Tag 1 (Teil 2): Turangi-Taihape

So, jetzt geht es mal weiter mit meinem Reisebericht. Wo waren wir stehen geblieben?

Ich glaube, wir waren bis zur Forellenzucht gekommen, machen von dort also mal weiter. Es ging wieder zurück nach Rangipo, das lediglich aus einer Hütte am Straßenrand samt Schranke besteht. Nicht etwa, weil es in ein fremdes Land geht, sondern auf die Desert Road. Die ist im Winter aufgrund massigen Schneefalls jedoch oft gesperrt und wird damit dann eben abgesperrt. Am Tag meiner Reise jedoch noch nicht – ein Blick auf die Vulkane genügte, um zu sehen, dass nicht allzu viel Schnee, jedenfalls nicht so tief, lag. Schnee fällt dort auch rein deshalb so oft, weil es die höchstgelegene Straße der Nordinsel ist, teilweise über 1000m über NN.

Von der angeblichen Wüste sah man auf der Desert Road jedoch erstmal nichts. In Rangipo ist noch grünstes Grasland, samt Wald, nach ein paar Kilometern wird der Wald sogar dichter, fast urwaldmässig. Dort beginnt auch die Tongariro Heritage Area – Weltnaturerbe und auch zuhause von ein paar Kiwi-Vögeln. Durch diesen Urwald windet sich die Straße ein paar Höhenmeter nach oben, um dann tatsächlich in immer wüstenartigere Landschaft zu führen. Die Bäume verschwanden und machten Sträuchern Platz, über denen man bereits die schneebedeckten Vulkane sehen konnte. Irgendwann wurden aus vielen Sträuchern wenige und gelbes Tussockgras dominierte. Etwa zu Beginn dieser Ebene von Tussockgras beginnt auch das Militär-Sperrgebiet. In dieser Gegend liegt nämlich das Trainingsgelände er neuseeländischen Armee. Auf der westlichen Seite erstreckt sich die flach, selbst mit Tussockgras kaum bewachsene Hochebene bis zu den hoch aufragenden Vulkanen, nach Osten sieht man ein gelbes Grasmeer bis zu den braunen Bergen der Kaimanawa Ranges, ungefähr genauso weit entfernt wie die Vulkane (10km vlt.). Vor allem im Osten liegt die Sperrzone, es ist „verboten“ bzw. es wird alle 50m auf Schildern davor gewarnt, die Straße mehr als 20m zu beiden Seiten zu verlassen. Man könnte ja in einen Schusswechsel geraten…

Das tat ich auch nicht, allerdings machte ich viele Stopps um die Umgebung zu fotografieren, die bald wirklich wüstenartig war. Man kann es wohl nicht als wirkliche Wüste bezeichnen, dazu fällt viel zu viel Regen bzw. im Winter auch Schnee, die Bodenqualität ist jedoch so desaströs, dass selbst das Tussockgras an vielen Stellen nicht wächst. Da helfen selbst die paar Bächlein nicht, die bizarr anmutende Flusstäler auswaschen.

Trotzdem war es auf alle Fälle ein Erlebnis, diese (Halb)-Wüste auf dem SH1 zu durchqueren. 53km nach Rangipo, die wirklich trockene Gegen hatte bereits aufgehört und wieder Wald un Grasland Platz gemacht, liegt das Örtchen Waiouru, Sitz der neuseeländischen Armee. Hier gibt es demnach vor allem viele Kasernen, aber damit hat sich auch ein bisschen Infrastruktur und der Lage zu den Vulkanen wie auch günstig auf halbem Wege zwischen Wellington und Aucklan wegen ein paar Übernachtungsmöglichkeiten.

Bis auf eine Ausnahme jedoch ein Ort, den man einfach so durchqueren könnte. Jene Ausnahme wirkt so martialisch, dass man fast gezwungen wird anzuhalten. Mitten dort im Nirgendwo wurde nämlich ein dickes Museum gesetzt, das New Zealand Army Museum. Sieht wie ein dicker Bunker aus, davor stehen ein paar ausgemusterte Panzer, die in alle Richtungen zu feuern drohen.

Das Museum war mir bereits aufgefallen, als ich damals mit Jonas den Weg von Wellington nach Taupo bei Nacht zurücklegte. Unter Beleuchtung sah das ganze wirklich interessant aus, interessant um zurückzukommen. Das war nämlich auch der Grund, ich wollte die Desert Road fahren und etwas sehen, das hatte sich ja auch erfüllt.

Nun wollte ich mir natürlich auch das Museum anschauen, wo ich, wen wunderts, mein allerstes Mal in Neuseeland und überhaupt mit „Sir“ angeredet wurde, als ich mein Ticket erwarb. Dann ging es in die Ausstellung, die chronologisch nach den Kriegen geordnet war, die Neuseeland so ausgefochten hat. Von den anfänglichen Konflikten mit den Maori über den Burenkrieg in Südafrika, die zwei Weltkriege, Korea, Vietnam und Co. bis  zu Afghanistan. Ausgestellt wurden eben vor allem Waffen aller Art, Panzer und sonstige Fahrzeuge und alles mögliche an Ausrüstung, allerdings gab es auch immer sehr interessante Erklärungen zu allen Sachen. Der Gedenkraum darf natürlich nicht fehlen, überhaupt wird dort detailliert über fast jeden für Neuseeland im Krieg Gefallenen erinnert. Auch Nazi-Zeugs war in voller Pracht ausgestellt, Hakenkreuzfahne und Co. kriegt man in Deutschland ja eher nicht zu sehen.

Überhaupt gibt es in Deutschlan wohl kaum solch ein Museum (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), jedenfalls nicht in jener eher kriegsverherrlichenden Darstellung. War trotzdem ganz interessant und wissenswert!

Nach Verlassen des Museums war es bereits etwa 15.30 Uhr, ich war meiner eigentlichen Zeitplanung etwa zwei Stunden hinterher. Da es ja bereits kurz nach 17 Uhr stockdunkel wird, machte ich mich auf den Weg zu meinem Zielort Taihape. Die Landschaft in den verbliebenen 25km dorthin verwandelte sich in grünes Hügelland, allerdings von ganz anderer Art als z.B das hier um Helensville. Hier und im ganzen Norden allgemein gibt es langes  grünes Gras auf sanft geschwungenen Hügeln, dort ist das Gras etwas dunkelgrüner, viel kürzer und auf viele, teils doch sehr steile Hügel konzentriert, auf denen Schafe weiden, Menschern aber schwer klettern können. Außerdem ging die Straße kontinuerlich bergarb, von den knapp 1000m bei Waiouru  zum etwa 600m über NN gelegenen Taihape, das ich jedoch erst einmal nur durchfuhr. Dabei fiel mir auf, dass der Ort doch garicht so klein war wie angenommen, sondern schon als Städtchen mit allem Drum und Dran bezeichnet werden kann. Bevor ich jedoch meine ausgesuchte Unterkunft aussuchte, ging es noch weiter nach Süden, ich hatte nämlich noch ein Ziel an jenem Tag.

Ein paar Kilometer nach Taihape bog ich nach Osten ab, überquerte die Schienen kurz vor einer herannahenden Bahn (die war noch min. 500m weg, aber vlt. hätte ich besser gewartet, die hat näämlich gehupt :D) und folge der immerhin asphaltierten Straße ostwärts ins Hügelland. Die Straße endet letztlich irgendwo im Nirgendwo, in meinem Fall führte sie mich bis zum Mokai Gravitiy Canyon. Das ist eine attraktive, tiefe Schlucht, bekannt dafür, dass man dort Bungeejumping und Co. machen kann. Das lag jedoch nicht in meiner Absicht, auch wenn ich zugeben muss, damit liebäugelt zu haben (ost bloß alles etwas teuer). Statt Bungee hätte ich auch eher die Schaukel genommen, wo man immerhin nicht über Kopf 80m in die Tiefe fällt.

Jedenfalls war es eh schon zu spät, eines der Dinge auszuprobieren, die Dämmerung begann bereits, aber immerhin hatte ich noch einen guten Blick in den Canyon. Eine einspurige Brücke führt über die Schlucht, 80m tiefer fliesst der Rangitikei River, ein größerer Fluss der Nordinsel. Erst machte ich ein paar Bilder von der Seite, später überquerte ich auch die Brücke und machte von dort noch ein paar sehenswertere Bilder.

Der Mokau Gravitiy Canyon ist aber nicht nur irgendeine Schlucht, sondern war auch ein Drehort der „Herr-der-Ringe“-Filme. Ein paar Szenen der Kanufahrt der Gefährten auf dem Anduin wurden hier gedreht und tatsächlich kann man das auch ziemlich gut wiedererkennen. Die Schlucht ist schon recht langgestreckt, die Straße auf dem Weg zum Bungee-Jumping und Co. führt fast3km quasi am Rand der Schlucht entlang, dert Blick hinein allerdings durch dichtes Gestrüpp versperrt.

Neben dem Bungeejumping unf Skyswing (Schaukel) gab es auch noch einen Flying Fox, der mich bei der Vorabinformation darüber am meisten reizte. Als ich den jedoch real sah, zweifel ich daran, ob ich das tatsächlich gemacht hätte. Auf der anderen Seite der Schluct führten viele Treppenstufen zu einer Plattform, sicher 100m höher von der man am Seil hinunterschiesst mit Blick auf die reißenden Fluten tief in der Schlucht unter einem. Da ich so spät war, konnte ich leider nichts davon in Aktion erleben, verabschiedete mich also bald um nach Taihape zurückzufahren.

Dort suchte ich dann das etwas versteckt liegende, einzige Hostel, das ich letztlich auch fand. Eigentlich kann man von Taihape aus, die Vulkane nicht wirklich sehen, da die hohen Hügel rundum ie Sicht verdecken. Von meiner Herberge am Hang eines Hügels jedoch hatte man einen tollen Blick auf den Mt Ruapehu, dessen obere komplett schneebedeckte Fläche über den grünen Hügel thronte. Die untergehende Sonne färbte das ganze in einem wunderschönen Licht!

In meiner Herberge war ich der einzige Gast, der Besitzer war ein verschrobener alter, aber netter Mann, der grade an einer Uhr für seine Mutter bastelte. Leider hatte der auch einen Hund – eine Bulldogge, dazu mit Sockenfetisch. Er meinte zwar, die beiße nicht, aber ich wär mir da nicht so sicher. Die vorherigen Besitzer hätten ihr als Welpe antrainiert, total auf Socken loszugehen. Wann immer also ein Socken offenlag schnupperte dieses Viech daran um und biss sogar hinein. So biß die Bestie auch in meinen und traf natürlich nicht nur meinen Socken. Nicht sonderlich schlimm zwar, aber ich beschwerte mich und das Monster wurde nach draußen verfrachtet.

Mein Abendessen hatte ich dann im Städtchen Taihape, zugegeben im örtlichen McDonalds. Das soll als Beweis dienen, dass Taihape garnicht so klein ist. Das Taihape trotzdem klein ist zeigte aber die Tatsache, dass ich knapp 40min. auf meine Bestellung bzw. die Auslieferung warten musste, obwohl es echt total leer war. Vor mir warteten einige bereits noch länger und gaben irgenwann entnervt auf, nachdem sie ihrer Empörung lautstark Luft verschafft haben. Ich genoss letztlich jedenfalls meine Burger, nutze die Angenehmlichkeit des dortigen Internets und ging dann nach Rückkehr in mein Hostel sogleich ins Bett – 19,45 Uhr, ein neuer Frühigkeits-Rekord. Aber wie Ihr euch vorstellen könnt, ihr habt jetzt ja auch bereits massig gelesen, war dieser Tag ziemlich vollgepackt. Vermutlich wohl der vollgepackteste seit ich in Neuseeland angekommen bin.

Am nächsten Morgen sollte mich eine Überraschung erwarten – doch das folgt an einem anderen Tag.

Auto ist weg :(

Ich komme einfach nicht dazu, über meinen letzten Ausflug weiterzuschreiben, werde das in den verbleibenden 3 Wochen aber sicher noch schaffen.

Ich mache es kurz und schmerzlos: mein Auto ist verkauft – bereits seit Donnerstag. Das ging alles so schnell, dass ich es immer noch nicht fassen kann.

Am Donnerstag mittag fuhr ich mit dem Auto nämlich erstmal zur Werkstatt, um einen WOF (Warrant of Fitness) machen zu lassen, wie Ihr sicher bereits wisst ein Tüv-ähnlicher Test, den man hier halbjährlich machen muss. Der ist auch garnicht so streng wie der deutsche Tüv, sondern ziemlich „basic“ um es auf Englisch zu sagen. Trotzdem fanden sich ordentlich viele Mängel am meinen  Honda . Z.B zwei sich nicht öffnende Türen, kaputter Blinker, nicht funktionierendes Brems- und Standlicht, irgendwas mit der Bremse falsch, kaputter Auspuff und noch mehr.

Die Wartepause für einen Friseur-Besuch nutzend (meine Haare wurden schon wieder verunstaltet) nahm ich danach jenen Report aber recht gefasst entgegen – hatte ich doch mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet. Ich erwähnte, das Auto verkaufen zu wollen, wohin mir gleich angeboten wurde, das Auto dort für lächerliche 100 Dollar zu entsorgen, würde ich es nicht loswerden. Doch dazu sollte es nicht kommen!

Mein alter WOF war ja auch bereits abgelaufen, ich durfte also eh nicht mehr legal fahren, auch wenn hier alle sinngemäß gesagt haben „Neuseeland ist nicht Europa“. Aber ich wollte das Auto in den noch verbleibenden 3 Wochen ja auch loswerden, weshalb ich es am Nachmittag auf TradeMe stellte, das ist das neuseeländische Ebay (Ebay gibts hier nicht ;)). Kostete 30 Dollar, die Ergebnisse konnten sich aber sehen lassen. Keine 10 Minuten später rief ein erster Typ an, der mir 300 für den Wagen bot – ich hatte ihn für 500$ auf Verhandlungsbasis eingestellt. Aber höher wollte er nicht gehen, weshalb ich auf weitere Anrufe/Emails wartete. Die trudelten auch ordentlich ein, ein junger Mann vereinbarte noch gleich ein Besichtigungstermin am Donnerstag Abend.

Und der nahm das auch Auto auch gleich mit, weitere Details verschweige ich mal. Heute jedenfalls hatten sich schon 400 Besucher das Angebot angesehen und ich hatte gut 20 Anfragen, die ich meistens aber ausschlagen musste, weil das Auto schon weg war. Vielleicht hätte ich mal besser gewartet, dann wären vielleicht noch ein paar Dollars mehr drin gewesen. Aber eigentlich bin ich ganz zufrieden, überhaupt noch ein wenig bekommen zu haben – Cash auf die Hand, im Gegenzug gabs den Schlüssel. Das Verkaufsformular habe ich heute ausgefüllt und weggeschickt (gibts beim Postamt, was ich jetzt aber, unmobil wie ich bin, nicht so einfach erreichen kann). Das Auto ist jetzt jedenfalls weg.

Knapp 30.000km in nur 9 Monaten hat es mich begleitet, auf Sand und Kies, Gras und Asphalt, durch Monsunregen und Sonnenhitze, durch Nebel und Wolken, vorbei an Seen und Bergen, an Meer und Stränden, durch Städte und  Dörfer – durch ganz Neuseeland!

Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig die Welt zeigen, mein lieber Honda Civic – jetzt wirst Du voraussichtlich in den Händen eines jungen polnesischen Studienanfänger nur das graue Auckland befahren können, an das Du ja immerhin bereits gewöhnt bist! Mögest du noch weiter so majestätisch über die Straße gleiten, sicher und geschwind, ohne Hektik aber effizient und möge dein Blech heile bleiben. Für die vielen Macken und das Herausreißen beider Blinker möchte ich mich abschließend bei Dir noch einmal entschuldigen! Mach es gut, mein lieber Honda Civic, ich werde Dich, mein erstes wirkliches Auto, stets im Herzen tragen!

 

Genug der sentimentalen Gefühle, doch das musste grade sein. Jetzt kann ich mich auf die verbliebenen 3 Wochen konzentrieren, ohne Angst zu haben, das Auto nicht loszuwerden. Jetzt heißt es, die letzte Zeit zu genießen – das tue ich auch bereits. Seit meinem letzten Trip und jetzt insbesondere seit Verkauf des Autos fühle ich mich ganz anders und mir wird bewusst, dass ich tatsächlich nur noch 3 Wochen in diesem Land habe, dass mir viel gebracht hat. Doch das ist ein anderes Thema für einen anderen Artikel 😉

Tag 1 (Teil 1): Auckland-Turangi

Dann beginnen wir mal mit einem wahrscheinlich sehr langen Artikel:

Da ich schon wusste, dass mein erster Tag wohl sehr lang werden würde, lag ich am Mittwoch Abend bereits um 21 Uhr im Bett, um gegen 4 Uhr morgens am anderen Tag aufzustehen und meinen Weg nach Süden zu machen. Denn die Strecke zumindest bis Hamilton bin ich ja bereits mehrmals gefahren, im möglicherweise unbekannten Terrain wäre es dann ja bereits einigermaßen hell gewesen. Jedenfalls dachte ich, so deutlich mehr vom Tag zu haben, was sich auch bestätigte.

Um Hamilton machte ich auf der Hinfahrt einen Bogen und fuhr durchs östliche Umland über Cambridge (Cambridge und Oxford gibts auch in Neuseeland ;), wo ich einen tollen Sonnenaufgang erblicken konnte, der mich sogar einige Male anhalten ließ, um durch das Autofenster ein paar Bilder zu knipsen. Weiter südlich in Tokora, bereits knapp 3 Stunden südlich von Auckland machte ich einen Tankstopp und steuerte dann eine bisher mir noch unbekannte Strecke an, die mit etwas Abstand am westlichen Ufer des Tauposees vorbeiführt, ganz einfach aus dem Grund, dass ich die östlich verlaufende Hauptstraße bereits gefahren bin.  Vorher überquerte ich aber noch den Waikato, bekanntlich Neuseelands längster Fluss, der sich auch aus den Tauposee speist und am frühen Morgen von Nebelschwaden überwadert war. So sah ich dort, in Mangakino, nicht viel vom Fluss, dafür eines der Kraftwerke, die den Waikato an ein paar Stellen für Stromproduktion aufstauen. Danach ging es überwiegend durch Forstwald und Hügelland, bis sich auf einmal ein herrlich gelegener Rastplatz anbot, vom dem man zum ersten Mal einen Blick auf Neuseelands größten See hat. Die Aussicht von dort war schon beeindruckend, viel besser als von Taupo aus, wenn auch nicht mit den Vulkanen im Hintergrund. Die zeigten sich jedoch auch schon bald bei der Weiterfahrt, noch fern aber so nah scheinend über den grünen Hügelkuppen aufragend, immerhin weiß, ist ja schließlich auch Winter.

Ab und an bogen ein paar Pisten in abgelegene Buchten am Tauposee ab, die ich jedoch meist ignorierte. Eine, bereits recht weit in Süden nahm ich jedoch auf mich und wurde erst von einem Hügel aus mit einem weiteren großartigen Blick konfrontiert, um dann zum Wasser fahrend meine Hände ins kühle, aber doch noch erfrischend angenehme Nass zu tauchen. Mit dem kleinen Strand ist das garnicht so kleine Ferienhaus-Örtchen im Sommer sicherlich begehrt, auch jetzt waren noch ein paar Leute dort unterwegs. Zur nächsten Stadt, Turangi, südlich des Sees gelegen war es auch nicht mehr allzu weit.

Statt nach Turangi zu fahren, bog ich jedoch vorher auf die Route ab, die auf die Hochebene zu den Vulkanen führte. Beim Erklimmen der Steigung bot erneut ein Rastplatz herrliche Blicke über den Tauposee, diesmal von Süden. Denn das Wetter war an diesem Tag ausgezeichnet.

Vorbei ging es an einen See (den, den man damals vom Vulkan bei meiner Besteigung sehen konnte) und dann eigentlich geplant westwärts wieder auf die Hauptstraße SH1. Den etwas, für diese Zeit aber eher kaum schneebedeckten Mt Ruapehu wollte ich jedoch noch einen näheren Besuch abstatten und fuhr so erst noch über die Hochebene über die ebenfalls noch nicht absolvierte Strecke weiter nach Süden, immer die drei Vulkane im Blick. Der Gipfel des Mt Ngaurahoe, meinem ganz persönlichen Schicksalsberg war auch bereits schneebedeckt – eine Besteigung zu dieser Zeit wäre also eher weniger gut möglich gewesen.Vorbei am Chateau Tongariro, einem schloßähnlichen Luxushotel direkt am Fuße des Mt Ruapehu und das anliegende kleine Whakapapa-Dorf ging es die Straße zum gleichnamigen Skigebiet hoch. Schnee konnte man, wie gesagt, zwar in den ganz hohen Lagen sehen, doch bei den Liften des Skigebiets angekommen (die ja bereits auf etwa 1600m liegen) war kein Schnee zu finden. Dabei ist man dort dringend auf Schnee angewiesen, die Saison sollte eigentlich eine Woche später losgehen. Dafür muss es dort jedoch noch kräftig schneien, die Geröllabhänge mit den vielen Steinen sind eher kontraproduktiv zum Ski fahren.

Als ich jedoch den recht vollen Parkplatz sah und den Betrieb eines der Sessellifte wurde ich ganz unruhig und überlegte schon innerlich meine Reisepläne durcheinanderzuwerfen, um vielleicht in den oberen Lagen Ski fahren zu können. Pustekuchen, es war nur Probebetrieb, ob denn auch alles lief. Das geöffnete Cafe und natürlich der grade an diesem Tag tolle Blick (bei meinem vorigen Besuch dort war alles dicht in Wolken gehüllt) erklärten vielleicht die vielen Besucher. So hatte ich von dort sogar noch den Gipfel des doch recht weit entfernten Mt Taranaki im Blick.

Züruck ging es den gekommenen Weg, mitten im Nirgendwo ein trampendes Paar aufgreifend, die ich erst in Rangipo ablieferte, um sie gleich darauf wieder einzuladen sie mit nach Turangi zu nehmen. Sie wollten nach Taupo, ich in die andere Richtung – Rangipo ist der Punkt wo die Straße von Osten, auf der ich war, wieder den SH1 trifft, den ich von dort nach Süden fahren wollte, durch die Rangipo-Wüste nämlich.

Ich musste nämlich umkehren wegen akuten Spritmangels, da ich am Morgen nicht vollgetankt hatte und die Entfernung von meinem Punkt zum nächsten Städtchen unterschätzt hatte, zumal ich dachte dort eine Tankstelle anzutreffen. Dort gibt es allerdings garnichts, nur eine Straße die zum Rangipo Prison führt, Neuseelands Hochsicherheitsgefängis. Kein schlechter Ort das in jener Einöde zu platzieren.

Es ging jedenfalls nach Turangi, doch nicht nur zum Tanken, sondern auch für eine weitere Attraktion, die garnicht auf meiner Liste war, sich dennoch gelohnt hat. Turangi ist nämlich auch als Welthauptstadt des „Forellen-Angelns“ bekannt, da dort regelmässig ziemlich dicke Fische anbeißen.

Wie an anderer Stelle schonmal erwähnt wurden vor etwas mehr als 100 Jahren Forellen im Tauposee und den umliegenden Flüssen ausgesetzt, die sich gut vermehrten und ordentlich groß wurden. Einer dieser umliegende Flüsse ist der Tongariro, der dem gesamten Vulkangebiet ja auch seinen Namen gibt. Auf jenem war ich, wie sich manch einer vielleicht erinnert, kurz vor Weihnachten letzten Jahres mit Jonas zusammen Rafting durch die Stromschnellen!

An jenem Tag ging es jedoch zu einem ruhigeren Abschnitt des Flusses, an dem das „Tongariro National Trout Centre“ liegt, ein Informationszentrum über Forellen(-Angeln) samt Aqauarium bzw. Zuchtstation. Viele ansprechende Informationen und ein Frischwasseraquarium zeigte Fische in Neuseelands Flüssen, einheimische wie auch eingeschleppte Schädlinge. Natürlich auch Forellen. Die gab es nicht nur in Aquarien, sondern in vielen anderen Tanks und Becken, oft nach Alter und Größe sortiert. Die Zuchtstation ist eher weniger (aber auch) auf Forellenzucht zur Nahrungsgewinnung spezialisiert, sondern hält die Forellen für den Ernstfall bereit, falls einer der umliegenden Vulkane ausbricht und alle Forellen in dem umliegenden Gebiet ausgelöscht werden. Ich fragte mich nur, ob nicht bei diesem Fall nicht auch die Zuuchtstation zerstört werden würde?

Neben dem kleinen Museum und den Aquarien führte auch ein Weg an einem kleinen Bach und später am Fluss Tongariro entlang, wo man Fliegenfischern bei ihrer Tätigkeit zusehen könnte. Forellen-Angeln ist nämlich nur mit Fliegen als Köder erlaubt, jegliche andere Fangmethoden werden hart verfolgt und streng geahndet. Highlight an jenem Bach war, dass eine Glasscheibe unter Wasser am Rande des Baches eingefügt wurde, durch die man wie im Aquarium eben die Fische in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten konnte. Von oben sah ich bereits, dass einige ganz staatliche Forellen dort schwammen. Durch die Scheibe schauend war ich dann noch mehr beeindruckt, wie groß die Viecher doch waren, fast meterlang bereits. Mir gelangen einige ganz nette Fotos, auch den Effekt ausnutzend gleichzeitig unter wie oberhalb des Wassers zu knipsen. Die Bilder könnten auch fast von einem professionellen Tierfilmer stammen, der grad mal im Bach taucht und Unterwasser fotografiert hat.

Naja, auch wenn ich keine (toten) Fische mag, der Besuch dort war allemal intereressant und der kleine Weg von Rangipo nach Turangi (ca. 10km) auch nicht sonderlich schlimm. Allerdings war es nun bereits wesentlich später als geplant (ca. 14 Uhr), es stand nämlich noch einiges an. Zum Beispiel der Weg durch Neuseelands einzige Wüste, wenn man es denn Wüste nennen mag. Doch davon erzähle ich morgen, der erste Tag hatte nämlich noch deutlich mehr zu bieten, viel zu viel um es an einem Abend niederzuschreiben.

Aktuelles

So, jetzt mal wieder ein vernünftiger Artikel. Noch mal ein paar Infos zum Hintergrund meines Problems. Das Internet hier ist auf eine Kapazität von 40 GB insgesamt limitiert, bei Überschreitung dieser Grenze (was eigentlich aber nicht vorkommt, 40 GB reichen ja gut aus) wird die Geschwindigkeit radikal gedrosselt, auf gerade mal 30kb pro minute – da ist das gute alte Modem ja schneller. Demzufolge fällt das Internetsurfen schwer, nur auf größtenteils textbasierten Sachen kommt man noch ganz gut zurecht – ich nutze also die Zeit ein paar Klassiker der Weltgeschichte zu lesen bzw. mich darüber zu informieren: Über iPod ist auch der überwiegende Rest noch ganz gut ohne größere Frustration machbar, da die Datenmenge dort jameist automatisch (Mobil-Version) eh kleiner ist. Zur Überschreitung der Datenmenge kam es übrigens, weil ein gewisser Zeitgenosse meinte, ordentlich Filme downloaden zu müssen, ihr könnt Euch vorstellen, wen ich meine. Anfang nächsten Monats ist es aber wieder ok, da können dann auch ein paar weitere Bilder folgen – Bilder von meinem schönen letzten Trip.

Der führte mich über weite Teile der Nordinsel und quasi alle Wettermöglichkeiten Neuseelands. Schnee gabs keinen anzufassen, aber zu sehen, dafür musste ich nach der Nacht in Taihape trotzdem mein Auto freikratzen wegen Frost. Da unten ist es nämlich deutlich kälter als hier. Meinen gewünschten Ausflug konnte ich an einem anderen Tag aufgrund des Wetters schon wieder nicht unternehmen – jetzt habe ich es 4mal versucht und bin 4mal gescheitert. Muss bis zur Wiederkehr nach Neuseeland warten!

Vielleicht wander ich in Zukunft ja aus – habe mich mal ernsthaft mit den Einwanderungsbedingungen und z.B dem Punktesystem befasst, so sonderlich schwer ist es nicht eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, jedenfalls für mich. Aber erstmal versuch ich mein Glück noch ein paar Jahre in Deutschland!

Sind ja auch nur noch etwas mehr als 3 Wochen bis ich zurück bin. So langsam wird das aber auch Zeit. So schön manche Dinge hier auch sind und so schwer manch Abschied fallen wird, das andauernde Putzen macht mich bereits ganz krank. Zum Glück habe ich mit meinem Zimmer eine Oase des Chaos in dieser Wüste der Sterilität ;). Auf Dauer wäre sowas nichts für mich – ein halbes Jahr ist schön und gut, aber bei mehr wäre meine Lebensfreude schnell dahin. Insofern trifft es sich gut, die Sache bald zu beenden und neue Gefilde anzusteuern, in diesem Fall das Studium.

Dazu gibt es noch nicht viel Neues: beworben habe ich mich in Konstanz, Passau, Dresden und Münster, Lüneburg folgt vielleicht noch. Etwas eingegrenzt ist es also mittlerweile, allerdings wird die letztendliche Entscheidung mir wohl ordentlich schwerfallen. Wenn ich Pech habe, studiere ich auch noch das gleiche an gleichem Ort wie mein lieber kleiner Bruder, dessen gutes Abitur mich sehr schmerzt (trotzdem Gratulation :P), ist er mir doch in dieser Hinsicht vorausgeeilt. Aber im Studium gehts erst richtig los 😉

Über meine Reise beginne ich morgen zu berichten, da gibt es auch ordentlich was zu tun. Ich widme mich nun wieder Demokratietheorien.

So sieht’s aus

Lange hab ich mich nicht mehr gemeldet, doch eigentlich geht es mir noch ganz gut. Zum einen lag das an der Tatsache, dass ich die letzten 4 Tage einen wundervollen letzten Urlaub hatte, zum anderen aber daran, dass das Internet hier anhaltend auf sehr niedrige Geschwindigkeit gedrosselt wurde. Das wird auch erst mit dem Juli-Beginn wieder besser. Bis dahin brauche ich 4h für das was ich sonst in einer halben Stunde mache. Im Moment schreibe ich auf dem iPod, was zwar mittlerweile ordentlich schnell geht, aber ja immernoch etwas ubequem ist. Deshalb belasse ich es mal hierbei und verspreche bald ausführlich ueber meinen Ausflug zu berichten!

Kaipara – Marsden Point – Mangawhei

Nun wollen wir auch noch kurz über meinen Freitag berichten, an dem ich nochmals die Gegend nördlich von Helensville erkundete, leider bei grauesten Himmel mit vielen Regenschauern.
Mein nördlichstes Ziel war Marsden Point, an der Südspitze des Whangarei Harbours.
Doch erst ging es noch an den Kaipara Harbour, den ich ja bisher weitgehend unbeachtet habe lassen. Gibt dort auch eigentlich nicht viel zu tun. Ungefähr mittig zwischen Helensville und Wellsford führen aber ein paar Straßen inlands auf die zerklüfeten Halbinseln im Kaipara Harbour. Weitgehend geschottert, was das Vorankommen erschwerte, führten sie durch das immergrüne Hügelland dieser Region, ab und an eine wetterbedingt eher schlechte Aussicht auf Teile des Kaipara Harbours eröffnend. Ich fuhr bis zu einem Mini-Dorf, dessen Name mir entfallen ließ und noch ein paar Kilometer weiter zum dazugehörigen Strand. Eigentlich ganz schön gelegen, geschützt von einer Sandbank, die ein wichtiges Vogelreservat ist. Hat deshalb aber auch den Ausblick versperrt, von hier hätte man sonst nämlich gut den Ausgang des Kaipara Harbours in die Tasmanische See sehen können.
Leider war grade Ebbe, bei Flut und natürlich schönerem Wetter wäre es dort siher angenehmer gewesen.
So fuhr ich gleich weiter nördlich zum Marsden Point, wo sich Neuseelands einzige Erdölraffinerie befindet. An der Südspitze des Whangarei Harbours gelegen hat man von dort auch einen genialen Blick in den Whangarei Harbour bis nach Whangarei, wie auch nur wenige Meter über das Wasser zum Ort Whangareo Heads mit dem direkt dahinter steil aufragenden Mt Manaia.
Doch meine Aufmerksamkeit zog natürlich erst die Raffinerie auf sich, die auch über ein gut gemachtes Besucherzentrum verfügte, wo neben vielen anderen Sachen (z.B einen extrem detailgetreuen Modell der Region Auckland bis Whangarei mit der Ölpipeline-Route) auch ein 20-minütiger Film gezeigt wurde, der zeigt, wie man aus Erdöl denn eigentlich überhaupt die verschiedenen Kraftstoffe macht.
Ich muss zugeben, damit hatte ich mich noch nie beschäftigt und so war ich ja erstaunt, dass das Erdöl in der Raffineri ja komplett in entweder Benzin, Diesel, Kerosin, Schwefel oder was auch immer umgewandelt wird und quasi nix übrig bleibt. Hätte ich jetzt vorher noch nicht gewusst!

Natürlich benutzte die Raffinerie dort die Möglichkeit sich als ökologisch vorbildliches Unternehmen darzustellen, Kritik an sowas gab es natürlich dort nicht z finden, nur all die tollen Auswirkungen. Da eine Stellwand suggerierte, wie sauber doch der Strand und das Wasser nahe der Raffinerie waren, fuhr ich auch noch dorthin – man hatte extra einen großzügigen Parkplatz direkt zwischen Raffinerie und Strand für die Neugierigen angelegt.
Und ich muss sagen: keine Spur von Öl, und ich bin großflächig umhergewandert. Wäre es etwas wärmer gewesen, wäre ich ohne Bedenken ins Wasser gesprungen.
Aber gut, ist ja auch nur eine Erdölraffinerie, auch wenn direkt im Hafen davor natürlich öfters große Öltanker liegen.

Vom Marsden Point ging es noch etwas westlich in das kleine Örtchen One Tree Point, von dem man einen weiteren guten Blick auf Hafen und diesmal auch die Raffinerie nicht allzuweit entfernt hat.
Von dort dann weiter südöstlich wieder zur Küste, zum Strand von Ruakaka, einer etwas größeren Ortschaft an der Ostküste. Bei schönem Wetter sicher ein herrlicher Strand, der sich kilometerlang über die gesamte Bream Bay erstreckt – so heißt die Bucht in der man in einiger Ferne auch kleinere Inseln sichten kann.
Weiter südlich ging es nach Waipu, einer sehr schottisch geprägten Siedlung etwas im Inland mit ein paar schönen historischen Gebäuden, die mich jedoch nicht zum Anhalten brachten. Nicht weit von Waipu am Meer liegt ein von einer Sandbank (ein wichtiges Vogelreservat) geschützten Gewässer (Waipu Cove), das ich mir auch noch anschaute, um weiter südlich über die Ortschaft Laings Beach nach Mangawhai Heads zu gelangen. Dort war ich bereits einmal gewesen, da es dort sehr schön ist, wanderte ich aber nochmals ein wenig rum. Aber keine Worte rüber zu verlieren.

Zurück ging es nach Süden, von Wellsford aber weiter dem SH! folgend an der Ostküst entlang, ich hatte nämlich noch ein Ziel. Die Ostküste südlich von Wellsford bis Auckland hatte ich ja auch schonmal gesehen und mittlerweile wurde es eh dunkel, ich stoppte dann also auch erst in Waiwera, einen kleinen von zwei Hügeln eingerahmten Ort direkt am Meer, nicht mehr als eine halbe Stunde mehr von Helensville entfernt.
Dort liegen die Waiwera Hot Pools, ein beliebtes Ziel für gestreßte Auckländer wie auch Touristen, In der Größe in etwa mit denen in Hanmer Springs zu vergleichen ist der grundlegende Aufbau aber etwas anders, die Pools laden auch teilweise zum Schwimmen ein.
Eine besonders nette Attraktion ist ein überdachter angenehm warmer Pool, in dem man sich auf eine Leinwand produzierte Filme anschauen kann. Sehr bequemes Kino!
Es gibt eine Vielzahl weiterer unterschiedlich warmer Pools, darunter einer mit wahnsinnigen 48 Grad. 1 Sekunde mit der Hand rein hat schon gereicht – unmöglich, dass sich manche dort wohl tatsächlich reintrauen (trotz Warnhinweis).
Die Anlage verfügte auch über ein paar nette Rutschen, davon eine sehr wilde die einem nichts anderes möglich machte, als Wasser zu schlucken. Nach zweimal hatte ich dann auch bereits genug!
Hauptsächlich entspannte ich mich in einem etwa 37 Grad warmen Pool, bei Nacht mit all den Lichtern und eher wenig Besuchern in Bad war das auch wirklich sehr entspannt.
Wie es so kam, war neben mir ein deutschsprachiges Schweizer-Ehepaar samt kleinen Sohn, die anscheinend nach Neuseeland auswandern wollten. Bei soviel Blindheit dererseits konnte ich aber nur heimlich den Kopf schütteln. Wie sich herausstellte hatten sie weder Ahnung von ihrem Visa, mit dem sie da waren, wussten nicht, was sie machen sollten, um in Neuseeland bleiben zu können und waren auch nicht wirklich qualifiert dazu. Die Frau konnte obndrauf quasi kein, der Mann nur sehr rudimentäres Englisch mit starkem deutschen Akzent. Hätte denen gutgetan, sich vielleicht vor Abflug mal zu informieren, wie das alles so ausschaut.
Auch ich werde mir das mal anschauen – wer weiß, ob ich nicht in den nächsten Jahren politisches Asyl in Neuseeland beantragen muss…

In der Anlage nahm ich dann nach gut 3 1/2 Stunden im Wasser auch noch mein Abendessen zu mir und fuhr mit Stopp im Supermarkt Orewas nach Helensville zurück. Soviel dazu!

Auckland Maritime Museum

Heute hatte ich mal wieder frei und habe die Zeit genutzt, nochmal ins City Centre von Auckland zu gehen, wo ich das am Hafen gelegene Maritime Museum besuchte. Das ist ziemlich lohnenswert in meinen Augen und bietet verschiedenen thematische Austellungen, die im weitesten Sinne irgendwas mit der Seefahrt zu tun haben. Z.B Entdeckung Neuseelands, Immigration, neuseeländische Maori-Kanus, Wale und Delfine bzw. ihr Fang und viel mehr. So erfuhr ich auch die interessante Tatsache, dass bereits im 16. Jhdt. ein spanisches Schiff angeblich Neuseeland entdeckt haben soll, knapp 100 Jahre bevor Abel Tasman 1642 Neuseeland sichtete, aber ja kaum erkundete. So sei im Naturhafen von Wellington z.B ein spanischer Helm aus dieser Zeit gefunden worden und Maori-Chroniken dokumentieren, das Weiße bereits vor Abel Tasman bzw. James Cook eine kurze Begegnung mit den Maori hatten. Ziemlich interessant das ganze!

Hauptausstellungsstücke des Museums sind aber natürlich die Schiffe bzw. Boote, von denen das Museum 100 beherbergt. Von altertümlichen Maori-Kanus über verschiedenste Segelboote bis zum Americas Cup-Gewinner.

Das Museum beherbergt nämlich das imposante Segelschiff, das in den Nullerjahren den Americas Cup, die wohl bekannteste Segeltrophäe überhaupt, zwei (oder sogar 3mal) in Folge gewonnen hat – nachdem in den Vorjahren die USA dominiert hatten.

Leider habe ich meine Kamera vergeßen, ein paar Fotos von diesem schnittigen Schiff wären schon nett gewesen. Ich wusste z.B auch garnicht, dass solche Rennschiffe knapp 2m unterhalb des Kiels noch eine Art Torpedo (sieht so aus) haben, für die Stabilität oder so. Während das gesamte Schiff oberhalb des Wassers so leicht wie möglich gebaut ist, wird dieses Teil unter Wasser möglichst schwer gemacht. „keel bulb“ ist der englische Begriff dafür, keine Ahnung ob es einen deutschen dafür gibt.

Neben diesen beeindruckenden Schiff, das in einer großen Halle hing, konnte man auch ein Kranschiff besichtigen, was ein paar Meter weiter in den Wassern des Waitemata Harbours lag – das Museum liegt ja direkt am Meer. Schon interessant dort rumzugehen und in den Maschinenraum hinabzusteigen und so weiter. Eine weitere andere ganz nette Attraktion war ein ordentlicher Segelsimulator samt richtigen Steuerrad, Segelversteller (wie man das auch immer nennt) und anderen Sachen, die man braucht um ein Segelschiff eben zu steuern. Wie man liest habe ich nicht so die Ahnung davon. Nach ein bisschen Ausprobieren habe ich das Steuerrad dann einfach total rumgerissen und das Schiff nur noch engste Kreise fahren lassen – bezweifel dass das in der Realität so geht.

Natürlich gab es noch viel mehr zu sehen, doch das als ein Besonderheiten!

Danach gönnte ich mir noch ein herrliches Eis von einer toller Eisdiele direkt an der Auckland Waterfront und ging – man glaubt es kaum – „shoppen“. Brauche ja ein paar Mitbringsel, die mich an dieses schöne Land erinnern werden. Was es war, lasse ich mal offen.

Schlenderte dann noch ein bisschen in der Stadt herum – wer weiß, ob es nicht schon das letzte Mal war. Wenn ich mein Auto schnell verkauft kriege, könnte es das sogar gewesen sein. Dort habe ich übrigens auch einen ehemaligen Freiwilligen getroffen, der zwar bereits leztes Jahr nach kurzer Zeit aus dem ICJA-Programm ausgestiegen ist, aber weiter Work & Travel gemacht hat. Zufall, dass man sich grad in der größten Stadt Neuseelands, an der Queen Street den meistfrequentiertesten Straßenzug Neuseelands zufällig trifft, wenn man grade eine gastronomische Einrichtung besuchen will. Ein kleines Gespräch folgte, er war jedoch in Eile wegen eines Jobgespräches.

Nunja, hier in Helensville wieder angekommen wartete dann leider kein Abendessen auf mich (alles aufgefuttert worden), also bereiteten meine Kochkünste eine schöne Lasagne zu. Danach, fast die letzten 3 Stunden habe ich mit Tobias geskypt – so langsam sehne ich mich schon nach Deutschland zurück könnte man sagen. Je näher der Tag des Abfluges kommt, desto unmotivierter scheine ich zu werden. Noch steht aber ein tolles nächstes Wochenende an – mein letzter 4-Tage Urlaub nächste Woche.

Auch morgen werde ich nochmal was unternehmen, vermutlich noch die Ostküste von Whangarei aus südlich bis Mangawhai erkunden – der Teil fehlt mir nämlich noch. Am Abend dann noch in den „Hot Pools“ von Waiwera entspannen, soll wohl ähnlich oder sogar noch besser als die in Hanmer Springs sein. Hoffentlich nicht – denn soweit ist Waiwera eigentlich garnicht entfernt. 35km – jedenfalls auch nicht mehr als Hanmer Springs von Culverden aus. Nunja, mal schauen…

 

Was die letzten Tage so geschah…

Donnerstag vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder frei und entschloss mich, Neuseelands einzig wirklichen Freizeitpark mit Achterbahnen und Co. zu besuchen, „Rainbows End“ in Manukau, South Auckland.

Eigentlich hatte ich garnicht so die Lust, da in meinem ein paar Monate zuvor erworbenen Auckland Multipass der Eintritt dort aber enthalten war, wollte ich diesen ja nicht verfallen lassen. Viele Wochenenden habe ich ja nicht mehr, besser gesagt nur noch genau eins hier in der Auckland-Gegend, wo ich noch sicher mein Auto haben werde.

Der Freizeitpark ist nicht wirklich groß – flächenmässig kann man den Park locker in 10 Minuten komplett ablaufen. Mit seinen deutschen Verwandten wie „Heidepark“ oder „Europapark“ kann er sich erst Recht nicht messen, hat aber zumindest ein paar Spaß bringende Attraktionen.

Die erste für mich war eine Schiffsschaukel, wo mir gleich auffiel, dass die Sicherheitsvorkehrungen hier in Neuseeland deutlich lascher sind als in Deutschland – nicht jedoch, dass ich mich unsicher fühlte. Oft sitzt man aber ziemlich unbequem.

Mein nächstes Fahrtgeschäft war eine kleine Wildwasserbahn: man fuhr, wie man das so kennt – erst durch eine ziemlich lieblos gestaltete Kanal- und Höhlenwelt und dann ging es ein paar Meter eine Rutsche nach unten. Nicht sehr spektakulär, man wurde noch nichtmal nass.

Besser war dann schon Neuseelands einzige Looping-Achterbahn: in Vergangenheit bin ich noch kein einziges Mal eine Achterbahn mit Loopings gefahren, zu groß war die Angst rauszufallen 😉 Mittlerweile sehe ich mich jedoch als psychich gefestigt genug an, einen Ritt zu wagen. Ging zwei mal recht steil nach unten, zwei Loopings und eine Schraube – an sich war der Spaß aber ziemlich schnell vorbei. Ich blieb jedoch in der Achterbahn sitzen und fuhr gleich fünf mal hintereinander – hat mir anscheinend Spaß gemacht.

Das war auch kein Problem, denn im Park war es ziemlich leer. Im Gegensatz zu Deutschland nämlich kein Feiertag am Donnerstag, dafür heute. Bei keiner einzigen Attraktion musste ich anstehen, immer ging es sofort hinein und los. Die Fahrgeschäfte liefen deshalb sogar nur in diverse Zeitfenstern – war jedoch trotzdem kein Problem, alle auszuprobieren.

Nach dem Achterbahn-Vergnügen wollte ich dann auch noch den Freefall-Tower testen – in sowas hatte ich mich zuvor auch nie getraut. Mit der Fallschirmsprung-Erfahrung im Hinterkopf verspürte ich jedoch keine Furcht. Reinmarschiert und als einziger Gast direkt in die Höhe geschickt – dort oben hatte man einen tollen Ausblick über South Auckland – dann ging es auch im freien Fall mit 80kmh 40m in die Tiefe. Das ganze gefiel mir so gut, dass ich gleich für ein weiteres Mal sitzen blieb – praktisch – in Deutschland muss man für ähnliches ja teilweise stundenlang warten.

Weitere Attraktionen entschlossen noch ein 3D-Kino mit beweglichen Sitzen (der gezeigte Film musste wegen schreienden Kindern unterbrochen werden…), eine ziemlich billige  andere Achterbahn und viele kleinere Fahrgeschäfte. Neben den in Deutschland auf der Kirmes ja so populären Autoscootern gab es vergleichbares auch auf dem Wasser. „Bumper Boats“ heißt das und man fährt mit kreisförmigen Gefährten in einem kleinen Pool und crasht andere Boote.

Mein letztes Fahrgeschäft sollten dann ungewollt die Go Karts werden. Nicht besonders schnelle Karts (zum Glück), aber dreißig Kmh konnte man schon damit machen. Die Lenkung war jedoch eher besch****. So passierte es, dass ich in einer Kurve, ein wenig zu schnell fahrend, erst die linke Abgrenzung touchierte und dann „volle Kanne“ frontal in die andere krachte. Das hat mich ziemlich durchgeschüttelt, meine Sonnenbrille brach in 4 Teile (die man jedoch wieder aneinanderklippen konnte) und ich spürte einen ziemlichen Schmerz in meinem Rücken. Musste mich dann auch retten lassen und vernünftig auf die Strecke rücksetzen, beschloss dann jedoch noch, den Rest der Strecke zu Ende zu fahren, was auch ohne Unfall gelang.

Schmerzen waren erst fast keine, nach wenigen Minuten fühlte ich mich aber etwas benommen, der Nacken ganz taub, der Kopf schmerzte etwas. Habe durch diesen Auffahrunfall wohl ein leichteres Schleudertrauma davon getragen – mittlerweile geht es aber wieder. Zwar tut es immer noch etwas weh, auf einen Arztbesuch werde ich aber verzichten. Wird sich, im wahrsten Sinne des Wortes, schon wieder einrenken! 😉

Danach war mein Besuch dort natürlich gelaufen, in die Fahrgeschäfte traute ich mich vernünftigerweise nicht mehr rein. Eine Runde Minigolf noch, dann verließ ich nach 3 Stunden auch den Park, fuhr jedoch nicht nach Hause, sondern in die etwas weiter südlich gelegenen Auckland Botanic Gardens. Jetzt kurz vor bzw. im Winter sicher nicht die beste Jahreszeit, trotzdem gab es viel zu sehen. Die Botanischen Gärten sind absolut riesig und umfassen ein paar Kilometer Wegenetz, die zwischen abertausenden verschiedenen Pflanzenbeeten, Wäldern und Co. vorbeiführen. Ein großes Besucherzentrum samt Cafe und Bücherei markiert den Eingang. Ich bin nicht so der Pflanzen-Freak, der kleine halbstündige Spaziergang durch einen Teil der Gärten war trotzdem sehr interessant und wohl auch gut für meinen noch an den Nachwirkungen des Unfalls leidenden Kopfs.

Das war dann auch South Auckland – eine Gegend, in der man außer beiden besuchten Attraktionen nicht sehr viel Interessantes machen kann.

Am Freitag wachte ich auf, als es bereits wieder zu dämmern begann – dementsprechend nicht allzu viel los. Habe mir im Kino aber noch „Fluch der Karibik“ in 3D angeschaut. Nicht der Kracher, die Vorgänger waren deutlich besser, aber immerhin eine vernünftige Abendgestaltung.

Samstags und sonntags habe ich dann wieder gearbeitet, am Sonntag Nachmittag eher für mich selber. Ich konnte mich nämlich tatsächlich dazu aufraffen, mein Auto sauber zu machen, im Inneren wohlgemerkt. 2 Stunden harte Arbeit hat es mich gekostet, das Innere komplett zu entkernen (ein ganzer Müllsack voller alter Broschüren und Co.), die ganzen Chips-Krümel und sonstiges auszusaugen und den dicken Staub wegzuwischen.

Nach 9 Monaten musste das mal sein – wobei ich das Auto auch im nicht grade pflegsamen Zustand was das Innere betraf übernommen hatte. So ist jetzt jedoch blitzblank sauber und verkauft sich hoffentlich besser. Ist schon schade – nur noch 2 Wochen habe ich es noch, dann werde ich  probieren, es so schnell wie möglich loszuwerden. Nach 25.000 Km ist es mir bereits sehr ans Herz gewachsen.

Bevor ich es verkaufe, muss es jedoch noch seinen WOF (Warrant of Fitness) bestehen, vergleichbar dem deutschen TÜV. Diesen WOF muss man hier in Neuseeland jedoch halbjährlich machen – und seit meinem letzten Test am Ende meiner Zeit in Culverden ist ja bereits tatsächlich ein halbes Jahr bereits vergangen. Es wird also nicht eh schon Zeit – mit einem gültigen, neuen WOF wird sich der äußerlich ja nicht grade Vertrauen erweckende Honda sicher besser verkaufen. Ob er den ohne Beanstandungen bekommt, scheint mir jedoch nicht so sicher. Falls die Reparaturkosten zu hoch wären, kann ich es gleich lassen , notfalls kriegt am Ende Billy hier das Auto für ein paar Hunderter.

Erst einmal wird es mich jedoch noch in 10 Tagen über die halbe Nordinsel transportieren – es geht nochmals in die Tongariro Area, über Napier und Gisborne an der Ostküste nach Whakatane und von dort nach Rotoroua und über Hamilton wieder nach Auckland zurück. In Whakatana mache ich dann hoffentlich auch das, sofern das Wetter mitspielt, was ich bereits am letzten Tag meines Reisemonats machen wollte (wo das Wetter nicht mitspielte). Ich verrate nicht was – neben Delfinen endlich im Meer gibt es aber noch viel Aufregenders zu entdecken kann.

Vielleicht lassen die letzten Reste der Reisekasse auch noch einen „Maori-Abend“ in Rotorua zu, wo man in deren historischen Dörfer gekarrt wird, ein „hangi“-Festmahl verspeist, Geschichten erzählt bekommt, Tänze wie den „haka“ sieht, Gesängen lauscht und eben einen Abend mit den „Maori“ verbringt. Hätte ich jedenfalls noch Lust drauf – sowas fehlt mir jedenfalls noch in meiner Neuseeland-Erfahrung. Mehr dazu bald, ich muss wieder meinen lieben kleinen Bruder bei einem Facebook-Spiel schlagen, bei dem es darum geht auf einer Weltkarte diverse Städte quer über die Welt an ihrer richtigen Stelle „einzunageln“, was je nach Entfernung dann von den richtigen Koordinaten entsprechend Punkte gibt. In meinem Freudeskreis dort wird die Rangliste natürlich deutlich von den Heuermännern dominiert, die wir uns eine regelrechte Schlacht liefern, wer die besten geografischen Kenntnisse hat. Daniel und ich sind mittlerweile immerhin in der Top30 weltweit angelangt 😀

Naja, das nur so am Rande!

Bay of Islands – Cruise

Springen wir zurück zum Nachmittag des dritten Tages, am Samstag heute vor einer Woche. Auf der Marina Paihias wartete ich, genüsslich mein Eis leckend, darauf, dass es endlich losging. 15.30 war die Zeit, an dem man sich an einem nicht zu übersehenden Schild sammeln sollte. Bald trafen dann auch die ersten anderen Gäste ein – eine sehr überschaubare Zahl zu meinem Erstaunen.

Gegen 15.50 kam dann ein Zubringerboot von unserem „Hausboot“ an, das weit draußen im Hafen lag, wo wir natürlich nicht hinschwimmen wollten. Das Team des Schiffes, 4 noch recht junge Leute begrüßten uns und wir lediglich 9 Gäste passten alle ins Zubringerboot und wurden nach Anziehen von Rettungswesten zu „The Rock“ transportiert – so heißt nämlich das Hausboot, das die nächsten 24 Stunden mein zuhause sein sollte.

„The Rock“ ist eine umgebaute Autofähre, die einst erst in der Bay of Islands als so eine fungierte, später am Hokianga Harbour und mittlerweile eben wieder in der Bay of Islands. Dass das Schiff etwas alt ist, sieht man ihm auch an -trotzdem verspürt es einen gewissen Charme.

Das gesamte Unterdeck wurde von einer Bar dominiert, an den Seiten genug Platz für Tische, eine kleine gemütliche Sofaecke,  ein Billardtisch und zwei kleine, aber angenehme Toiletten. Am hinteren unbedachten Teil führte eine Wendeltreppe in die zweite Etage, wurden die vielen Kayaks gelagert und auch die meisten Aktivitäten abgehalten. Die Klappe der Fähre war nicht etwa hochgezogen, sondern schleifte die ganze Zeit im heruntergeklappten Zugang über die Wasseroberfläche, sodass ab und an ein bisschen Wasser auch das Schiff flutete. Dafür konnte man direkt unmittelbar über dem Wasser stehen. Unser Zubringerboot war an der linken Seite des Schiffes angekettet und wurde die ganze Zeit mit durchs Wasser gezogen.

Die obere Etage beherbergte die Schlafräume, eine kleine Dusche und zwei Aussichts-Deck, eins vorne, eins hinten, verbunden durch einen schmalen Durchgang auf der rechten Außenseite, über dem auch mein Zimmer erreichbar war, dass ich mir mit 2 anderen Gästen teilte. 6 Stockbetten, aber eigentlich ganz bequem, dazu Stromanschlüsse, die aber nur für gewisse Zeit funktionierten, nämlich für die Abendstunden zwischen 19-23 Uhr als der Generator angeworfen wurde.

Die Crew präsentierte sich uns auf den Schiff nochmal, führte uns in unsere Reise ein und bald stachen wir dann auch schon in See Richtung Bay of Islands.

Neben mir an Bord war ein knapp 40-jähriger aus Singapur, den ich eher auf mein Alter geschätzt hatte, ein älterer Mann aus England (der auch lange in Deutschland gelebt hatte und ganz gut Deutsch sprach), der mit seiner in Neuseeland lebenden Tochter dabei war, sowie 2 Paare, ein neuseeländisches und ein britisches in den Flitterwochen. Normal ist das Boot für 36 Leute ausgelegt und meist auch ausgebucht – mit 8 Leuten hatten wir das – der Nebensaison sei Dank, nicht ansatzweise geschafft, was mit vielen Vorteilen verbunden war.

Das zeigte sich auch schon bei unserer ersten Aktivität – Gewehrschiessen auf eine Spielzeugente, die hinter dem fahrenden Boot hergezogen wurde. Waffe war ein Paintball-Gewehr, wer die Ente traf hätte einen kostenlosen Drink spendiert bekommen. Hatte aber keiner! Nachdem mein erster Schuss meilenweit vorbeigangen war, verfehlte der zweite immerhin aber nur knapp. Das ganze ging, den wenigen Leuten sei Dank, auch schnell vorüber, sodass ich mich wieder darauf konzentrieren konnte, Massen an Fotos zu machen.

Während ich dies tat, wurden Angelleinen ausgehängt, um Köderfische für das spätere Angeln zu fangen. Das gelang dann auch, die Fische wurden gefangen, getötet und in kleine Würfel filletiert, die wir später noch benutzen sollten.

Erst einmal stand jedoch der spektakuläre Sonnenuntergang an, den ich bestaunen konnte vom Meer aus. Als das letzte Tageslicht entwichen war, hatten wir dann die Chance zum Angeln.

Eigentlich bin ich ja bekennender Fisch(erei)-Hasser, was einerseits wohl von traumatischen Ereignissen in jungen Jahren auf Fehmarn stammt (da war ich wohl auch mal mit zum Angeln), andererseits aber natürlich auch von meiner, zumindest eingebildeten, Fisch-Allergie kommen könnte.

Trotzdem überwand ich mich, schnappte mir eine Angelroute und legte los, nachdem ein Crewmitglied mir freundlicherweise den ekligen Fischfiletwürfel auf den Angelhaken gezwirbelt hatte. Nicht richtig aufgepasst bei der Angeleinführung und ja überhaupt total unbedarft bei praktischen Dingen ;), machte ich das Angeln die erste Viertelstunde total falsch und zerbrach fast die Angelroute, als ich mich wunderte, warum ich die Rute nur zurückziehen nicht aber ausweiten konnte. Die Einrichtung dazu entdeckte ich nach fachkundiger Anleitung irgendwann dann aber auch und das Geduldsspiel sollte beginnen. Petri heil!

Teile der anderen Gäste hatten bereits Erfolg und ein paar kleine Schnapper aus dem Wasser gezogen, die nach Braten auf dem Grill in den Mäulern der hungrigen Gäste verschwanden (außer meinem!). Ich hatte jedoch nicht soviel Glück – oder sagen wir vielleicht besser, ich wollte es nicht! 😛

In der wohl gut über einstündigen Angelerfahrung bissen mindestens 8-mal Fische an – hochziehen konnte ich jedoch keinen einzigen, meist waren dann der Fisch und der Köder bereits verschwunden in den Tiefen des Meeres. Insofern beschränkte ich mich darauf, die Fische mit Fischwürfeln zu futtern, statt diese selbst verfüttern zu lassen. Aber war eine Erfahrung wert!

Danach wartete dann bald auch schon das Abendessen, das nicht nur aus gegrilltem Fisch, sondern auch aus gegrilltem Steak (medium) und Bratwürstchen bestand. Dazu gab es vielfältige Beilagen – es war ein wirklich ordentlicher, sehr delikater Festschmaus, begleitet von einigen Gesprächen.

Nach einem kleinen Chill-Out nach dem Essen stand dann auch das meiner Meinung nach beste Ereignis der ganzen Fahrt an.

Kayak fahren in völliger Dunkelheit unter dem fantastischen Sternenhimmel! Es war einfach magisch… unbeschreiblich.. wundervoll…

Rein ins Kayak und alle dicht beieinander haltend (in Dunkelheit auf dem Meer verloren ist ja nicht so toll) entfernten wir uns dann schon schnell von der einzig wirklichen Lichtquelle – unserem Schiff!

Richtung einer der Inseln ging es, auf der wir auch eine kleine Hütte ausmachten, die, wie ich am anderen Morgen erfuhr, wohl knapp 10 Millionen Dollar wert sei, rein wegen der Lage.

Wir paddelten dann also durchs Wasser und ich zumindest legte mich teilweise zurück, mit den Augen den total klaren Sternenhimmel bewundernd, so klar wie ich ihn noch nie gesehen habe. Tausende Sterne, selbst die Milchstraße war deutlich zu erkennen.

Eine andere faszinierende Sache wart die Phosphoreszenz des Wassers. Mit den Händen das Wasser aufwühlend brachte man es zu einem schwachen, aber erkennbaren weißlichen Leuchten, ausgelöst durch was weiß ich genau. Soll es zwar recht häufig an vielen Stellen der Erde geben, trotzdem hatte ich die Erfahrnung noch nicht gemacht (war ja auch nachts noch nicht direkt auf dem Wasser im Meer).

Bei all dem Spaß war mir jedoch auch manches Mal mulmig zumute. So könnte doch ein Hai angeschwimmen kommen, grade bei Dunkelheit sind die doch gefährlich. Grade ein paar Tage zuvor hatte ich einen Artikel über Haie in Neuseeland gelesen, der auch besagte, dass ein paar Große Weiße dort in der Bay of Islands herumschwämmen. Naja, ist keiner aufgetaucht, leider… 😉

Nach dieser unbeschreiblichen Kayak-Tour, die trotz der relativ kalten Nacht 40 Minuten währte (ich dick eingemummelt in 2 T-Shirts und Jacke) sprang ich aller Hai-Angst zum Trotz dann sogar noch ins garnicht so kalte Wasser.Mitten in der Nacht im offenen Meer in haiverseuchten Gewässer schwimmen – wer hat das  sonst schonmal gemacht? Naja, allzu lange währte der Ausflug nicht, schon bald befand ich mich wieder auf dem Schiff, zog mich um und ließ dann im gemütlichen Beisammensein, meist um den warmen Kamin des Schiffes, den Abend ausklingen. Eine Partie Billard war auch noch drin, die ich jedoch aus lauter Unübung gegen den Singapuresen (oder wie man die nennt), trotz seiner Aussage er hätte noch nie Billard gespielt, schändlich verloren. Zeit also, ins warme Bett zu hüpfen, es war etwa 23 Uhr, um am anderen morgen fit zu sein, es sollte nämlich bereits früh losgehen.

Früh heißt in diesem Fall 6.45, als mich der Wecker aus dem Schlaf riß, ich mich in meine Kleider schwang und leise das Zimmer verließ, um auf den Vorderdeck bereits den Singapuresen anzutreffen, der mit seiner Spiegelreflexkamera ordentlich Fotos machte. Wovon? Na, vom Sonnenaufgang natürlich!

Ich war vielleicht schon etwas spät, aber noch früh genug für ein paar äußerst zauberhafte Minuten (siehe Fotos). Ein total weißes Meer, im Hintergrund die schwarzen Umriße der Insel(n), irgendwann dann auch andere „Farben“ eingeschlossen. War der Sonnenuntergang schon spektakulär, so war es dieser Sonnenaufgang jetzt erst recht!!!

Zwar sehe ich wegen meiner notorischen Langschläfigkeit eher wenig Sonnenaufgänge, glaube jedoch kaum, dass andere Sonnenaufgänge an so etwas herankommen. Unzählige Fotos wurden geknipst, eine kleine Auswahl sehr ihr später. Für das perfekte Bild des Jahres fehlten nur noch ein paar spielende Delfine im Bild – diese Hoffnung blieb leider unerfüllt, während der gesamten Reise. Keine einzigen Delfine zu sehen, obwohl die sonst von diesem Boot quasi immer gesichtet werden. Nunja, eine Möglichkeit bleibt mir noch…

Nach dem tollen Start in den Tag gab es ein vernünftiges Frühstück, dabei und danach fuhr unser Schiff bereits von seinem Ankerplatz näher in die Bay of Islands mit seinen vielen verschiedenen, mal winzig kleinen, mal ziemlich großen Inseln ein. So fuhren wir auch an der Privatinsel Rupert Murdochs vorbei, die natürlich einige Millionen Dollar wer ist. Die interessante Anekdote dazu: eigentlich ist bei dem Erwerb einer Insel nur der Strand (und der ganze Rest) Privatbesitz, bei dieser wurde jedoch auch Teile des Meeres (bei Flut) erworben, sodass es nicht möglich ist (bzw. besser verboten ist), bei Ebbe dort anzulanden und auf diesen öffentlich zugänglichen Abschnitt eine wilde Party zu feiern.

Direkt dessen Privatinsel gegenüber war jedoch eine größe andere Insel, die der Öffentlichkeit zugänglich ist – Moturura Island. Unser Schifflein ankerte etwa mittig zwischen beiden Inseln, wir bestiegen ein weiteres Mal unsere Kayaks und paddelten die knapp 300m zum Strand besagter Insel, ein wahres Idyll. Traumhafter Strand, saftig grüne Insel mit ein paar Hügeln und dichtem Urwald. Richtige Karibik-Atmosphäre (das sage ich, weil ich grade gestern einen Film eines Piraten der Karibik gesehen habe ;))!

Auf einen dieser Hügel machten wir auch eine kleine Wanderung – von dort oben boten sich grandiose Ausblicke über die gesamte Bay of Islands. Kein Wunder, dass die Fotokamera ordentlich klickte und blitzte. Dort oben standen auch die Ruinen eines alten Bunkers – die Aussichten schätzten auch die Neuseeländer bei der Suche nach feindlichen Schiffen. Beim Blick auf die Bucht zurück, wo unser Schiff ankerte, fiel dann auch die absolute Stille auf. Neben unserem Schiff ankerten nur zwei kleine Segelyachten nahe der Insel, sonst ließ sich kein anderes Boot blicken. In den Sommermonaten sieht das ganz anders aus – dann ragen 30 Masten in der Bucht in die Höhe und unzählige Menschen lassen den zu diesen Tag so friedlichen Strand aussehen wie den in Lloret de Mar (benimm dich dort, Philipp!). Zum Glück war absolute Nebensaison, von 30 Ausflugsveranstaltern hatten vielleicht noch 2-3 Touren im Angebot, die wenn überhaupt auch erst später am Tag zu dieser Insel kamen. Wir hatten ja grade mal etwa 10 Uhr.

Wieder zurück am Strand hatten wir dann gut 2 Stunden Zeit auf oder neben der Insel zur freien Verfügung. Ein Schlauchboot vom unseren Schiff hatte uns unsere Habseligkeiten sowie Schnorchelausrüstung mitgebracht.

Mit der bewaffnet trauten sich dann nach und nach alle ins Wasser, um nach „Kina“ zu tauchen. Das ist eine Art Seeigel, eine Delikatesse in manchen Ländern, für die recht hohe Preise gezahlt werden. Wir hatten die Gelegenheit diese einfach so zu sammeln und später zu verzehen, doch dazu später.

Ich wollte nicht schnorcheln, traute mich jedoch trotzdem ins Wasser und schwamm ein bisschen. Im Winter in Neuseeland im Meer baden – das geht! Wassertemperatur hatte in etwa Ostsee-Niveau im Sommer – so 18 Grad schätzungsweise. Genug um einige Zeit im Wasser ausharren zu können. Das tolle Wetter mit der strahlenden Sonne sorgte auch wieder für schnelles Aufwärmen. Später auf dem Schiff wollte ich die Badesachen garnicht mehr gegen warme Kleidung wechseln, so in Sommerstimmung war ich durch das fantastische Wetter.

Bevor ich dort hinkam stieg ich jedoch in mein Kayak und erkundete noch gut eineinhalb Stunden die Bucht um die Insel herum. Das war der große Vorteil der wenigen Leute – man hatte ein Kayak für sich zur freien Verfügung. Als ich zur Toilette musste, gab es einen kleinen Zwischenstopp auf dem Schiff, wo ich mich auch mit weißer Schokolade versorgte (am Vortag eingekauft als Notreserve). Die wie auch die Kamera in die Tasche meiner Rettungsjacke gestopft paddelte ich mal hier, mal dorthin. Meine Neugier zog mich z.B durch eine enge Spalte zwischen zwei Felsen, die mich plötzlich aufs offenes Meer brachte, das stille Wasser verwandelte sich nämlich schnell in langgestreckte, garnichtmal so niedrige Wellen. Bevor die mich zum Kentern brachten, kehte ich lieber wieder in stillere Gewässer zurück, wo ich z.B durch ein paar Felskanäle paddelte oder auf der gleichen Insel weiter südlich einen isolierten, einsamen Strand ansteuerte. Das war jetzt echtes Abenteuer-Feeling! Mit dem Kayak in der schönen Bay of Islands gestrandet!

Mein Handtuch als Kopfkissen legte ich mich auch teils einfach nur zurück, beobachtete den Himmel und das Meer, und schlief auf dem sacht im Meer wogenden Kayak sogar fast ein. Ein wirklich tolles Erlebnis – Kayaking gefällt mir wirklich sehr!

Irgendwann war dann damit aber Schluss, es ging zurück zum Schiff und dieses steuerte wieder nach Paihia zurück. Vorbei ging es wieder zwischen den Inseln, über das Meer am Festland vorbei, vorbei an einem martialischen Schlachtschiff (was wollte das da?), einen kleinen im Meer schwimmden Pinguin (süß!) und in den Naturhafen wieder nach Paihia, wo wir gegen 15 Uhr dann auch wieder angekommen waren. Auf der Rückreise wurden dann auch noch die gesammlten Kina verzehrt – nciht von mir, sind ja eklige Meeresfrüchte. Nicht mit den Stacheln wohlgemerkt, ähnlich einer Nuss wird das Innere geöffnet und ausgelöffelt. Soll wohl ganz schmackhaft sein.

Näheres kann mir wohl ersparen – ich kann jedoch sagen, dass der Trip absolut fantastisch war und das Geld dafür (knapp 90 Euro) bestens angelegt. Also, wenn ihr in die Bay of Islands kommt, leistet „The Rock“ einen Besuch ab – es wird euch nicht enttäuschen. Insbesondere in der Nebensaison, wenn nicht viel los ist. Wenn das Wetter dann noch so fantastisch ist, gibt es nichts Schöneres!

Hier jetzt noch viele schöne Bilder:

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Voting-Aufruf!

Heute  noch nicht der Artikel über den Übernacht-Ausflug durch die Bay of Islands, aber bestimmt morgen.

Ich poste hier einen kleinen Link und dort könnt ihr dann gerne Eure Stimme für die dortige Person abgeben. Das ist das Mädchen der neuseeländischen Familie hier in Auckland, mit der ich hier zusammengetroffen bin und einen schönen Tag gehabt hatte und diesen in 2 Wochen wohl auch nochmals wiederholen werde. Ich bekam den Link per Email zugeschickt von der Mutter, die werden sicher nichts dagegen haben das ich sie hier unterstütze.

Also, unterstützt Kate auf ihrem Weg zum Medizinstudium 😉

http://www.doyourthing.co.nz/2011-03072/kate-thimbleby