Northland: Tag 2

Kommen wir zum zweiten Tag, nachdem ich gestern dafür zu beschäftigt war – ich durfte nämlich einen riesigen Fragenkatalog ausfüllen. Wer die NW liest, sollte in Zukunft Ausschau nach einen Artikel über mich halten – das habe ich zwar bereits im Herbst gesagt und es hat nicht geklappt, nun, mit Vitamin B :P, wird das aber klappen – dank einer jungen Nachwuchsjournalistin meiner Stufe.

Ansonsten noch aus aktuellem Anlass: gestern war hier in Auckland ein ziemlich verheerender Tornado, keine 30km südöstlich von Helensville. Ich hatte ja grade die Karte veröffentlicht, worauf neben Helensville auch der Stadtteil Albany eingezeichnet ist, wo der Tornado am meisten tobte. War also garnicht so weit entfernt – gemerkt hat man hier aber überhaupt nichts. Nicht der leiseste Wind hier – schon recht komisch. Gab einen Todesfall, viele Verletzte und unzählige Schäden an Gebäuden und Co. – ein Tornado in Neuseeland ist grundsätzlich aber sehr selten, auch wenn alle 5 Jahre mal einer vorkommt. In Nelson gab es übrigens auch ein Erdbeben, eher ungewöhnlich für die Gegend dort…

Nun hoffe ich noch auf einen Vulkanausbruch, dann habe ich fast alles durch…

Aber nun zum zweiten Tag, der meine ganze Reiseplanung durcheinanderbrachte.

Von meiner Herberge in Kohukohu ging es über eine Nebenroute durch die grüne, hügelige Landschaft nach Ahipara, einem Örtchen an der Westküste, wo auch die Ninety Mile Beach beginnt. Die ist übrigens nicht Ninety Miles, sondern in etwa nur 90 Kilometer lang und eine offizielle Straße, wo täglich eine Vielzahl von Autos verkehren. Für Mietwagen ist die Strecke verboten, da der Strand ganz schön tückisch sein kann, Privatfahrzeuge sind jedoch erlaubt. Dazu später mehr.

Ich fuhr in Ahipara nur ein bisschen durch den Ort und kam dann zufällig an der Auffahrt zum Strand vorbei. Da packte mich natürlich die Neugierde und ich steuerte meinen Wagen auf den Sand und fuhr ein bisschen im Kreis herum. Der Sand ist verdammt hart – liegt auch daran, dass er bei Flut unter Wasser liegt, weshalb man die Ninety Mile Beach auch nur bei Ebbe befahren kann. Da das Fahren auf dem Sand so gut ging und das Wasser grade zurückging, entschloss ich mich, tatsächlich ein Stück auf der Ninety Mile Beach zurückzulegen, auf die man sich eigentlich nur mit Geländewagen trauen sollte, jedenfalls auf ganzer Strecke. Das Fahren auf dem harten Sand ist nämlich kein Problem, jenes sind aber einige Bäche/Flüsse, die den Strand teilend im Meer münden. In einem davon soll es sogar Treibsand geben.

Ich habe zum Glück meine gute Straßenkarte und habe nach einem Abschnitt des Strandes geschaut, wo man keinen Fluss durchqueren muss. Es gibt insgesamt 5 Auf- bzw. Abfahrten zum Strand, und zwischen zweien wurde ich auch fündig – ein etwa 20km Abschnitt zwischen der zweiten und dritten Auffahrt, den ich ausprobieren wollte. Der startete aber nicht in Ahipara, sondern 20km nördlich davon.

Auf den Weg dahinb machte ich erst einen Tankstop in Kaitaia, der größten (und man kann auch sagen einzigen wirklichen) Stadt des Hohen Nordens, die anscheinend sehr kriminell sein soll – so warnen diverse Reiseführer ausdrücklich davor, selbst für wenige Minuten irgendwelche Sachen im Auto zu lassen. Außerdem ist die Stadt ziemlich hässlich, sieht auch ziemlich dahingesetzt aus, als Dienstleistungszentrum für den Hohen Norden eben. Gibt deshalb sogar einen Pak n Save, McDonalds usw…

Schnell getankt ging es weiter nach Norden, hinauf auf die Aupouri Peninsula. So heisst der nördlichste Zipfel Neuseelands, an dessen Westseite sich die Ninety Mile Beach erstreckt. Bald kam die Abzweigung zur Waipapakauri Ramp, der Auffahrt auf die Ninety Mile Beach. Nach ein paar Kilometern dort angekommen, parkte ich erst noch an der Straße und schaute, wie es dort am Strand so aussehe. Der Sand erwies sich weiterhin als sehr hart, das Wasser war weit weg, also entschloss ich mich aller Schreckensbilder zum Trotz den Versuch zu wagen. Mit Schreckensbildern meine ich die halb im Sand versunkenen Autos, die steckenblieben und von den Fluten überrascht worden sind. Ab und an sieht man tatsächlich etwas Autoblech irgendwo stecken…

Raus ging es also auf dem Sand und los brauste ich über den menschenleeren Strand, der such ziemlich breit ist. Ich hielt mich in etwa in der Mitte zwischen den anbrandenden Wellen des Meeres und den hohen Sanddünen auf der anderen Seite – etwa 200m Platz auf jeder Seite. Keine Chance also, irgendwo gegen zu fahren, außer vielleicht eine der vielen Möwen zu erwischen. Deshalb nahm ich bald auch ordentlich Geschwindigkeit auf und brauste mit 80-100kmh über den Sand, mit meiner Kamera ordentlich Foto machend und filmend.

Es macht wirklich irre Spaß, sollte man auf jeden Fall ausprobiert haben. Eiu bisschen Driften kann man auch ganz gut. Man muss quasi nichts machen, einfach nur gradeaus fahren, was beim Linksdrall meines Fahrzeuges jedoch dann doch dauernde Gegenlenkung erforderte. Der Strand erstreckte sich scheinbar endlos vor meinen Augen, ständig gleich aussehend. Von daher störte es mich auch nicht, nur einen kleinen Teil des Strandes zu befahren. Der Rest sah ja eben so aus. Ab und an überholte ich andere Vehikel – alles Geländewagen, die mal ebenfalls auf Abenteuertour waren oder auch einfach nur Angler zu ihren Angelplätzen gebracht haben. Als dann zum ersten Mal ein kleines Rinnsal auftauchte, fragte ich mich, ob ich wirklich durchfahren sollte. War aber wirklich nur ein Rinnsal, keine 5cm tief, das sich noch ein paarmal wiedehrolen sollte. Einen richtigen Fluss musste ich nicht durchqueren – hätte ich auch nicht gewagt, da wär ich lieber zurückgefahren.

Die Ausfahrt konnte man zum Glück recht leicht finden, da genau an dieser Stelle die eintönige Landschaft von einem größeren domgeformten Hügel unterbrochen wird. Dort endete dann meine Strandtour und nach 10km auf Schotterpisten kam ich wieder auf den State Highway 1, um den Weg zur Nordspitze Neuseelands anzugehen. Es sollte jedoch nicht mein letzter Besuch auf dem Minety Mile Beach bleiben…

Der höchste Norden ist ziemlich unbesiedelt, in einer Bucht, der „Henderson Bay“ gibt es aber sogar einen, den nördlichsten Neuseelands, Backpackers, wo ich ein Bett haben wollte, ehe ich an die Nordspitze weiterfuhr.

Wie sich herausstellte, war diese Hostel jedoch aufgrund Überschwemmungen geschlossen – ein Glücksfall, wie sich später herausstellen sollte. Ich besuchte also noch den sehr schönen Strand der Henderson Bay und fuhr dann weiter nach Norden, wo mich dann irgendwann eine ziemlich unglückliche Überraschung erwartete.

Ca. 80km nördlich von Ahipara, vielleicht noch 20km zum Ende des Highways nach Cape Reinga begrüßten mich „Road closed“-Schilder, der Weg war von Lastwagen und Co. versperrt, Männer in Sicherheitsanzügen liefen herum, die mir dann auch den Grund der Straßenschließung mitteilten.

Aufgrund der vielen Regenfälle sei es zu Überschwemmungen gekommen, die die einzige Brücke über einen Fluss weggespült hätten, nämlich die, über die die enzige Straße nach Norden, der State Highway 1 verläuft. Auch über den Ninety Mile Beach war kein Zugang mehr möglich, der Wasserstand des Flusses dort war ebenfalls zu hoch. Der höchst Norden war also abgeschnitten vom Rest der Außenwelt – und auch für mich nicht zugänglich. Hoffnung machte mir jedoch die Aussage, dass man zuversichtlich sei, die Brücke schnell zu reparieren.

Trotzdem ziemlich niedergeschlagen fuhr ich zurück nach Süden, dabei sämtliche Buchten und Strände mitnehmend, die auf der Aupouri Peninsula noch zu finden waren. Trotzdem, schon fast wieder in Kaitaia, war es erst früher Nachmittag, also noch genug Zeit etwas zu unternehmen. Das hieße aber, mich weiter nach Süden zu entfernen und am nächsten Tag einen ziemlich weiten Weg wieder hinauf zu haben, von em zusätzlichen Sprit mal abgesehen.

Aber ich entschied mich dafür und erkundete fast jede Bucht und jeden Strand der Ostküste bis runter zum Whangaroa Harbour. Ich möchte Euch eine genauere Aufzählung meiner Aktivitäten ersparen, meist ging es zu den Stränden und Buchten, ein paar Fotos wurden gemacht und weiter ging es zur nächsten. Waren allerdings ein paar echte Perlen dabei – das grade an diesem Tag recht angenehme Wetter (dichte Wolken, aber kein Regen) machte das ganze auch noch zu einem ganz schönen Tag.

So erkundete ich die Karikari Peninsula ziemlich ausführlich (siehe Karte), genauso wie die Orte der Doubtless Bay und Mangonui, ehe ich vor Kahoe letztlich stoppte, wo entlang der Hauptstraße ein einladendes Hostel stand. Die Besitzer waren nicht da, empfangen wurde ich, na klar, von einem Deutschen, der dort, ja wirklich, Praktikum macht! Der Liebe musste allerdings erst von einem anderen Gast aufgeweckt werden – schläft der Liebe zur Hauptanreisezeit…

Er studiert Tourismus in Deutschland und hat den Aufenthalt in diesem Hostel in Neuseeland tatsächlich irgendwie als Pflichtpraktikum anerkannt bekommen – ob der Lerneffekt so groß ist, wage ich zu bezweifeln. Bei grade einmal 12 Betten gibt es auch nicht allzu viel führ ihn zu tun…

Das Hostel war jedoch sehr schön, toll eingerichtet – der Boden war z.B aus poliertem Kauriholz, ein Zimmer war nur mit Fußballtrikots ausstaffiert, vor allem deutsche und italienische Mannschaften (kein Arminia ;)) und hatte auch Kicker, Tischtennisplatte, Fitnessgeräte, fetten Fernseher mit Wii/Playstation und einen Computer mit kostenfreiem Internet – alles nicht grade übliche Sachen. Ich habe mich jedenfalls recht wohl gefühlt dort, auch wenn ich den Abend über eher meinen Krimi gelesen habe oder mit dem deutschen Praktikanten und einer anderen Deutschen gequatscht habe.

Bevor das geschah, fuhr ich jedoch noch ein paar Kilometer südlich nach Whangaroa, ein kleines Fischerdorf im gleichnamigen Naturhafen, wo ich mir mein Abendessen besorgte. Dreimal dürft ihr raten was…

Neben meinem Abendessen auch ein schönes Eis, dass ich dort im idyllischen Hafen am Wasser sitzend verputzte und dabei den Sonnenuntergang beobachtete.

Das soll es jetzt auch gewesen sein mit dem zweiten Tag, der nicht so spannend wurde, wie eigentlich erhofft, nach all der ersten Enttäuschung jedoch noch ganz schön war. Und keine Angst, soviel darf ich verraten, nach Cape Reinga, der quasi Nordspitze Neuseelands, kam ich am nächsten Tag auch noch, neben vielen anderen schönen Plätzen – so fühlte ich mich an einer Stelle z.b wie in einer Wüste…

Aber das kommt morgen, hier kommen nun noch die Fotos vieler schöner Buchten und Strände, darunter natürlich auch Ninety Mile Beach. Viel Spaß damit!

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