Tag 2: Russel, Umgebung und Wairere Boulders

23 Uhr – und immer noch ist die Arbeit nicht vorbei. Die setzt sich mit den Schreiben des Blogs nämlich fort, macht aber immerhin ein wenig Freude. 13 Stunden habe ich heute durchgearbeitet und bin dementsprechend etwas angenervt – Zeit die Nerven durch die Schreibtherapie wieder herunterzukühlen. Jemand hier ist nämlich im Krankenhaus (nichts schlimmes, kommt morgen wieder) und ich musste eine Support-Person heute Abend eben noch von dort abholen. Das Krankenhaus liegt bloß in Takapuna, North Shore, hin und zurück immerhin gut 100km. Immerhin kam ich so in den Genuss, auch mal ein neuseeländisches Krankenhaus von innen zu sehen. Nicht groß unterschiedlich zu Deutschland.

Aber egal, fangen wir mit der Berichterstattung des zweiten Tages an. Los ging es gegen 9 Uhr in Russell, wo ich nach dem Aufwachen ungläubig aus dem Fenster schauened einen strahlend hellblauen, wolkenlosen Himmel erblicken konnte. Perfekt für mein erstes Ziel an diesen Tag, einen Aussichtspunkt. Zu dem verfuhr ich mich erst jedoch, gelangte jedoch zu einem anderen Aussichtspunkt, der mir zum ersten Mal einen Blick auf die Bay of Islands ermöglichte, wenn auch nicht allzu gut, diesmal blendete die Sonne nämlich in vollster Kraft meine Augen. Von dort sah ich auch, dass Russell auf der Ostseite einen schönen Strand hat, zu dem ich erst einmal hinunterfuhr und ein paar schöne Bilder machte, die wärmenden Sonnenstrahlen einfing und das Panorama der paar Inseln in der Ferne genoss.

Danach ging es dann zum eigentlichen Aussichtspunkt, der auch historische Bedeutung hat. „Flagstaff“ heißt das ganze, benannt nach dem Fahnenmast, der dort seit jeher stand und immer noch steht. Historische Bedeutung deshalb, weil die Maori einst an nur einem Tag den Flaggenmast 4-mal absägten und die weißen Pioniere dementsprechend 4-mal wieder aufbauten. Gelegen auf dem bewaldeten Hügel östlich von Russell hat man einen genialen Blick – einerseits über das kleine Örtchen Russell selbst, wie auch die anderen Örtchen und die Landschaft des Naturhafen Richtung Norden und Westen, im Osten hingegen der tolle Blick auf die eigentliche Bay of Islands mit ihren vielen Inseln. 143 ingesamt sollen es sein, doch dazu ein andermal.

Fotos sagen hier mal wieder mehr als Worte, die vom heutigen Tag können sich auch duchaus sehen lassen (und sind bereits vorausgewählt, sodass ich weniger Mühe habe heute).

Ein paat allgemeine Worte zu Russell: von den Maori „Kororareka“ (mit rollendem „r“) genannt, war Russell in der frühen Kolonialzeit als „Höllenloch des Pazifiks“ berühmt-berüchtigt, weil sich hier das gesamte Gesindel herumtrieb. Das benachbarte, heute winzige Örtchen Okatio (das als Zielhafen der Autofähre gilt) war einst sogar die Hauptstadt Neuseelands – nicht Russell wie fälschlich meist angenoimmen – bevor der Titel erst an Auckland und später dann nach Wellington wanderte.

Russell ist jedenfals ein sehr historischer Ort, was sich dann auch bei meinen Museumsbesuch herausstellte. Das Russell-Museum ist klein, aber modern und zeigte eine interessante Auswahl an Gegenständen, die einen das Leben des historischen Russels näherbrachten. Besonders interessant für mich war eine kleine Sonderausstellung über die „Freimaurerei“ mit vielen Exponaten.Viele Worte möchte ich über das Museum nicht verlieren, dann eher über das nächste Ziel, das quasi benachbarte „Pompalier House“. Das ist die älteste Mission Neuseelands, datierend von 1840 und Sitz des katholischen Bischofs Pompalier. Ein großes weiß gestrichenes Haus direkt am Wasser mit großen Garten, durchaus fotogen. Besonders ist aber die Einrichtung hervorzuheben.

Ich hatte das Glück, nach etwas Warterei bei der ich das Haus schonmal vorbesichtigte, an einer Führung teilzunehmen, die sehr interessant werden sollte. Dort im Pompallier House wurden nämlich die ersten Bücher Neuseelands gedruckt bzw. allgemein hergestellt, in diesen Fall Bibeln und andere christliche Schriften, die kostenlos an die Maori verteilt wurden. Die ganze alte Ausstattung war noch vorhanden und ist zu Anschauungszwecken immer noch in Betrieb. Nicht nur funktionierende Druckerpressen un Co., sondern auch sämtliche Vorrichtungen, die man braucht, um aus Schafs- oder Kuh-Häuten Leder herzustellen, dass dann als Buch-Cover verwendet wird. Dieser ganze Prozess der Gerberei und Tannerei und Co. war mir bisher noch unbekannt und wurde nun anschaulich erklärt. Die Felle in der Tannin-Grube z.B, wie sie danach mit allen möglichen Vorrichtungen bearbeitet werden und langsam aber sicher zu Leder werden. Bis eine Kuh- oder Schafshaut Leder geworden ist, dauert es um die 6 Monatem wobei jede Nacht die Häute in die Tannin-Grube gelegt werden (Wasser mit Tannin-Zusatz aus irgendwelchen Pflanzen) und tagsüber sie getrocknet werden – langsam aber sicher bildet sich dann eine Lederschicht.

Neben den Leder wurden auch die Druckmaschinen in Aktion gezeigt. Da ich mit meinen Kenntnissen glänzen konnte, wer denn wann die Druckerpresse hatte erfunden (wer weiß es?) durfte ich der Führerin als Hilfsperson zur Hand gehen und die Druckerpresse selbst bedienen. Ziemlich altes Teil und ziemlich komische Vorrichtungen, hat aber alles gut geklappt. Der Druck war gut gelungen und ich durfte ihn als Belohnung mitnehmen. Habe ich denn auch. Neben all dem wurde uns auch noch die ganze Geschichte der Mission und so weiter näher gebracht – aber ich bezweifel, das interessiert jemanden.

Beim Verlassen der Mission war meine Stimmung jedoch erstmal wieder getrübt, weil in der halben Stunde im Inneren bereits wieder dunkle Wolken aufgezogen waren, die ein paar Regentropfen ankündigten. Von denen floh ich jedoch nach Südwesten, die Küstenstrecke in umgekehrter Richtung nehmend, die ich am Vortag wegen des schlechten Wetters ja ausgelassen hatte. Auf der „Russel Road“, der einzig asphaltierten Straße nach Russel, ging es an vielen wahnsinnig schönen Buchten die Küste entlang., die mich regelmässig für Fotos stoppen ließen. Ein kleiner Trip über eine Schotterpiste brachte mich in das Örtchen Rawiti, von dem man ohne Zweifel den besten Blick auf die Bay of Islands hat. Östlich von Rawiti liegt das Cape Brett, das die Bay of Islands in südlicher Richtung einschliesst. Das Cape Brett ist von einem recht hohen Hügelzug bestimmt, an seinen Enden fällt die Steilküste teils 500m senkrecht hinab in den Pazifik. Dort ist auch ein Leuchtturm, zu dem man wandern und eine Hütte, wo man schlafen kann, denn die Wanderung ist anspruchsvoll und anstrengend (rauf und runter die Hügel) und dauert one-way etwa 7 Stunden von Rawiti aus. Nichts für mich also. Trotzdem hatte ich einen guten Blick darauf, als ich die ersten Meter des Weges einen Teil des ersten Hügels zurücklegte.

Weiter ging es dann an der Küste entlang, durch viele Küstenorte, grünes Hügelland, oft mit Blick auf den an diesem Tag durch bestes Wetter wunderschönen Pazifik. Ortsnamen önnt ihr eh nicht zuordnen, deshalb überspringe ich diese Etappe mal – Fotos zeigen da auch mehr. Eine Stelle war aber interessant, denn ein umgekippter Baumstamm blockierte die Straße. Und der war zu schwer, als dass ich ihn alleine hätte wegräumen können. Also brach ich mit aller Kraft die herausstehenden Äste ab, was mir ermöglichte, knapp aber gut an der Seite vorbeiufahren – 5cm weiter rechts gefahren wäre ich jedoch im Meer gelandet 😉

Am Ende dieser Straße war ich bereits wieder 50km südlich der Bay of Islands und musste wieder hochfahren – wie am vorige Tag nichts Interessantes dazu. Ich entschloss mich jedoch auf der Fahrt nördlich, nicht direkt nach Paihia zu fahren, sondern einen Abstecher zum Hokianga Harbour zu machen, der Euch ja sicher noch etwas sagt. Der erstreckt sich bekanntlich ja weit ins Inland und unweit dessen Wasserarmen im hügeligen Gras- und Waldgebiet liegt eine gant besondere Attraktion – die Wairere Boulders, eine riesige Ansammlung großer Steine.

Das ist an sich nicht besonders, doch Steine sind in dieser Lehmgegend absolut selten. Die Steine sind auch von irgendeiner seltenen Art (keine Ahnung was genau) und schon Jahrmillionen alt. Jedenfalls hat man überhaupt keinen Anlass anzunehmen, dass in dieser Gegend diese Steine vorhanden sind.

Die Steine wurden von einem Schweizer Ehepaar zur Touristenattraktion ausgebaut, die aufgrund ihrer Abgeschiedenheit aber nicht allzu viele anzieht, dabei ist sie es durchaus wert. Die haben sämtliche Wege durch den Wald gebahnt, Treppen in den Stein gehauen und Brücken über den Fluss gebaut, der zwischen den Steinen den Hügel hinunterströmt.

Die Schweizer Abstammung erkannte ich nicht bereits am Aussehen (ein wahrhaftiger Alm-Ödi!), sondern gleich durch meine Ohren, als ich mich als „Deutscher outete“. Sofort hörte ich nämlich so etwas wie „Ack, oin Daitscha“ und konnte fortan mein gesprochenes Deutsch schonmal wieder im realen Leben auspacken. Nach einem kleinen Plausch ging es dann auch, bewaffnet mit Regenjacke (hatte nämlich mal wieder zu nieseln angefangen) los, um die vielen Steine zu sehen. Viele ist noch untertrieben, fast soviele wie Sandkörner in der Sahara könnte ich sagen, aber das wäre wohl übertrieben. Jedenfalls eine ganze Menge. Dazwischen das Bächlein, das recht reißend, nicht zuletzt wegen der vielen Regenfälle der vergangenen Tage, den Hügel hinunterstürzte. Der Weg führte durch dichten Wald den Hügel hinauf und ab einer bestimmten Stelle dann wieder hinunter, immer mit Blick auf die vielen Steinformationen. Ein paar Zusatzwege führten zu besonderen Formationen. Besonders interessant waren die Höhlen, die durch die Steine entstanden, die oft übereinander gelagert waren und so eben Höhlen bildeten, die man auch betreten könnte. Einen besonders guten Blick hatte man jeweils von der Brücke, die den Bach überspannte – den besten Blick jedoch von einer Plattform fast an der Spitze des Hügels. Die habe ich jedoch nicht in Angriff genommen – keine Kondition. aber auch keine Zeit. Die Sonne war nämlich bereits im Untergehen begriffen, was den Wald eine zauberhafte Atmosphäre verlieh. Dazwischen das verwunschene Bächlein und die mystischen Steine. Es hat sich wirklich gelohnt!

Nach den Wairere Boulders folgte ich der Schotterpiste aus Süden nahe Kaikohe, die mich dorthin gefüher hatte, weiter nach Norden in das kleine Örtchen Horeke am Hokianga Harbour. So sah ich dieses stille Juwel auch nochmals und machte ein paar schöne Fotos des stillen Wassers und roten Wolken durch den Sonnenuntergang. Nahe Horeke hatte ich dann noch eine Begegnung mit einigen Kühen, die von ein paar lachenden Kindern über die Straße direkt in meine Richtung getrieben wurden. Hilft nichts – Motor abgestellt und gewartet, bis sie alle vorüber gezogen waren. Das dauerte einige Zeit, manch Kuh sah mich fast als unüberwindbares Hindernis an, die meisten liefen aber brav links wie rechts an meinen Auto vorbei. Da passierte es dann aber auch: eine Kuh lieg „volle Kanne“ gegen meinen Seitenspiegel!!! Der ist zwar zum Glück nicht abgebrochen und das Glas auch nicht gesprungen, trotzdem ist der und das Auto isgesamt mal wieder um eine Macke reicher…

Danach ging es über einige Kilometer Schotterpiste dann zurück zur Bay of Islands, wobei ich fast noch aufgrund Spritmangels liegen blieb.

Mit dem letzten Tropfen rettete ich mich an eine Tankstelle, die, wie ich leider feststellte, bloß schon geschlossen war (Freitag Abend, 18 Uhr…), einen Bezahlautomaten gab es auch nicht.

Mit den paar wirklich letzten Tropfen erreichte ich dann nach 20km aber noch eine offene Tankstelle. Apropos Tanken: die Benzinpreise sind wieder deutlich günstiger geeworden, momentan 16 Cent billiger. Am Vortag in Whangarei hatte ich sogar bereits wieder für 1,99, also 22 Cent billiger als der bisherige Höchststand, tanken können.

Um zum Ende zu kommen: ich kam bei Dunkelheit in Paihia an und suchte mir einen Backpackers, was nicht sonderlich schwierig war. Während Russell nämlich ein kleines, ruhiges Örtchen ist, das vor allem gut betuchte Gäste anzieht, ist Paihia die Backpackers-Hochburg schlechthin. In diesen kleinen Orten drängen sich allein 12 Backpackers auf ihre potenziellen Kunden – nur in Queenstown dürften es noch mehr sein. Bloß ist Paihia deutlich kleiner als Queenstown, ohne Touristen in etwa so 1700 Einwohner – mit sicher das dreifache. Neben den vielen Backpackern ist nämlich dort, in Konkurrenz mit Queenstown, wohl auch die höchste Dichte an Luxushotels.

Die Hostels liegen fast alle an der King Street – der örtlichen Partymeile. Die besteht quasi nur aus Hostels, ein paar Bars, einen kleinen 24h Laden und natürlich dem Liquor Store. Zu meinem Pech quartierte ich mich in einem der Hostels ein – geführt mal wieder von einer unfreundlichen Deutschen. Mal wieder eine Vorbereitung auf die Servicewüste Deutschland !?

Eine Bar suchte ich auch für mein kleines Abendessen aus, bis auf 2 schon ordentlich angetrunkene Einheimische war jedoch noch niemand da – war ja auch erst 19 Uhr. Gegen 21 Uhr wurde es dort aber wohl richtig voll – wie auchin den anderen Bars dort. Und richtig laut – die Schreie der Besoffenen hallten in jedes Zimmer und störtem mich erst beim Lesen und dann beim Schlafen. In meinem Hostel in meinem Schlafsal waren dann auch die meisten dieser Gestalten einquartiert – wie ich am nächsten Morgen sah Reisende im „Chlamydia-Express“. Die Nacht war nicht so toll, aber ich bin am nächsten Morgen heil aufgewacht, fertig zum großen Abenteuer Bay of Islands per Schiff. Dazu nicht morgen, sondern übermorgen. Morgen kommt der dritte Tag bis zur Schiffahrt und der 4. Tag nach Beendigung dieser (die Rückfahrt nach Süden).

Hier kommen jetzt jedenfalls noch ein paar, diesmal teils recht schöne, Fotos:

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