Die Taranaki-Region

Weiter geht es mit der Taranaki-Region – ich habe grade Zeit, da es hier am Mount Maunganui wie aus Eimern schüttet und die Gegend hier ja vor allem fürs Sonnen und Baden am Strand gemacht ist.

Fangen wir an dem Tag an, der auf meine abenteuerliche Vulkanbesteigung folgte.

Als ich aufwachte, merkte ich bereits, dass mein linkes Bein bei der kleinsten Anhebung wahnsinnig schmerzte. Ich konnte zwar normal mit etwas Einschränkung gehen, es jedoch keine 5cm anheben, damit drücken, treten oder sonstwas. Fürs Auto fahren im Automatikwagen brauche ich es aber ja nicht, weshalb es gleich eine kleine Schonpause bekam.

Mein Weg war nämlich lang und sollte mich nach New Plymouth führen.

Zuerst ging es nördlich nach Taumaranui, der nächstgrößeren Stadt, von wo die Straßen nach Taupo, Hamilton und eben nach New Plymouth abzweigen. Statt jedoch die schnelle Straße nach New Plymouth zu nehmen, habe ich den „Forgotten World Highway“ genommen, so genannt, weil er einerseits quasi durchs Nichts geht und andererseits wohl viele Fossilien am Wegesrand zu finden sein sollen. Es war eine lange Strecke, die Landschaft, grüne Hügel und Regenwald, aber sehr schön. Ab und an konnte man in der Ferne noch ein paarmal die Vulkane thronen sehen.

Den ersten kleinen Halt machte ich am Hoki-Tunnel, der den Namen „Hobbits Hole“ trägt. So sieht es fast auch aus, ist bloß etwas hoch für einen Hobbit. Jedoch ein gewiss 100m langer, lediglich einspuriger Tunnel, der geradeaus verläuft. Entgegenkommende Autos sieht man also und kann sie vorher passieren lassen.

Nach diesen Tunnel war ich dann irgendwann auf dem Staatsgebiet von Whangamomona. Dort im Nichts hat nämlich ein kleines Kaff das Umland zur eigenständigen Republik ausgerufen, der Pub in der Ansiedlung dient als Regierungssitz. Leider habe ich erst später erfahren, dass man sich im Pub hätte einen Pass ausstellen lassen können. Somit hätte ich jetzt auch die deutsch-whangamomonische Doppelstaatsbürgerschaft haben können, hätte…

Die Republik hat sich zwar ein schönes Fleckchen Erde ausgesucht, wie sie überleben will, ist mir aber unklar.

Nach ein paar Kiolmetern hieß es dann auch wieder „Willkommen in Neuseeland“. Nach etlichen weiteren Kilometern kam ich dann in Stratford an, dem Verwaltungssitz der Taranaki-Region, aber bei weitem nicht der größte Ort. Von hier hatte man bereits einen tollen Blick auf den Mt Taranaki, auch wenn sein Gipfel von Wolken verhüllt war.

Vielleicht ein paar Sätze zu Taranaki-Region und Berg. Die Taranaki-Region ist die drittkleinste Neuseelands und wird vom Erscheinungsbild des 2518m hohen, immer noch aktiven Vulkans Mt Taranaki dominiert. Egal wo man ist, überall kann man diesen Berg sehen, den Gipfel jedoch äußerst selten. Der Himmel mag noch so blau sein, alle Wolken stauen sich bei diesem Berg und regnen sich dort ab. Der Mt Taranaki wurde ursprünglich von James Cook (Neuseelands (2.) Entdecker) Mt Egmont getauft, dieser Name verliert aber immer mehr an Bedeutung (Egmont war irgendein britischer Adliger). Auffallend ist seine perfekt symmetrische Form, die aus ihm eine beliebte Filmkulisse macht. So wurde dort der Film „The last Samurai“ gedreht, da Mt Taranaki das perfekte Ebenbild für den japanischen Mt Fujijama ist, bloß dass dieser nicht von all dem japanischen Smog verdreckt wird.

Der Berg ist im Sommer für jedermann ohne alpine Vorkenntnisse besteigbar, man sollte sich jedoch besser einen Führer nehmen, da ständig Leute bei dem Versuch sterben, meist durch plötzlich aufziehendes schlechtes Wetter.

Genug zum Berg, weiter zur Region. Taranaki ist eher eine der wohlhabenderen Regionen Neuseelands, vor allem durch 2 Wirtschaftszweige. Die Milchwirtschaft ist sehr stark, da die Kühe dort viel Platz und durch Vulkanasche sehr nährhaftes grünes Gras haben. Taranaki ist jedoch auch das „Energy Capital“ von Neuseeland. Ich wusste es auch vorher nicht, aber in Neuseeland (bzw. nur in Taranaki) wird Erdöl- und gas in nicht unerheblichen Mengen gefördert.

Manche im Inland, mittlerweile aber auch schon viele Bohrplattformen im Meer 40-60 km vor der Küste Taranakis (Taranaki ist auf der Karte der westliche Auswurf in der Mitte der Nordinsel).

Hauptsächlich werden diese Rohstoffe aber exportiert – nach Japan, Indonesien, Taiwan und China vorwiegend. Dem kommt der Umstand zugute, dass die Stadt New Plymouth den einzigen Tiefwasserhafen an der gesamten Westküste Neuseelands hat.

Das als kleiner Überblick für den Anfang, von Stratford fuhr ich jedenfalls erst einmal Richtung Mt Taranaki und landete zufällig auf einer Straße die zu einem Ski-Feld führte. Man kann dort nämlich tatsächlich auch Ski fahren. Die Anfahrt ist jedoch etwas schwierig, man muss mit dem Auto zum Parkplatz am Hochplateau und dann all seine Sachen einen über eine halbe Stunde dauernden Weg zu den wenigen Liften schleppen. Dafür hat man die auf der Welt nicht allzu oft vorkommende Möglichkeit, beim Ski fahren das nur 30km entfernte Meer zu erblicken. Wer will, kann an einem Tag surfen, Ski fahren und Wasserski fahren, sogar innerhalb weniger Stunden.

Da ich ja, wie angedeutet, nicht wirklich fähig war, zu gehen, bin ich beim Hochplateau nur kurz ausgestiegen, um ein paar Fotos zu machen (waren nämlich auch ein paar Wanderwege).

Der Ausblick war jedoch einer der grandiosesten bisher: geradeaus konnte man in der Ferne noch Mt Ruapehu und Mt Ngauraheo erkennen, davor das grüne Hügelland. Rechts und links von einem erstreckte sich erst das grüne Weideland und dann zu beiden Seiten das Meer. Drehte man sich um, so ragte vor einem der gewaltige Mt Taranaki auf, der jedoch immer noch von Wolken verhüllt war.

Meine Fahrt führte mich dann weiter nahe am Vulkan entlang durchs grüne Weideland und später zu den Dawsons Falls, einen Wasserfall (mal wieder). Dort war jedoch auch eines (von 2) Besucherzentren für den Mt Taranaki mit einer kleinen Ausstellung über Berg und Umgebung sowie viele Wanderwege. Die konnte ich nicht machen (und wollte ich auch nicht, ich lasse mein Gepäck, wenn es im Auto ist, kaum noch aus den Augen), bin jedoch den 5-minütigen Spaziergang zum Wasserfall angegangen. Schade, dass es die ganze Zeit mindestens 150 Stufen hinabging, die mein armes Bein ja auch wieder hoch musste. Der 18m hohe Wasserfall hat sich aber gelohnt. Und die Treppenstufen ging es zwar langsam, aber effektiv mit Nachziehen des linken Beins wieder hinauf.

Dann ging es ohne Unterbrechung nach New Plymouth, entlang des Surf Highways. Alle paar Kilometer zweigt dort nämlich eine Straße zu einem als „Surf Beach“ gekennzeichneten Strand ab. Die Wellen sehen auch ganz gut zum Surfen aus, von daher.

Am Cape Egmont mit seinem Leuchtturm (westlichster Punkt Taranakis, jedoch nicht Neuseelands) bin ich versehentlich vorbeigefahren (muss aber ja auch nicht alle Leuchttürme begucken) und bin dann am frühen Abend in New Plymouth angekommen. Dort leben knapp 70.000 Menschen, ein Großteil der Menschen in der Taranaki-Region also. Die Stadt wurde schon zur besten Kleinstadt der Welt, besten Stadt Neuseelands uvm., gekürt, dementsprechend war ich also gespannt.

Mein zweiter Projektwunsch am Anfang dieses Jahres war auch eine Schule in der Nähe – und mein erster jetzt zum Halbjahr ja ein Camp in der Nähe. Beides nichts geworden, wäre auch zu schön gewesen (was nicht heißen soll, dass ich mich nicht auf Auckland freuen würde).

Da etwas isoliert und abgelegen muss die Stadt aber ja auch was bieten – und das tut sie.

Vor wenigen Jahren hat sie an der Küste eine 10km lange Promenade angelegt, die flugs (warum auch immer) für einen UNESCO-Nachhaltigkeitspreis sorgte.

Außerdem ist New Plymouth Sitz der Taranaki Savings Bank (TSB), der einzigen noch im neuseeländischen Besitz befindlichen Bank. Alle restlichen Banken werden vom Staat oder ausländischen Banken und Investoren gesteuert. Die TSB-Bank ist auch Organisator des alljährlichen „Festival of Lights“ im Januar, an dem ich, grade passend da, auch am Abend teilgenommen hatte.

Erst jedoch das Hostel bezogen, in der Stadt etwas gegessen und über die Promenade geschlendert, der untergehenden Sonne zusehend. Die Promenade wird auch rege genutzt, ob von Fußgängern, Radfahrern, Skatern oder sonstwem. Von dort konnte ich auch den riesigen Schornstein sehen, das Icon des Hafens von New Plymouth.

Bevor es endgültig dunkel war, erreichte ich den Pukepura Park, wo das „Festival of Lights“ stattfand. New Plymouth ist nämlich weitbekannt für seine Parkanlagen, und jener Pukekura Park, direkt an der Stadt, ist der größte und wohl schönste. In der Nacht beim „Festival of Lights“ noch schöner, denn Tausende von Lichtern in allen möglichen Farben verwandelten den Park in ein romantisches Lichtermeer. Es herrschte reger Ansturm, auf einer Bühne werden regelmässig (jeden Tag des Festivals) abends Konzerte gehalten, auf einer weiteren Bühne in einem See gibt es melancholischeren Gesang und die Kaffeehäuser im Park boten Verpflegung für die hungrigen Mäuler. All die Lichter, und was mit ihnen angestellt wurde, zu beschreiben ist unmöglich, doch zu meinen Favoriten zählte ein künstlich angelegter Wasserfall, der in abwechselnden Farben bestrahlt wurde – wunderschön!

Es war genau der richtige Abendausklang dort.

Am nächsten Tag erkundete ich New Plymouth dann etwas mehr. Zuerst ging es wieder in den Pukekura-Park, diesmal bei Tag. Dort gibt es nämlich auch einen kleinen, aber feinen, kosttenfreien Zoo, der neben vielen verschiedenen Affenarten, Vögeln, Farmtieren und Aquarientieren auch süße Fischotter sein Eigen zu nennen hat. Ein großer Spielplatz für die Kleinen rundet den täglich möglichen Zoobesuch dann ab. War jedenfalls ganz interessant, besondes den Affen zuzuschauen!

Weiter ging es dann durch den Park, vorbei am TSB Bowls of Brookland. Das ist eine größere Bühne in einem kleinen See, umgeben von einem Freiluft-Amphitheater – hier finden öfters Konzerte statt, die zu klein für die benachbarte TSB-Arena wären.

Als Event-Hauptstadt (dort ist nämlich immer was los) kommen auch öfters größere Größen aus Musik und Co. nach Taranaki.

Vorbeigehend in umgekehrter Richtung wie am Vorabend durch den Park, erreichte ich dann irgendwann die Innenstadt und irgendwann dann auch mein Ziel – das „Puke Ariki“.

Das ist ein Besucherzentrum, Museum und Bibliothek in einem, flankiert dazu von Shops, Cafe und Restaurant. Nicht nur das Gebäude, sondern auch dessen Inhalte unterstreichen den innovativen Charakter New Plymouths. In einer Ausstellung ging es um die Zukunft New Plymouths und der Taranaki-Region, wo man an Umfragen partizipieren konnte. Anhand verschiedener Szenarien (Meeresspiegel steigt an, Vulkan bricht aus, Erdöl geht aus, …) musste man dann seine Meinung abgeben und konnte Vorschläge liefern. Das ganze eigentlich am Computer, doch als ich grade anfangen wollte, kam ein Mitarbeiter auf mich zugelaufen, drückte mir ein Ipad in die Hand und meinte, ich solle das doch lieber benutzen. So wirbt Apple um Kunden!

Doch auch die restlichen Ausstellungen, über Natur und Wirtschaft der Region waren sehr wissenswert und sind daran schuld, dass ich Euch mit Informationen beglücke, die Ihr wohl niemals brauchen werdet! Auch tut es mir leid, wenn meine Worte wie Werbung klingen, aber ich bin tatsächlich von der Stadt begeistert.

In der Bibliothek konnte ich noch kostenlos ins Internet (der Mini-Eintrag stammt von dort) und im Besucherzentrum habe ich mich noch über weitere Aktivitäten informiert. Viel gemacht habe ich danach jedoch nicht mehr. Noch einmal die Promenade Richtung Hafen gegangen und den anbrandenden Wellen zugeschaut und durch die Stadt gestreift. Mein Bein war zu der Zeit übrigens wieder in der Lage, kleinere Stufen hinaufzusteigen.

Da ich das seltene Glück hatte, den Gipfel des Mt Taranaki freiliegen zu sehen, bin ich noch ins Auto gestiegen und auf den Berg zugefahren, immer mal wieder für ein Foto anhaltend.

Den Abend habe ich dann nicht mehr viel gemacht, beim „Festival of Lights“ war ich nicht nochmals, ich wollte Euch lieber über meine Wellington-Erlebnisse schreiben…

Am nächsten Tag verzichtete ich dann auf den Besuch des anderen Mt Taranaki-Besucherzentrums und fuhr direkt nach Te Kuiti, doch dazu das nächste Mal.

Gibt ja wieder genug zu lesen, sorry (wobei Ihr jetzt fertig seid!)!

 

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