Mount Tabor Farm

Nun also ein paar Worte zur Mt Tabor Farm, wo ich die nächsten 6 Monate verbringen werde. Ich bin hier etwas außerhalb von Helensville (ca.1,5km) auf einer „Farm“, wo ich mit mehreren geistig Entfähigten  Leuten lebe. Helensville selber ist eine kleine Stadt, aber doch deutlich größer als Culverden (ca. 2400 Einwohner). Das merkt man auch an den ganzen Geschäften, es ist sozusagen ein Service-Center für den umliegenden Rodney-Distrikt. So gibt es hier z.B einen großen Woolworths-Supermarkt.

Der Ort ist garnicht mal so hässlich (was ich bisher gesehen habe), grünes hügliges Land, ein Fluss, der sich durch den Ort schlängelt und relativ unbesiedelte Umgebung. Nach Auckland sind es trotzdem „nur“ 30 Minuten, um ins Stadtzentrum zu kommen vielleicht noch ein wenig mehr.

Eigentlich finde ich es gar nicht so schlecht, hier in Helensville zu sein. Es ist deutlich ruhiger, der Verkehr ist sehr angenehm (im Gegensatz zu Auckland), ich habe es, wie gesagt, nicht allzuweit nach Auckland und bin nur 10 Autominuten vom nächsten Strand entfernt. Ob nun an der rauhen Westküste oder der für das Schwimmen besser geeignete Ostküste, innerhalb einer halben Stunde bin ich da.

Kommen wir nun zum Projekt, dem Mt Tabor Trust. Der hat, wie ich schonmal erwähnte, diverse Häuser und angegliederte Wohnungen, wo Leute selbstständig leben, die jedoch vom Trust betreut werden.

Hier in Helensville sind die meisten (andere sind in Mt Albert und Henderson, 2 Suburbs in West-Auckland), darunter auch die Verwaltung. Es gibt 3 Häuser hier, eins im Ortskern, eins ca. 1km von hier die Straße hoch (dort arbeitet die Freiwillige Eunhye aus Südkorea) und eben die besagte Farm hier (Adresse ist übrigens: Post.Adresse:  Inland Road 634, Helensville
PO Box  154, Helensville)

„Mount Tabor Farm“ heißt sie wohl, weil das Leben hier etwas ländlicher ist. Grüne Umgebung, Hühner und Schweine im Garten, Katze und ziemlich aufdringlicher Hund (…) als Haustier.

Hier wohnen momentan 7 „Core People“ samt Betreuung. Neben mir ist das Kris (sehr nett) und Robert (habe ich nur kurz heute morgen gesehen), dazu noch Betreuer anderer Häuser, die mal einspringen. So heute Keresoma (Inder)aus dem Nachbarhaus in Helensville, weil ein Meeting war. Da ich grad so schön dabei bin, noch ein paar weitere Namen der Betreuung. Mike ist der „Community Leader“, also der Chef, der alles so steuert. Er hat uns gestern in Henderson getroffen und mich hierher geleitet. Dort habe ich seine Frau Sherry getroffen (eigtl. Teacher Aid), die hier ausgeholfen hat und mir einen netten Empfang gemacht hat. Wie Kris hat sie wohl Maori-Wurzeln. Dann ist da noch Maria, die Managerin der Helensville-Häuser. Mit ihr habe ich heute vor allem meine Einsatzzeiten diskutiert, dazu später.

Den Leuten, um die es hier eigentlich geht, den „Core People“ werde ich noch ein ausführliches Porträt widmen. Generell sind aber alle sehr nett und haben auch nicht die schlimmsten Entfähigungen.

Wir haben z.B Billy(Mitte 20), der ziemlich eigenständig ist und in einer eigenen Wohnung auf dem Gelände lebt. Er ist Asperger, eine leichte Form des Autismus, die oft mit Inselbegabung zusammenfällt. Viele Professoren und wohl auch viele bekannte Forscher und Erfinder waren oder sind Asperger. Da er nicht auf sich selbst achten kann, lebt er hier, er ist jedoch sehr cool undmein Hauptgesprächspartner. Er hat eine besondere Begabung für technisches Zeugs, insbesondere Autos. So wird er mir wohl mein durch den Diebstahl beschädigtes Auto wieder flottmachen helfen (sogar Windschutzscheibe einsetzen) und hat mich schon ins heimische Wireless Internet hier „gehackt“, das hätte ich alleine nicht hinbekommen (keiner wusste nämlich mehr das Passwort). Er hat auch sein eigenes (ziemlich heruntergekommenes) Auto, das allerdings nicht mehr verkehrstauglich ist und ist mit mir gestern über die anliegende Weide gedriftet. Das beherrscht er erstaunlich gut und hat irre Spaß gemacht, 270 Grad-Drehungen mit dem Auto hinzulegen. Besser als Achterbahn.

Wer ist sonst noch hier? Zu nennen ist Richard und Narelle(Ende 20), mit denen man sich auch noch gut unterhalten kann, dazu Sandy (ca. 60), die allerdings recht vergeßlich scheint. Die etwas „härter“ entfähigten Leute sind Kevin und Tommy. Kevin kann nicht normal kommunizieren und gibt ständig Schnalzlaute von sich, Tommy kann man nach etwas Eingewöhnen wohl verstehen, mir gelingt das bisher aber noch nicht. Das nur als kurzen Überblick über ihre Kommnikationsfähigkeiten, weiteres, wenn ich hier mehr drin bin und besser drüber Bescheid weiß.

Es ist auch immer ein gewisser Wechsel hier, mal kommen, mal ziehen Leute in ein anderes Haus um. Das ist an sich sehr geräumig, mit ordentlicher Küche und nettem Wohnbereich mit Kamin. Von den Bewohnern dauernd genutztes Sky-TV und für mich Wireless-Internet, das zwar nicht in mein Zimmer reicht, aber muss ja auch nicht. Dann sitze ich eben hier mit all den Leuten, das ist auch ganz nett. Der Garten ist allerdings von Unkraut überwuchert, da weiß ich schon mal was auf mich noch zukommen wird.

Apropos, welche Arbeit kommt auf mich zu?

Heute war ein sehr langsamer Einstieg und ich habe nur diverse Kleinigkeiten gemacht. Z.B den Kamin angezündelt (war zwischenzeitlich ziemlich kalt), den Zaun geputzt, Tisch gedeckt, nach dem Essen geschaut und im Supermarkt Milch geholt. Bei letzteren habe ich auch gleich 2 der „Core People“ kutschiert, allerdings in meinem Auto- Ich sollte eigentlich den Van nehmen, der mein Hauptgefährt in den nächsten Wochen sein wird. Ist aber auch Automatik und sollte ganz gut gehen.

Meinen Auto geht es hingegen nicht so gut. Als wir im strömenden Monsunregen auf dem Motorway Richtung Auckland waren gestern, gab es auf einmal einen Knall und meine provisorische Windschutzscheibe ist davongesegelt. Anhalten geschweige denn zurückfahren konnte ich dort natürlich nicht. Also hieß es mit offenem Fenster durch den Regen hierhin. Ich war heute bereits meim Glasmacher, der hatte jedoch nicht auf. Ich sollte das halt möglichst schnell wieder zumachen. Genauso andere Dinge klären, z.B eine neue Brille.

Das führt uns grade gut zu meinen freien Tagen. Ich habe beschlossen, die Wochenenden zu arbeiten, da ich so 2 zusätzliche Tage im Monat freikriege. 7 Tage arbeite ich natürlich nicht, mein Wochenende isr immer Donnerstag und Freitag, die nächsten beiden Wochenende jedoch noch wie gewöhnlich. Die 2 zusätzlichen Tage führen dann zu 4 Tagen frei eimal im Monat, sodass ich gut noch die Gegend über, in und unter Auckland erkunden kann in den kommenden Wochen.

Nächsten Dienstag fängt denn auch unser „Camp“ in Thames (Coromandel Peninsula) an, ich bin mal gespannt, was dort dann abgeht.

Wie gesagt, im Moment ist noch nicht allzu viel zu tun, ich komme jetzt langsam rein. Habe meine Haushaltsaufgaben bekommen und soll so um 8.30 aufstehen, das ist ganz nett. Morgens dann vor allem Haus sauber machen bzw. die Leute hier, falls sie es vergeßen, daran erinnern. Je nach Aufgabenraster dann mal Teller waschen, Boden putzen oder sogar Kochen. Letzteres steht bereits morgen für mich an, aber Kris meinte schon, sie hilft mir. Ich werde mich an Lasagne wagnen. Das Essen sonst ist gut, morgens nur Toast und Müsli(wobei ich seit Monaten eh kaum noch frühstücke), dafür mittags und abends warm und im Vergleich zu dem, was ich bisher gewöhnt war, recht gesund und wohlschmeckend. Werde also noch die nächsten Wochen körperlich überleben, seelisch ebenso. Ich denke, ich habe es ganz gut getroffen hier und warte jetzt erstmal, was die wirkliche Arbeit noch mit sich bringt.

Das alles sind jetzt so Informationen über den ersten Eindruck, ich hoffe es reicht Euch 😉

Kommt natürlich noch mehr, ich muss auch noch über das weitere Mid Year Camp und die Anfahrt hierher berichten 😀

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