Whatipu

Mein sehr aussagekräftiger Titel bezieht sich auf den Ort, an dem ich heute war. Whatipu – das ist ein Strand an der Westküste, der südlichste innerhalb der Waitakere Ranges, direkt am Eingang des Manukau Harbours gelegen. Ich war dort bereits vor wenigen Wochen, wenn Ihr Euch erinnert, aufgrund schlechtestem Wetter jedoch nicht allzulange. Die Rückkehr hat sich jedoch definitv gelohnt!

Dabei sah es eigentlich nicht so aus, als ob ich heute groß was unternehmen sollte. Gestern war ich bis fast 4 Uhr nachts wach, eigentlich wollte ich ausschlafen. Schlaf hätte ich nicht nur wegen der Zeit gebraucht, sondern auch wegen einem adrenalinerregenden Ereignisses. Als ich nämlich gestern das Haus 1 verließ um die wenigen Meter ins Haus 2 zu gehen, hatte ich eine denkwürdige Begegnung.

Zugegeben, ich bin etwas schreckhaft, doch auch ihr hättet Euch erschreckt. Nach dem Öffnen der Tür starrten mich blutunterlaufene Augen aus einem grimmig dreinblickenden Gesicht an, dazu ein Axt-ähnlicher Gegenstand. Als ich grade dachte, meine letzte Stunde hätte geschlagen, wurde mir bewusst, dass es ja nur der liebe Tom war, der nachts ja gern die Kühlschränke plündert. Die vermeintliche Axt stellte sich denn auch als Besen heraus – was auch immer er damit gemacht hat. Ich wünschte ihm jedenfalls eine „Gute Nacht“ und hatte selbst dergleichen, wurde jedoch in verhältnismässiger Frühe vor lauter Stimmen und Gelächter meiner Zimmertür aufgeweckt. Irgendwelche Leute aus anderen Häusern waren da und hatten direkt bei meinem Zimmer einen Tisch aufgebaut und gemalt.

Es war zwar bereits 11 Uhr, doch 7h Stunden Schlaf war nicht das, was ich mir eigentlich erhofft und auch gebraucht hätte. Trotzdem war ich nicht böse, eröffnete mir der Blick durch das Fenster doch rosige Aussichten – blauer Himmel, Sonnenschein, kaum Wolken. Dabei hatte ich eigentlich mit schlimmsten Regenschauern gerechnet, um meine Langschläfigkeit rechtfertigen zu können. Aber die kommen morgen, weshalb ich den schlaf auf morgen nachhole 😉

Ich setzte mich jedenfalls in mein Auto, kaufte noch kurz Verpflegung und fuhr Richtung Süden in die Waitakere Ranges – eigentlich mit Ziel Karekare, einen anderen Westküsten-Strand, an dem ich bisher noch nicht war. Daraus sollte jedoch nichts werden, denn ob des guten Wetters entschlos ich mich, da ich ungeplant an der Abzweigung dorthin vorbeifuhr, nach Whatipu zu fahren. Der Strand von Whatipu liegt etwa 30km von downtwon Auckland entfernt, die Strecke dorthin dauert aber durch kurvige, hügelige Streckenführung aber mindestends eine dreiviertel Stunde, vorbei an Buchten und Stränden des Manukau Harbours, die ich jedoch bereits bei meinem letzten Ausflug dorthin bewundern konnte.

Durch die zauberhaften Orte Huia und Little Huia ging letztlich noch der Asphalt, ehe ich mich die restlichen 10 Kilometer mit einer Kiespiste begnügen musste, die sich recht steil die Waitakere Ranges hinaufschob. Statt direkt nach Whatipu zu fahren, benutzte ich eine Nebenstraße, die auf einen Gipfel eines Berges hochführte. Von dort, hatte ich gelesen, sollte man tolle Aussicht haben.

Auto am Ende der Straße geparkt und ein etwa 15-minütiger recht steiler Weg, dann war ich auf einen 390m hohen Gipfel der Waitakere Ranges angekommen, der mir herrliche Rundumsichten bot – über den ganzen Manukau Harbour, die Tasmansee, die Waitakere Ranges, ja bis nach downtown Auckland. Man konnte gut den Fernsehturm erkennen, die anderen Wolkenkratzer und Rangitoto Island im Hintergrund. Die Auflösung meiner Kamera ist ja bekanntlich nicht so gut, es hat mit einigen Zoomen und Zurechtschneiden aber für ein Beweisfoto gereicht.

Die Bedingungen waren ja auch nicht ganz ideal, es hatte sich mittlerweile wieder etwas zugezogen. Auf einem Schild las ich, bei idealsten Bedingungen könne man sogar den Mt Taranaki sehen – der ja immerhin gut 300km ! weiter südwestlich ist. Da man, um ihn zu sehen, jedoch über das schier endlose Meer schaut, halte ich das durchaus für möglich. So sehr ich mich jedoch anstrengte, Umriße konnte ich keine erkennen.

Stattdessen genoss ich den Blick auf die anderen Highlights, wie z.B den Blick auf den Strand von Whatipu oder auf den doch recht schmalen Eingang des Manukau Harbours. Interessant die beiden Landschaftsformen, die hier aufeinanderprallen. Auf der nördlichen Seite die dicht bewaldeten Hügel der Waitakere Ranges und schwarzsandige Strände, nach knapp 400m Wasser dann die südliche Seite mit grünen Farmland und steil abfallenden Steilküsten.

Irgendwann hatte ich dann aber genug und brach nach Whatipu auf. Um meine guten Schuhe nicht zu beschmutzen (auch wenn die mittlerweile auch ziemlich mitgenommen sind), zog ich anderen zerfetzten Turnschuhe an, die beim Einbruch an Weihnachten als nicht mitnahmewürdig erschienen waren, und stiefelte durch das nasse Gras zu den Whatipu Caves.

Richtig gehört – Whatipu hat ein paar nette Höhlen, wo ich mich mal wieder als Höhlenforscher betätigen sollte. Der Weg dorthin sollte jedoch eine sehr nasse Angelegenheit werden. Die Gegend von Whatipu ist nämlich vor allem ein Feuchtgebiet – Sumpfland könnte man auch sagen. Und grade dank der Regenfälle der vergangenen Tage wurde mir der Weg immer wieder durch riesige Pfützen versperrt.

Das hielt mich natürlich nicht auf: Schuhe aus und barfuß ging es durch die Matsche, nasses Gras und Pfützen, deren schlammiger Untergrund mir fast zum Verhängnis wurde. Aber ich blieb nicht stecken und meine hochgekrempelten Jeans blieben auch weitgehend trocken.

Der Weg führte direkt an den letzten Ausläufern der Waitakere Ranges vorbei, zur anderen Seite war besagtes Feuchtgebiet und nicht mehr als 500m entfernt dann weiter Strand und das Meer .Nach etwa 20 Minuten hatte man dann auch die erste der paar Höhlen erreicht, die ich dann der nach und nach alle erkundete. Mal größer, mal kleiner, alle jedoch ihren Besuch wert. Ich war nie tief drin, konnte immer noch Tageslicht sehen und bin auch nur so weit gegangen, wie ich mich nicht ducken musste,

Eine der Höhlen war besonder groß und hatte eine kathedralen-artige Öffnung, ähnlich der Cathedral Cove auf der Coromandel Peninsula. Dort sollen früher angeblich Tanzveranstaltungen stattgefunden haben, die Akustik der Höhle hätte auch Musik zu einem Genuss werden lassen. Ein gutes Echo gab es dort jedenfalls allemal.

In der Nähe war auch ein Zeltplatz ausgewiesen, der eine dieser typischen DoC-Toiletten hatte. Die musste ich mir dann mit unzähligen dieser nervigen Sandfly-Biestern teilen, die mich nicht nur dort auffraßen.

Nach Erkundung aller Höhlen machte ich meinen Weg zurück zum Parkplatz, wo ich meine Schuhe im Auto deponierte (die ganze Zeit die mit den Händen zu tragen nervt) und nach einer kleinen Stärkung Richtung Strand und Meer aufzubrechen – barfuß versteht sich. Dort wanderte ich dann den endlos scheinenden, ziemlich breiten Strand entlang und genoss den Blick. Fotos helfen hier mehr, ich halte mich drum mal mit Beschreibungen zurück. Auf einen Felsen, bereits von Wasser umspült, war ein kleiner Leuchtturm zu sehen, des Weiteren sah ich ein relativ großes Frachtschiff (mit Hamburg-Süd-Containern ;)) von der Tasmansee in den Manukau Harbour hineinfahren. Allzu viel Platz gibt es da garnicht , zumal dort Untiefen auf die Schiffer lauern. Schon das ein oder andere Schiff ist an dieser Stelle dort untergegangen. Das, was ich beobachtete, natürlich nicht.

Ich marschierte also den fast menschenleeren Strand entlang, die Füße teilweise im Wasser und genoss die Umgebung und Stille, nur gestört von den großen Flugzeugen, die von Westen kommend über den Strand fliegen, um dann Aucklands Flughafen 30km südöstlich anzusteuern. Wenn ich in 9 Wochen zurückfliege, kann es ebenfalls gut sein, dass dieser Strand das letzte ist, was ich von Neuseeland sehe. Diesem schönen Land ritzte ich übrigens noch eine Liebeserklärung in den Sand (die von den Fluten mittlerweile bereits wieder getilgt wurde) und machte mich dann auf dem Heimweg, über den nicht viel zu berichten ist.

Ich stoppte noch kurz an einem Stausee – die Waitakere Ranges haben nämlich 5 oder 6 davon, die mehr als die Hälfte der Wasserreserveren Aucklands beinhalten. War für einen Stausee ein eigentlich recht idyllischer Anblick, des prall gefüllten Stauseeses Wasser lief bereits über und sorgte für nette Wasserfälle.

Mehr habe ich eigentlich nicht zu berichten, macht Euch lieber selbst ein Bild!

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