Tag 1 (Teil 1): Auckland-Turangi

Dann beginnen wir mal mit einem wahrscheinlich sehr langen Artikel:

Da ich schon wusste, dass mein erster Tag wohl sehr lang werden würde, lag ich am Mittwoch Abend bereits um 21 Uhr im Bett, um gegen 4 Uhr morgens am anderen Tag aufzustehen und meinen Weg nach Süden zu machen. Denn die Strecke zumindest bis Hamilton bin ich ja bereits mehrmals gefahren, im möglicherweise unbekannten Terrain wäre es dann ja bereits einigermaßen hell gewesen. Jedenfalls dachte ich, so deutlich mehr vom Tag zu haben, was sich auch bestätigte.

Um Hamilton machte ich auf der Hinfahrt einen Bogen und fuhr durchs östliche Umland über Cambridge (Cambridge und Oxford gibts auch in Neuseeland ;), wo ich einen tollen Sonnenaufgang erblicken konnte, der mich sogar einige Male anhalten ließ, um durch das Autofenster ein paar Bilder zu knipsen. Weiter südlich in Tokora, bereits knapp 3 Stunden südlich von Auckland machte ich einen Tankstopp und steuerte dann eine bisher mir noch unbekannte Strecke an, die mit etwas Abstand am westlichen Ufer des Tauposees vorbeiführt, ganz einfach aus dem Grund, dass ich die östlich verlaufende Hauptstraße bereits gefahren bin.  Vorher überquerte ich aber noch den Waikato, bekanntlich Neuseelands längster Fluss, der sich auch aus den Tauposee speist und am frühen Morgen von Nebelschwaden überwadert war. So sah ich dort, in Mangakino, nicht viel vom Fluss, dafür eines der Kraftwerke, die den Waikato an ein paar Stellen für Stromproduktion aufstauen. Danach ging es überwiegend durch Forstwald und Hügelland, bis sich auf einmal ein herrlich gelegener Rastplatz anbot, vom dem man zum ersten Mal einen Blick auf Neuseelands größten See hat. Die Aussicht von dort war schon beeindruckend, viel besser als von Taupo aus, wenn auch nicht mit den Vulkanen im Hintergrund. Die zeigten sich jedoch auch schon bald bei der Weiterfahrt, noch fern aber so nah scheinend über den grünen Hügelkuppen aufragend, immerhin weiß, ist ja schließlich auch Winter.

Ab und an bogen ein paar Pisten in abgelegene Buchten am Tauposee ab, die ich jedoch meist ignorierte. Eine, bereits recht weit in Süden nahm ich jedoch auf mich und wurde erst von einem Hügel aus mit einem weiteren großartigen Blick konfrontiert, um dann zum Wasser fahrend meine Hände ins kühle, aber doch noch erfrischend angenehme Nass zu tauchen. Mit dem kleinen Strand ist das garnicht so kleine Ferienhaus-Örtchen im Sommer sicherlich begehrt, auch jetzt waren noch ein paar Leute dort unterwegs. Zur nächsten Stadt, Turangi, südlich des Sees gelegen war es auch nicht mehr allzu weit.

Statt nach Turangi zu fahren, bog ich jedoch vorher auf die Route ab, die auf die Hochebene zu den Vulkanen führte. Beim Erklimmen der Steigung bot erneut ein Rastplatz herrliche Blicke über den Tauposee, diesmal von Süden. Denn das Wetter war an diesem Tag ausgezeichnet.

Vorbei ging es an einen See (den, den man damals vom Vulkan bei meiner Besteigung sehen konnte) und dann eigentlich geplant westwärts wieder auf die Hauptstraße SH1. Den etwas, für diese Zeit aber eher kaum schneebedeckten Mt Ruapehu wollte ich jedoch noch einen näheren Besuch abstatten und fuhr so erst noch über die Hochebene über die ebenfalls noch nicht absolvierte Strecke weiter nach Süden, immer die drei Vulkane im Blick. Der Gipfel des Mt Ngaurahoe, meinem ganz persönlichen Schicksalsberg war auch bereits schneebedeckt – eine Besteigung zu dieser Zeit wäre also eher weniger gut möglich gewesen.Vorbei am Chateau Tongariro, einem schloßähnlichen Luxushotel direkt am Fuße des Mt Ruapehu und das anliegende kleine Whakapapa-Dorf ging es die Straße zum gleichnamigen Skigebiet hoch. Schnee konnte man, wie gesagt, zwar in den ganz hohen Lagen sehen, doch bei den Liften des Skigebiets angekommen (die ja bereits auf etwa 1600m liegen) war kein Schnee zu finden. Dabei ist man dort dringend auf Schnee angewiesen, die Saison sollte eigentlich eine Woche später losgehen. Dafür muss es dort jedoch noch kräftig schneien, die Geröllabhänge mit den vielen Steinen sind eher kontraproduktiv zum Ski fahren.

Als ich jedoch den recht vollen Parkplatz sah und den Betrieb eines der Sessellifte wurde ich ganz unruhig und überlegte schon innerlich meine Reisepläne durcheinanderzuwerfen, um vielleicht in den oberen Lagen Ski fahren zu können. Pustekuchen, es war nur Probebetrieb, ob denn auch alles lief. Das geöffnete Cafe und natürlich der grade an diesem Tag tolle Blick (bei meinem vorigen Besuch dort war alles dicht in Wolken gehüllt) erklärten vielleicht die vielen Besucher. So hatte ich von dort sogar noch den Gipfel des doch recht weit entfernten Mt Taranaki im Blick.

Züruck ging es den gekommenen Weg, mitten im Nirgendwo ein trampendes Paar aufgreifend, die ich erst in Rangipo ablieferte, um sie gleich darauf wieder einzuladen sie mit nach Turangi zu nehmen. Sie wollten nach Taupo, ich in die andere Richtung – Rangipo ist der Punkt wo die Straße von Osten, auf der ich war, wieder den SH1 trifft, den ich von dort nach Süden fahren wollte, durch die Rangipo-Wüste nämlich.

Ich musste nämlich umkehren wegen akuten Spritmangels, da ich am Morgen nicht vollgetankt hatte und die Entfernung von meinem Punkt zum nächsten Städtchen unterschätzt hatte, zumal ich dachte dort eine Tankstelle anzutreffen. Dort gibt es allerdings garnichts, nur eine Straße die zum Rangipo Prison führt, Neuseelands Hochsicherheitsgefängis. Kein schlechter Ort das in jener Einöde zu platzieren.

Es ging jedenfalls nach Turangi, doch nicht nur zum Tanken, sondern auch für eine weitere Attraktion, die garnicht auf meiner Liste war, sich dennoch gelohnt hat. Turangi ist nämlich auch als Welthauptstadt des „Forellen-Angelns“ bekannt, da dort regelmässig ziemlich dicke Fische anbeißen.

Wie an anderer Stelle schonmal erwähnt wurden vor etwas mehr als 100 Jahren Forellen im Tauposee und den umliegenden Flüssen ausgesetzt, die sich gut vermehrten und ordentlich groß wurden. Einer dieser umliegende Flüsse ist der Tongariro, der dem gesamten Vulkangebiet ja auch seinen Namen gibt. Auf jenem war ich, wie sich manch einer vielleicht erinnert, kurz vor Weihnachten letzten Jahres mit Jonas zusammen Rafting durch die Stromschnellen!

An jenem Tag ging es jedoch zu einem ruhigeren Abschnitt des Flusses, an dem das „Tongariro National Trout Centre“ liegt, ein Informationszentrum über Forellen(-Angeln) samt Aqauarium bzw. Zuchtstation. Viele ansprechende Informationen und ein Frischwasseraquarium zeigte Fische in Neuseelands Flüssen, einheimische wie auch eingeschleppte Schädlinge. Natürlich auch Forellen. Die gab es nicht nur in Aquarien, sondern in vielen anderen Tanks und Becken, oft nach Alter und Größe sortiert. Die Zuchtstation ist eher weniger (aber auch) auf Forellenzucht zur Nahrungsgewinnung spezialisiert, sondern hält die Forellen für den Ernstfall bereit, falls einer der umliegenden Vulkane ausbricht und alle Forellen in dem umliegenden Gebiet ausgelöscht werden. Ich fragte mich nur, ob nicht bei diesem Fall nicht auch die Zuuchtstation zerstört werden würde?

Neben dem kleinen Museum und den Aquarien führte auch ein Weg an einem kleinen Bach und später am Fluss Tongariro entlang, wo man Fliegenfischern bei ihrer Tätigkeit zusehen könnte. Forellen-Angeln ist nämlich nur mit Fliegen als Köder erlaubt, jegliche andere Fangmethoden werden hart verfolgt und streng geahndet. Highlight an jenem Bach war, dass eine Glasscheibe unter Wasser am Rande des Baches eingefügt wurde, durch die man wie im Aquarium eben die Fische in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten konnte. Von oben sah ich bereits, dass einige ganz staatliche Forellen dort schwammen. Durch die Scheibe schauend war ich dann noch mehr beeindruckt, wie groß die Viecher doch waren, fast meterlang bereits. Mir gelangen einige ganz nette Fotos, auch den Effekt ausnutzend gleichzeitig unter wie oberhalb des Wassers zu knipsen. Die Bilder könnten auch fast von einem professionellen Tierfilmer stammen, der grad mal im Bach taucht und Unterwasser fotografiert hat.

Naja, auch wenn ich keine (toten) Fische mag, der Besuch dort war allemal intereressant und der kleine Weg von Rangipo nach Turangi (ca. 10km) auch nicht sonderlich schlimm. Allerdings war es nun bereits wesentlich später als geplant (ca. 14 Uhr), es stand nämlich noch einiges an. Zum Beispiel der Weg durch Neuseelands einzige Wüste, wenn man es denn Wüste nennen mag. Doch davon erzähle ich morgen, der erste Tag hatte nämlich noch deutlich mehr zu bieten, viel zu viel um es an einem Abend niederzuschreiben.

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