Heute vor einem Jahr: Deutsch-LK-Abi

Genau heute, zu genau dieser Zeit (in Deutschland) vor genau einem Jahr habe ich meine erste Abiturklausur im Fach Deutsch geschrieben. Kommt mir jedoch vor, als hätte ich Sie grade erst beiseite gelegt.

Wie bereits angekündigt, möchte ich etwas selbstverherrlichend in diesen Blog über diese Klausur berichten. Fangen wir mit der Vorbereitung darauf an!

Vorbereitung? Naja, naja, die beschränkte sich auf den Vorabend der Klausur. Betrachtet man jedoch dich Umstände, so kann man das sicher verstehen:

Vor den Osterferien hatte man noch Unterricht, das Abitur war noch sooo weit weg. In den Osterferien hatte man Ferien, seine letzten Schulferien, die man also geniessen musste. Nichts mit Lernen dort also. Nach den Osterferien hatten wir letztes Jahr (un-)glücklicherweise ja noch eine Woche Schule, doch die wollte ja auch mit allem Drum und Dran genossen werden.

Blieb also theoretisch noch das Wochenende, da ich als Deutsch-LKler das zweifelhafte Vergnügen hatte, direkt am Montag, heute vor einem Jahr, die Klausur schreiben zu dürfen. Theoretisch aber nur, da am Freitag, dem „letzten Schultag“ ja das berühmt-berüchtigte Parks**** zum letzten Mal, zumindest offiziell, stattfand. Ich war zwar weitgehend „alkalifrei“ ( HBH aus einer grade aktuellen Email zitiert), doch der Freitag und Samstag Morgen war natürlich gelaufen. Das „inoffizielle“ Parks**** war übrigens letzten Freitag, die NW hat einen sehr lesenswerten Artikel dazu 😀 (http://www.nw-news.de/lokale_news/herford/herford/4399866_Spur_aus_Scherben.html)

Der restliche Samstag und Sonntag auch, denn mein lieber (garnicht mehr so) kleiner Bruder ging bei seiner Konfirmation zum (vermutlich) letzten Mal in die Kirche. Das anschließende Freudenfest kostete natürlich Zeit und ließ keine Lernaktivitäten zu.

Wie man daraus ersehen kann, blieb mir also wirklich kaum Zeit, mich vorzubereiten. Ich lernte also in den frühen Abendstunden, denn in den späten wollte ich ja bereits schlafen, gnadenlos auf Lücke, darauf spekulierend, dass ein Gedicht am nächsten Tag drankommen würde. So überflog ich nochmals Stilmittel von Alliteration über Euphemismen bis zum Zeugma, Reimformen und verschaffte mir einen Überblick über die literarischen Epochen. Nichts, was ich nicht eh schon wusste, aber immerhin hat es mein Gewissen befriedigt. Ob nun eine halbe Stunde oder ein halbes Jahr, das macht dem ja nichts aus.

Am nächsten Morgen wurde es dann ernst: voller Spannung wartete unser Kurs auf die werte Frau Schulleiterin, die beim Austeilen der Aufgaben natürlich eine Person vergaß – mich…

Hätte ich eigentlich gegen klagen sollen, schließlich hatte ich nun fast 10 Sekunden weniger Zeit (von einer halben Stunde!)  die Aufgaben durchzulesen und sich für eine günstige zu entscheiden.

Das fiel mir auch recht einfach, denn wie spekuliert gab es auch ein Gedicht, die anderen Aufgaben wurden garnicht angeschaut, schienen jedoch leichter zu sein, denn das Gedicht teilte ich mir nur mit einen Bruchteil des Kurses.

Für die Neugierigen hier das Gedicht:

_______________________________________________________

Spiele wohl!
Das Leben ein Schauspiel

[22] Was ist dein Lebenslauff und Thun, o Mensch? ein Spiel.
Den Innhalt sage mir? Kinds, Weibs und Tods Beschwerde.
Was ist es vor ein Platz, darauff wir spieln? Die Erde.
Wer schlägt und singt dazu? Die Wollust ohne Ziel.

Wer heißt auff das Gerüst‘ uns treten? Selbst die Zeit.
Wer zeigt die Schauer mir? Mensch, das sind bloß die Weisen,
Was ist vor Stellung hier? Stehn, schlaffen, wachen, reisen,
Wer theilt Gesichter aus? Allein die Eitelkeit.

Wer macht den Schau Platz auff? Der wunderbare Gott.
Was vor ein Vorhang deckts? Das ewige Versehen.
Wie wird es abgetheilt? Durch leben, sterben, flehen.
Wer führt uns ab, wer zeucht uns Kleider aus? Der Tod.

Wo wird der Schluß erwartt des Spieles? in der Grufft.
Wer spielt am besten mit? Der wol sein Ammt kan führen.
Ist das Spiel vor sich gut? Das Ende muß es zieren.
Wenn ist es aus? o Mensch! wenn dir dein JESUS rufft.

_____________________________________________________

Die Aufgabe war nun ganz klassisch, dieses nette Barockgedichtlein zu analyiseren und mit einem anderen, „naturalistischen“ Gedicht, das man ebenso kurz analysieren sollte, zu vergleichen.

Nichts leichter als das, dachte ich mir, und schrieb mir in 5 Stunden Arbeit die Finger wund. Man nehme einfach ein bisschen „vanitas“, „mement-mori“ und „carpe diem“ (für die des Latein unkundigen: „Vergänglichkeit“, „Erinnere dich, dass auch du sterben wirst“, „Nutze den Tag“), mixe es mit etwas Allgemeinwissen, gebe eine Prise stilmittelanalysierendes Fachvokabular dazu und backe es auf geschätzten 25 Seiten in Krakelschrift bekrikelten Papiers – schon erhält man eine glorreiche Abiturklausur.

Die Glorie konnte ich damals natürlich noch nicht ahnen, vielmehr fürchtete ich mich. Die beiden vorausgegangenen Gedichtanalysen, eine davon in der Vorabiklausur führten nämlich zu den schlechtesten Noten in meiner „knüppelharten“ Deutsch-Karriere. Ich wurde gar extra dazu angehalten, nicht so viel zu schreiben und vorher mal nachzudenken. Habe ich natürlich nicht gemacht.

Ich bekam schon ungläubige Blicke der Mitschüler, als ich mir neues Papier holen musste, nachdem meine 15 Seiten recht schnell gefüllt haben. Und das war nicht das einzige Mal. Nach der Klausur stellte sich raus, dass ich mit meinen 25 Seiten teilweise mehr als doppelt soviel geschrieben hatte wie andere.

Nun ist Quantität nicht unbedingt Qualität, aber meine Masse spitzenklasse. Wie man den obigen Gedicht entnehmen kann, bot es einfach zuviel Stoff, den man schreiben konnte. Ein geschichtlicher Überblick über den 30-jährigen Krieg samt korrekter Jahreszahlen durfte da ja natürlich nicht fehlen.

Es hat sich jedenfalls gelohnt. Aus Datenschutzgründen möchte ich meine Note nicht veröffentlichen :P, sie war jedoch meiner Lernleistung angemessen, soviel weiß ich 😉

Bleibt mir noch zu hoffen, dass mein ehemaliger Deutschlehrer nicht zufällig meinen Blog liest und nachträglich einen schlechten Eindruck bekommt ! Auch wegen der zahlreich hier auftauchenden Rechtschreib- und Grammatikfehler (bin halt schon zu lange im Ausland)

Wer mir eine Analyse des obigen Gedichts schickt, dem benote ich das gerne. Vielleicht keine schlechte Übung für diesjährige AbiturientInnen, denen ich im Übrigen viel Erfolg wünsche!

Bloß eines nicht vergeßen: lernt nicht soviel !!!

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: