Northland: Tag 4

Da sind wir nun bereits wieder am vierten und letzten Tag angekommen, der neben viel Fahrerei und schlechtem Wetter auch einen historischen Anklang hatte.

Los ging es früh morgens in Ahipara, dass um diese Zeit bereits ohne Strom und Wasser auskommen musste. Grund ist nämlich, dass an einem Tag in Jahr, warum auch immer (Wartungsarbeiten schätze ich, in der gesamten Far-North-Region der Strom und Wasser ausgeschaltet wird. Und dieser Tag sollte Sontag, der 1. Mai sein, in den ich übrigens nicht getanzt bin. Solch ein Brauch scheint es in Neuseeland nicht zu geben.

Aber das ganze beeinflusste mich nicht viel – einerseits brauchte ich es nicht, andererseits war ich bald eh schon aus der Far-North-Region verschwunden, da ich ja schließlich am Abend wieder in Helensville sein wollte (oder, besser gesagt, musste).

Mein Weg führt mich zurück nach Kaitaia, um dort den State Highway 1 in die südliche Richtung zu nehmen. Mein Augenmerk lag und liegt ja seit jeher drauf, möglichst alle Facetten Neuseelands zu entdecken. Dazu gehört dann eben auch, möglichst keine Straße doppelt zu fahren…

Ich fuhr also den SH1 nach Süden, der mich durch dicht bewaldetes hügeliges Gebiet führte, ehe ich in der winzigen Ansiedlung Mangamauku auf eine abenteuerliche Schotterpiste wechselte, die mich ostwärts an die Ostküste bringen sollte. Die Inland-Route des SH 1 trifft nämlich erst in der Bay of Islands auf die Ostküste, das war mir etwas spät, ich hatte ja noch ordentlich Zeit.

Die Schotterpiste war einsam und auf den 30km sah ich kein einziges entgegenkommendes Auto, daür jedoch jede Menge Vögel – Arten, die ich teilweise noch nie vorher gesehen hatte. In dieser Hinsicht hat sich der holprige Weg also gelohnt. Es ging an vereinzelten Farmen vorbei und durch winzige Maori-Siedlungen, hauptsächlich überwog jedoch die grüne, meist bewaldete Hügellandschaft, die ab und an von ein paar nett aussehenden Felsen unterbrechen wurde. Einer davon war besonders fotogen (naja, nicht wirklich) und hat mich auf meinem Weg bestätigt gefühlt.

Obwohl ich zwischenzeitlich dachte, mich mitten im Nichts verirrt zu haben (irreführende Wegweiser) kam ich an einem ziemlich idealen Punkt wieder auf die Hauptstraße die Ostküste hinunter – wenn auch weiter südlich als geplant. Ideal grade deshalb, weil ich nur wenige Hundert Meter hinter dem Hoste, wo ich die zweite Nacht verbrachte, wieder auf die Hauptstraße, den State Highway 14, kam. Es ging dann den Whangaroa Harbour entlang und Richtung Fischerdörfchen Whangaroa, das ich aber bereits ja bekannte. Beim dortigen Entlangfahren 2 Tage zuvor, fiel mir jedoch auch die ausgeschilderte „Tourist Route“ ins Auge, die ich trotz knappen Benzins ansteuerte. Diese 40km lange Straße führt zu einigen sehr schönen Buchten an der Ostküste, die ich jedoch aufgrund des grauenhaften Wetters nicht wirklich genießen konnte. Bei schönem Wetter muss es wirklich wunderschön sein – so war es einfach nur herzzerbrechend. So sah ich nichtmal die einige Kilometer vor der Küste gelegenen Cavalli Islands, deren Gewässer ringsum eines der Top-Tauchquartiere Neuseelands, wenn nicht gar der Welt, bieten. Dort wurde auch das von mir bereits oft erwähnte Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior“ versenkt (nachdem es aus Aucklands Hafen geborgen wurde), um Fischen und Co. ein schönes Versteck zu bieten und Taucher anzuziehen. Zwei weitere Schiffswracks machen diese Umgegend wirklich zu einem interessanten Tauchplatz, denke ich zumindest. Leider bin ich ja gesundheitlich nicht in der Lage je tauchen zu können…

Langsam ging auch mein Treibstoff zu Ende, die Nadel stand schon auf leer und nach Kerikeri, der nächsten Stadt,  wo sicher eine Tankstelle war, waren es auch noch 30km. Doch da rettete mich plötztlich ein unvorhergesehenes „Roadhouse“ samt Tankstelle, an dem ich erst vorbeibrauste, dann jedoch noch das schmierige schwarze Gold in meinen Wagen presste.

Bald war ich dann auch in Kerikeri angekommen, der gewißermaßen historischsten Stadt Neuseelands und größter Ort der Bay of Island. Der Stadtkern gleicht Kaitaia, ist aber trotdem wesentlich schöner, was wohl an den vielen Pflanzen und der  Architektur liegt.

Da ich grade geskypt habe, habe ich nun, zwei Stunden später, vergeßen, was ich schreiben wollte. Aber ich mache einfach mal weiter, In Kerikeri habe ich erstmal das Info-Zentrum aufgesucht, um mich über Aktivitäten in der Region zu informieren. Bei dem strömenden Regen war ja eigentlich nicht allzu viel möglich, doch ich zog das ganze Programm durch.

Zuerst führte mich mein Weg zue „Wiege Neuseelands“, nämlich Neuseelands ersten (vernünftigen) Holzhaus und Neuseelands ersten wirklichen Steinhauses, die an einem Arm des Kerikeri Inlet liegen, welcher mit der Bay of Islands und damit den Pazifik verbunden ist.

Hier entstand um 1822 die erste wirklich britische Siedlung Neuseelands – zuvor gab es bereits ein paar Robben- und Walfangstationen, vor allem auf der Südinsel, vernünftige Häuser oder gar Dörfer gab es aber noch nicht.

Dieser Ort beherbergte auch einen bedeutenden Maori-Stamm, der seine schützenden Hände über die ersten weißen Siedler hielt. Das war in besonderem ein britischer Priester aus Sydney, der schon mal damit begann, die Maoris zu missionieren. Er nahm zwei Maori-Anführer auch mit auf eine Reise nach England, wo sie z.B die Maori-Sprache an der Uni Cambridge schriftlich aufschreiben ließen und erhielten sogar eine Audienz beim damaligen König, der sie reich beschenkte. Das meiste davon tauschten Sie jedoch gegen Gewehre ein und waren den anderen Stämmen plötzlich weit überlegen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Missionar und seine Familie bauten an jenem Ort jedenfalls das erste mehrzimmrige, zweistöckige Holzhaus Neuseelands, heute würde man es wohl eher als Villa bezeichnen. 1822 entstand es – keine 200 Jahre alt, also im deutschen Vergleich ziemlich jung. Da ist die  Hälfte der Häuser in Herford ja älter…

Auf das Holzhaus komme ich noch später zu sprechen, erstmal sah ich es nur von außen, als ich im strömenden Regen an jenem historischen Ort war. Mein Blicke schweiften jedoch auch vor allem zum Haus aus Stein, das den sehr originellen Namen „Stone Store“ trägt. Es ist wirklich das erste Gebäude aus Stein in Neuseeland, 1836 fertiggestellt, und sollte eigentlich als Kornspeicher dienen, war später aber eher ein sinnvoller Schutz vor Maori-Überfällen.

Da ich mich länger durchnässen wollte, öffnete ich einfach mal die Tür und befand mich in einem kleinen Laden. wo mich die Verkäuferin in ein Gespräch verwickelte und mir anbot, für einen kleinen Obulus das kleine Museum ein Stockwerk höher anzusehen sowie inklusive eine Führung durch das erste Haus aus Holz zu bekommen.

Das Museum war zwar klein, aber sehr informativ. Viel über diesen historischen Ort gelernt. Mit der Führung konnte man dann noch das „Kemp House“ erkunden, so heißt nämlich das erste Holzhaus von 1822, benannt nach seinen Eigentümern, den „Kemps“, besagter Pastorenfamilie. Eine Frau, die man problemlos in jene Zeit einordnen könnte, hielt total enthusiastisch einen langen Vortrag über dieses Haus, danach konnte man noch alle Räume besichtigen, samt Originalmöbeln versteht sich. Bis 1972 haben die „Kemps“ noch in diesem Haus gelebt, danach haben sie es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und einfach auf den Grundstück nebenan ein neues errichtet. War jedenfalls sehr interessant, neuseeländischste Frühgeschichte (früh in Sinne der Besiedlung weißer Siedler) hautnah zu erleben.

Neben den beiden Häusern liegt übrigens ein Fluss, über den eine Fußgängerbrücke geht und ein winziger Wasserfall, der keiner näherer Erwähnung bedarf. Auf der anderen Seite ist nämlich ein künstliches Maori-Dorf (Touristenattraktion) und eine alte Befestigungsanlage der Maori bzw. Ruinen davon, das sogennante „pa“. Die wurden fast immer auf Hügeln mit Meerblick angelegt.

Etwas flussaufwärts gibt es jedoch einen recht imposanten Wasserfall, den „Rainbow Falls“, den ich mir nach einer kleinen Autofahrt anschaute. Hier stürzte jede Menge Wasser sicher 30m in die Tiefe.

Danach verließ ich Kerikeri und fuhr zur nahe gelegenen „Aroha Island“. Das ist, wie der Name impliziert, eine Insel, die jedoch über einen künstlich aufgeschütteten Damm mit den Festland verbunden ist und damit mit den Auto erreicht werden kann. Die Insel ist ziemlich klein, sie zu umwandern dauert keine 20 Minuten, sie beherbergt jedoch ein Infozentrum und mehrere Unterkunftsmöglichkeiten. Aroha Island ist nämlich ein bedeutendes Naturschutzgebiet inmitten der Mangrovensümpfe. Die ganze Insel ist von Mangroven umgeben, die bekanntlich ein Rückzugsgebiet für Fische und insbesondere Vögel sind. Auf der Insel selbst wurden auch Kiwis angesiedelt, insgesamt 6 Kiwis kann man dort wohl erblicken; da die nachtaktiv sind aber auch nur nachts. Deshalb auch die Unterkünfte, einen Kiwi in freier Wildbahn zu sehen ist nirgendwo wahrscehinlicher als auf diesen Eiland. Bei gutem Wetter ist es sicherlich traumhaft dort, man kan nauch schwimmen oder mit dem Kayak die Mangroven erkunden, doch bei strömenden Regen blieb mir nur übrig, das Infozentrum zu erkunden, mit den Besitzern zu plaudern, einen Film über Kiwis zu sehen und letztlich einen kleinen Spaziergang durch die vielfältige Vegetation der Insel zu unternehmen. Der führte mich auch zu einem Steg, der in die Mangroven hineinragte. Von dort konnte ich auch wirklich ein paar Fische sehen und einen seltenen Reiher, der wohl darauf wartete, diese zu verschlingen.

Die Insel ist zwar eher unbekannt, und, obwohl nur knapp 15km  von Kerikeri entfernt, eher schwer zu finden, ich kann es jedoch nur empfehlen. Ich überlege schon, ob ich, wenn das Wetter gut ist, bei meinem kommenden Bay-of-Islands-Trip dort nicht nochmal stoppe.

Aroha Island war auch mein letztes wirkliches Ziel, danach ging es mit ein paar Stopps zurück nach Helensville.

Ich nahm nicht den direkten, schnelleren Weg südlich über den SH1, sondern fuhr ins Inland Richtung Kaihoke, ganz einfach um diese Stadt zu sehen und eine unbekannte Straße nach Süden zu fahren. Die Bay-of-Islands-Region samt Paihia, Russel und Kawakawa kommt ja noch in 3 Wochen dran. Ich wollte auch garkeinen Blick auf die Bay of Islands werfen, der Regen hätte wohl ein recht enttäuschendes Bild hinterlassen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter gut sein wird, wenigstens auf meinem bereits geplanten Segeltrip.

Ich fuhr also westlich nach Kaihoke, das bereits wieder in der Nähe der letzten Ausläufer des Hokianga Harbours liegt. Erst schaute ich mir jedoch noch, einigermaßen auf dem Weg, ein weiteres historisches Gebäude an, das sogenannte „Mission House“ in Waimate North. Selbsterklärend eigentlich und auch nicht sonderlich spektakulär.

Kaikohe war dann wiederum das klassische Dienstleistungszentrum für die umliegenden Farmen und hat touristisch kaum was zu bieten. Ich schaute mir jedoch das Hone Heke-Monument an, das auf einen Hügel nahe Kaikohe liegt. Ein kleiner Park, den ich trotz Regens marschierte, um das Monument zu sehen, das an Hone Heke erinnert, einen berühmten Maori-Häuptling. Wofür der berühmt ist, kann und will ich jetzt aber auch garnicht sagen.

Nachdem ich wieder aus Kaikohe herausgefunden hatte (mal wieder verirrt) ging es über eine Straße durchs Inland nach Süden, wobei die üblich grüne Hügellandschaft dominierte. Einziger interessanter Aspekt bildete eine Brücke, oder soll ich besser sagen zwei Brücken. Der Punkt ist auch auf meiner Karte als „Twin Bridges“ vermerkt und lässt sich wohl am besten  als Kreuzung auf einer einspurigen Brücke beschreiben. Sah jedenfalls ganz cool aus.

Von dort ging es weiter südwestlich, bis in Whangarei ankam, der größten Stadt des Northlandes, bei 60.000 Einwohnern kann man auch getrost von Stadt sprechen. Ich bin nur durchgefahren, die Erkundung folgt noch bei meinem nächsten Kurzurlaub.

Weiter ging es nach Süden wieder auf dem State Highway 1, erst noch kurz an der Ostküste vorbei, dann weiter durchs Inland. Mittlerweile stockdunkel und prasselnder Regen machten das Fahren nicht grade angenehm. Kurz hinter Wellsford passierte es dann auch: trotz Vollbremsung killte ich mein erstes Possum. Warum läuft das auch einfach so auf die Straße? Nach 9 Monaten in Neuseeland wurde es aber auch mal wirklich Zeit, „Road Pizza“ zu backen. Possums habe ich bisher nämlich kaum auf den Straßen (platt) gesehen, wobei man ein zermastschtes Kaninchen wohl schwer von einem zermatschten Possum unterscheiden kann.

Um eure Geschmacksnerven zu verschonen war es das aber auch schon. Die letzten Kilometer nach Helensville schaffte ich dann auch noch, wo ich gegen 20 Uhr erschöpft aber glücklich ankam. Hatte ja schon eine recht lange Fahrt hinter mir.

Das war bereits mein Kurzurlaub, der mir trotz schlechten Wetters viel Freude bereitet hat. Jetzt wisst ihr vielleicht auch, warum. Ich freue mich jedenfalls schon auf den Nächsten, keine 3 Wochen mehr hin 😉

PS: Wo ich die Fots hochgeladen habe, muss ich noch mein tierisches Erlebnis bei der Heimkehr erzählen. Unsere Hauskatze scheint nämlich ganz schön vernachlässigt worden sein das Wochenende, sie huschte nämlich direkt durch meine Zimmertür, als ich diese öffnete, versteckte sich unter meinen Bett, in meinen Schrank und spazierte überall munter herum. Z.b auch auf den Fenstersims, wo seie meinen Reisepass betatscht Rausbekomen hab ich sie nur schwer, und immer wenn ich die Tür nur einen Spalt breit öffnete, wollte sie wieder rein.Weiß nicht, was so attrakriv an meinem Zimmer ist.

Das andere eher eklige Erlebnis hatte ich dann, als ich auf meinen Sofa Platz nehmen wollte um meinen ersten Reisebericht zu verfassen. Auf den Boden, wo grade jetzt meine Füße stehen, lag ein übel riechender K***-Haufen, von Milo, dem bösen Hund. Der Hund regt mich echt richtig auf, irgendwie mag ich ihn aber auch wegen seiner Intelligenz. Er öffnet ständig die Türen, indem er sich zweibeinig aufstellt bzw. so oft gegen die klinke springt, bis die Tür aufgeht. Da bleibt nur nur noch die Möglichkeit, die Tür zu verriegeln. Essen tut er übrigens am liebsten Gemüse  und Fliegen – er spart jedenfalls den Staubsauger nach dem Abendessen, weil er alle Maiskörner, Erbsen und alles was sonst irgendwie auf den Boden gelandet ist, verputzt, auch tote Fliegen. Sein Geschäft macht er eigentlich aber draußen, von daher hoffe ich, dass das ein Einzelfall war…

Hier nun noch ein paar Fotos vom letzten Tag:

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