Bay of Islands – Cruise

Springen wir zurück zum Nachmittag des dritten Tages, am Samstag heute vor einer Woche. Auf der Marina Paihias wartete ich, genüsslich mein Eis leckend, darauf, dass es endlich losging. 15.30 war die Zeit, an dem man sich an einem nicht zu übersehenden Schild sammeln sollte. Bald trafen dann auch die ersten anderen Gäste ein – eine sehr überschaubare Zahl zu meinem Erstaunen.

Gegen 15.50 kam dann ein Zubringerboot von unserem „Hausboot“ an, das weit draußen im Hafen lag, wo wir natürlich nicht hinschwimmen wollten. Das Team des Schiffes, 4 noch recht junge Leute begrüßten uns und wir lediglich 9 Gäste passten alle ins Zubringerboot und wurden nach Anziehen von Rettungswesten zu „The Rock“ transportiert – so heißt nämlich das Hausboot, das die nächsten 24 Stunden mein zuhause sein sollte.

„The Rock“ ist eine umgebaute Autofähre, die einst erst in der Bay of Islands als so eine fungierte, später am Hokianga Harbour und mittlerweile eben wieder in der Bay of Islands. Dass das Schiff etwas alt ist, sieht man ihm auch an -trotzdem verspürt es einen gewissen Charme.

Das gesamte Unterdeck wurde von einer Bar dominiert, an den Seiten genug Platz für Tische, eine kleine gemütliche Sofaecke,  ein Billardtisch und zwei kleine, aber angenehme Toiletten. Am hinteren unbedachten Teil führte eine Wendeltreppe in die zweite Etage, wurden die vielen Kayaks gelagert und auch die meisten Aktivitäten abgehalten. Die Klappe der Fähre war nicht etwa hochgezogen, sondern schleifte die ganze Zeit im heruntergeklappten Zugang über die Wasseroberfläche, sodass ab und an ein bisschen Wasser auch das Schiff flutete. Dafür konnte man direkt unmittelbar über dem Wasser stehen. Unser Zubringerboot war an der linken Seite des Schiffes angekettet und wurde die ganze Zeit mit durchs Wasser gezogen.

Die obere Etage beherbergte die Schlafräume, eine kleine Dusche und zwei Aussichts-Deck, eins vorne, eins hinten, verbunden durch einen schmalen Durchgang auf der rechten Außenseite, über dem auch mein Zimmer erreichbar war, dass ich mir mit 2 anderen Gästen teilte. 6 Stockbetten, aber eigentlich ganz bequem, dazu Stromanschlüsse, die aber nur für gewisse Zeit funktionierten, nämlich für die Abendstunden zwischen 19-23 Uhr als der Generator angeworfen wurde.

Die Crew präsentierte sich uns auf den Schiff nochmal, führte uns in unsere Reise ein und bald stachen wir dann auch schon in See Richtung Bay of Islands.

Neben mir an Bord war ein knapp 40-jähriger aus Singapur, den ich eher auf mein Alter geschätzt hatte, ein älterer Mann aus England (der auch lange in Deutschland gelebt hatte und ganz gut Deutsch sprach), der mit seiner in Neuseeland lebenden Tochter dabei war, sowie 2 Paare, ein neuseeländisches und ein britisches in den Flitterwochen. Normal ist das Boot für 36 Leute ausgelegt und meist auch ausgebucht – mit 8 Leuten hatten wir das – der Nebensaison sei Dank, nicht ansatzweise geschafft, was mit vielen Vorteilen verbunden war.

Das zeigte sich auch schon bei unserer ersten Aktivität – Gewehrschiessen auf eine Spielzeugente, die hinter dem fahrenden Boot hergezogen wurde. Waffe war ein Paintball-Gewehr, wer die Ente traf hätte einen kostenlosen Drink spendiert bekommen. Hatte aber keiner! Nachdem mein erster Schuss meilenweit vorbeigangen war, verfehlte der zweite immerhin aber nur knapp. Das ganze ging, den wenigen Leuten sei Dank, auch schnell vorüber, sodass ich mich wieder darauf konzentrieren konnte, Massen an Fotos zu machen.

Während ich dies tat, wurden Angelleinen ausgehängt, um Köderfische für das spätere Angeln zu fangen. Das gelang dann auch, die Fische wurden gefangen, getötet und in kleine Würfel filletiert, die wir später noch benutzen sollten.

Erst einmal stand jedoch der spektakuläre Sonnenuntergang an, den ich bestaunen konnte vom Meer aus. Als das letzte Tageslicht entwichen war, hatten wir dann die Chance zum Angeln.

Eigentlich bin ich ja bekennender Fisch(erei)-Hasser, was einerseits wohl von traumatischen Ereignissen in jungen Jahren auf Fehmarn stammt (da war ich wohl auch mal mit zum Angeln), andererseits aber natürlich auch von meiner, zumindest eingebildeten, Fisch-Allergie kommen könnte.

Trotzdem überwand ich mich, schnappte mir eine Angelroute und legte los, nachdem ein Crewmitglied mir freundlicherweise den ekligen Fischfiletwürfel auf den Angelhaken gezwirbelt hatte. Nicht richtig aufgepasst bei der Angeleinführung und ja überhaupt total unbedarft bei praktischen Dingen ;), machte ich das Angeln die erste Viertelstunde total falsch und zerbrach fast die Angelroute, als ich mich wunderte, warum ich die Rute nur zurückziehen nicht aber ausweiten konnte. Die Einrichtung dazu entdeckte ich nach fachkundiger Anleitung irgendwann dann aber auch und das Geduldsspiel sollte beginnen. Petri heil!

Teile der anderen Gäste hatten bereits Erfolg und ein paar kleine Schnapper aus dem Wasser gezogen, die nach Braten auf dem Grill in den Mäulern der hungrigen Gäste verschwanden (außer meinem!). Ich hatte jedoch nicht soviel Glück – oder sagen wir vielleicht besser, ich wollte es nicht! 😛

In der wohl gut über einstündigen Angelerfahrung bissen mindestens 8-mal Fische an – hochziehen konnte ich jedoch keinen einzigen, meist waren dann der Fisch und der Köder bereits verschwunden in den Tiefen des Meeres. Insofern beschränkte ich mich darauf, die Fische mit Fischwürfeln zu futtern, statt diese selbst verfüttern zu lassen. Aber war eine Erfahrung wert!

Danach wartete dann bald auch schon das Abendessen, das nicht nur aus gegrilltem Fisch, sondern auch aus gegrilltem Steak (medium) und Bratwürstchen bestand. Dazu gab es vielfältige Beilagen – es war ein wirklich ordentlicher, sehr delikater Festschmaus, begleitet von einigen Gesprächen.

Nach einem kleinen Chill-Out nach dem Essen stand dann auch das meiner Meinung nach beste Ereignis der ganzen Fahrt an.

Kayak fahren in völliger Dunkelheit unter dem fantastischen Sternenhimmel! Es war einfach magisch… unbeschreiblich.. wundervoll…

Rein ins Kayak und alle dicht beieinander haltend (in Dunkelheit auf dem Meer verloren ist ja nicht so toll) entfernten wir uns dann schon schnell von der einzig wirklichen Lichtquelle – unserem Schiff!

Richtung einer der Inseln ging es, auf der wir auch eine kleine Hütte ausmachten, die, wie ich am anderen Morgen erfuhr, wohl knapp 10 Millionen Dollar wert sei, rein wegen der Lage.

Wir paddelten dann also durchs Wasser und ich zumindest legte mich teilweise zurück, mit den Augen den total klaren Sternenhimmel bewundernd, so klar wie ich ihn noch nie gesehen habe. Tausende Sterne, selbst die Milchstraße war deutlich zu erkennen.

Eine andere faszinierende Sache wart die Phosphoreszenz des Wassers. Mit den Händen das Wasser aufwühlend brachte man es zu einem schwachen, aber erkennbaren weißlichen Leuchten, ausgelöst durch was weiß ich genau. Soll es zwar recht häufig an vielen Stellen der Erde geben, trotzdem hatte ich die Erfahrnung noch nicht gemacht (war ja auch nachts noch nicht direkt auf dem Wasser im Meer).

Bei all dem Spaß war mir jedoch auch manches Mal mulmig zumute. So könnte doch ein Hai angeschwimmen kommen, grade bei Dunkelheit sind die doch gefährlich. Grade ein paar Tage zuvor hatte ich einen Artikel über Haie in Neuseeland gelesen, der auch besagte, dass ein paar Große Weiße dort in der Bay of Islands herumschwämmen. Naja, ist keiner aufgetaucht, leider… 😉

Nach dieser unbeschreiblichen Kayak-Tour, die trotz der relativ kalten Nacht 40 Minuten währte (ich dick eingemummelt in 2 T-Shirts und Jacke) sprang ich aller Hai-Angst zum Trotz dann sogar noch ins garnicht so kalte Wasser.Mitten in der Nacht im offenen Meer in haiverseuchten Gewässer schwimmen – wer hat das  sonst schonmal gemacht? Naja, allzu lange währte der Ausflug nicht, schon bald befand ich mich wieder auf dem Schiff, zog mich um und ließ dann im gemütlichen Beisammensein, meist um den warmen Kamin des Schiffes, den Abend ausklingen. Eine Partie Billard war auch noch drin, die ich jedoch aus lauter Unübung gegen den Singapuresen (oder wie man die nennt), trotz seiner Aussage er hätte noch nie Billard gespielt, schändlich verloren. Zeit also, ins warme Bett zu hüpfen, es war etwa 23 Uhr, um am anderen morgen fit zu sein, es sollte nämlich bereits früh losgehen.

Früh heißt in diesem Fall 6.45, als mich der Wecker aus dem Schlaf riß, ich mich in meine Kleider schwang und leise das Zimmer verließ, um auf den Vorderdeck bereits den Singapuresen anzutreffen, der mit seiner Spiegelreflexkamera ordentlich Fotos machte. Wovon? Na, vom Sonnenaufgang natürlich!

Ich war vielleicht schon etwas spät, aber noch früh genug für ein paar äußerst zauberhafte Minuten (siehe Fotos). Ein total weißes Meer, im Hintergrund die schwarzen Umriße der Insel(n), irgendwann dann auch andere „Farben“ eingeschlossen. War der Sonnenuntergang schon spektakulär, so war es dieser Sonnenaufgang jetzt erst recht!!!

Zwar sehe ich wegen meiner notorischen Langschläfigkeit eher wenig Sonnenaufgänge, glaube jedoch kaum, dass andere Sonnenaufgänge an so etwas herankommen. Unzählige Fotos wurden geknipst, eine kleine Auswahl sehr ihr später. Für das perfekte Bild des Jahres fehlten nur noch ein paar spielende Delfine im Bild – diese Hoffnung blieb leider unerfüllt, während der gesamten Reise. Keine einzigen Delfine zu sehen, obwohl die sonst von diesem Boot quasi immer gesichtet werden. Nunja, eine Möglichkeit bleibt mir noch…

Nach dem tollen Start in den Tag gab es ein vernünftiges Frühstück, dabei und danach fuhr unser Schiff bereits von seinem Ankerplatz näher in die Bay of Islands mit seinen vielen verschiedenen, mal winzig kleinen, mal ziemlich großen Inseln ein. So fuhren wir auch an der Privatinsel Rupert Murdochs vorbei, die natürlich einige Millionen Dollar wer ist. Die interessante Anekdote dazu: eigentlich ist bei dem Erwerb einer Insel nur der Strand (und der ganze Rest) Privatbesitz, bei dieser wurde jedoch auch Teile des Meeres (bei Flut) erworben, sodass es nicht möglich ist (bzw. besser verboten ist), bei Ebbe dort anzulanden und auf diesen öffentlich zugänglichen Abschnitt eine wilde Party zu feiern.

Direkt dessen Privatinsel gegenüber war jedoch eine größe andere Insel, die der Öffentlichkeit zugänglich ist – Moturura Island. Unser Schifflein ankerte etwa mittig zwischen beiden Inseln, wir bestiegen ein weiteres Mal unsere Kayaks und paddelten die knapp 300m zum Strand besagter Insel, ein wahres Idyll. Traumhafter Strand, saftig grüne Insel mit ein paar Hügeln und dichtem Urwald. Richtige Karibik-Atmosphäre (das sage ich, weil ich grade gestern einen Film eines Piraten der Karibik gesehen habe ;))!

Auf einen dieser Hügel machten wir auch eine kleine Wanderung – von dort oben boten sich grandiose Ausblicke über die gesamte Bay of Islands. Kein Wunder, dass die Fotokamera ordentlich klickte und blitzte. Dort oben standen auch die Ruinen eines alten Bunkers – die Aussichten schätzten auch die Neuseeländer bei der Suche nach feindlichen Schiffen. Beim Blick auf die Bucht zurück, wo unser Schiff ankerte, fiel dann auch die absolute Stille auf. Neben unserem Schiff ankerten nur zwei kleine Segelyachten nahe der Insel, sonst ließ sich kein anderes Boot blicken. In den Sommermonaten sieht das ganz anders aus – dann ragen 30 Masten in der Bucht in die Höhe und unzählige Menschen lassen den zu diesen Tag so friedlichen Strand aussehen wie den in Lloret de Mar (benimm dich dort, Philipp!). Zum Glück war absolute Nebensaison, von 30 Ausflugsveranstaltern hatten vielleicht noch 2-3 Touren im Angebot, die wenn überhaupt auch erst später am Tag zu dieser Insel kamen. Wir hatten ja grade mal etwa 10 Uhr.

Wieder zurück am Strand hatten wir dann gut 2 Stunden Zeit auf oder neben der Insel zur freien Verfügung. Ein Schlauchboot vom unseren Schiff hatte uns unsere Habseligkeiten sowie Schnorchelausrüstung mitgebracht.

Mit der bewaffnet trauten sich dann nach und nach alle ins Wasser, um nach „Kina“ zu tauchen. Das ist eine Art Seeigel, eine Delikatesse in manchen Ländern, für die recht hohe Preise gezahlt werden. Wir hatten die Gelegenheit diese einfach so zu sammeln und später zu verzehen, doch dazu später.

Ich wollte nicht schnorcheln, traute mich jedoch trotzdem ins Wasser und schwamm ein bisschen. Im Winter in Neuseeland im Meer baden – das geht! Wassertemperatur hatte in etwa Ostsee-Niveau im Sommer – so 18 Grad schätzungsweise. Genug um einige Zeit im Wasser ausharren zu können. Das tolle Wetter mit der strahlenden Sonne sorgte auch wieder für schnelles Aufwärmen. Später auf dem Schiff wollte ich die Badesachen garnicht mehr gegen warme Kleidung wechseln, so in Sommerstimmung war ich durch das fantastische Wetter.

Bevor ich dort hinkam stieg ich jedoch in mein Kayak und erkundete noch gut eineinhalb Stunden die Bucht um die Insel herum. Das war der große Vorteil der wenigen Leute – man hatte ein Kayak für sich zur freien Verfügung. Als ich zur Toilette musste, gab es einen kleinen Zwischenstopp auf dem Schiff, wo ich mich auch mit weißer Schokolade versorgte (am Vortag eingekauft als Notreserve). Die wie auch die Kamera in die Tasche meiner Rettungsjacke gestopft paddelte ich mal hier, mal dorthin. Meine Neugier zog mich z.B durch eine enge Spalte zwischen zwei Felsen, die mich plötzlich aufs offenes Meer brachte, das stille Wasser verwandelte sich nämlich schnell in langgestreckte, garnichtmal so niedrige Wellen. Bevor die mich zum Kentern brachten, kehte ich lieber wieder in stillere Gewässer zurück, wo ich z.B durch ein paar Felskanäle paddelte oder auf der gleichen Insel weiter südlich einen isolierten, einsamen Strand ansteuerte. Das war jetzt echtes Abenteuer-Feeling! Mit dem Kayak in der schönen Bay of Islands gestrandet!

Mein Handtuch als Kopfkissen legte ich mich auch teils einfach nur zurück, beobachtete den Himmel und das Meer, und schlief auf dem sacht im Meer wogenden Kayak sogar fast ein. Ein wirklich tolles Erlebnis – Kayaking gefällt mir wirklich sehr!

Irgendwann war dann damit aber Schluss, es ging zurück zum Schiff und dieses steuerte wieder nach Paihia zurück. Vorbei ging es wieder zwischen den Inseln, über das Meer am Festland vorbei, vorbei an einem martialischen Schlachtschiff (was wollte das da?), einen kleinen im Meer schwimmden Pinguin (süß!) und in den Naturhafen wieder nach Paihia, wo wir gegen 15 Uhr dann auch wieder angekommen waren. Auf der Rückreise wurden dann auch noch die gesammlten Kina verzehrt – nciht von mir, sind ja eklige Meeresfrüchte. Nicht mit den Stacheln wohlgemerkt, ähnlich einer Nuss wird das Innere geöffnet und ausgelöffelt. Soll wohl ganz schmackhaft sein.

Näheres kann mir wohl ersparen – ich kann jedoch sagen, dass der Trip absolut fantastisch war und das Geld dafür (knapp 90 Euro) bestens angelegt. Also, wenn ihr in die Bay of Islands kommt, leistet „The Rock“ einen Besuch ab – es wird euch nicht enttäuschen. Insbesondere in der Nebensaison, wenn nicht viel los ist. Wenn das Wetter dann noch so fantastisch ist, gibt es nichts Schöneres!

Hier jetzt noch viele schöne Bilder:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: