurch, sondern ins winzige Stadtzentrum längs des Flusses ein und folgte diesem zur Mündung ins Meer. Dort ein paar Fotos gemacht und noch ein wenig weiter zu einem Strand gefahren, um den Pazifik mal von diesem Ort zu erleben. Eigentlich ist Wairoa für einen Leuchtturm bekannt, den habe ich trotz intensiven Suchen aber nicht entdeckt. Wie dem auch sei, ich machte mich bald wieder auf den Weg – ich hatte noch gut 350km vor mir, zu meinem Ziel Whakatane bzw. Opotiki. Aber das erzähle ich ein anderes Mal und garniere das dann wohl auch mit ein paar Bildern 😉

 

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