Wellington

So, dann will ich Euch mal über Wellington berichten, soweit ich mich noch erinnere. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich aufgehört habe und kann auch momentan nicht nachgucken, also verzeiht mir, wenn ich was auslasse.

Wir befinden uns also nun in Wellington, noch relativ früh morgens – wie man sich erinnert hatte ich im Auto geschlafen.

Nun ging es also erstmal nach Wellington hinein, über den dreispurigen Motorway und irgendwann mitten durch den CBD, wo ich mich schon mal über mögliche Parkgelegenheiten informiert habe. Bin jedoch erstmal aus der Innenstadt raus in die Suburbs gefahren. Manche davon thronen bis zu 400m über Wellington, die ganze Gegend dort ist nämlich sehr hüglig. Und die Straßen in die Suburs richtig steil. Dafür hat man von dort einen ganz netten Ausblick auf Stadt und Bucht. Habe dann irgendwann meinen Weg hinunter zum Meer gesucht und bin zur Spitze der Wellingtoner Bucht gefahren (der auf Wellington-Seite), doch auch dort kam ich nicht ganz hin. Die letzte Strecke war nur für 4WDs geeignet (durch 4 Räder angetriebene Autos, vor allem Geländewagen), das wollte ich nicht riskieren. Immerhin waren dort ein paar informative Tafeln, ich war dort nämlich in einem Meeresschutzgebiet.

Aber das braucht jetzt nicht weiter vertieft zu werden, mein Trip führte mich weiter zu der Wellington vorgelagerten Halbinsel, wo neben dem Flughafen auch das Vorörtchen Miramar liegt, bekannt für seine Filmindustrie. Wellington ist unter Insidern nämlich nicht nur als „Windy Wellington“ (trifft durchaus zu) bekannt, sondern auch als „Wellywood“. In jenem Stadtteil ist u.a. der Weta Workshop ansässig, doch dazu später. Den habe ich nämlich versucht zu finden, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Darum ging es auf einer „Scenic Route“ einmal direkt am Wasser entlang um die Halbinsel herum. Die Straße teilen musste ich mir nur mit den vielen Radfahrern, die dort ein ideales Revier haben – kaum Autos, toller Blick, ebene Fläche.

Wieder zurück von der Halbinsel habe ich kurz Halt an einem Strand gemacht, wo man die Startbahn des Flughafens sehen konnte. Dementsprechend habe ich ein paar Flugzeuge beim Starten zugeschaut.

Dann ging es in die Innenstadt. Die Parkplatzsuche gestaltete sich einfach, ich nahm mir einfach den Parkplatz am Te Papa, wo ich ohnehin hinwollte. Für einen kleinen Obulus hatte ich dann auch mein Parkticket bis 18 Uhr und strebte ins Te Papa.

Vielleicht fragt ihr Euch, was das Te Papa ist? Es ist das Nationalmuseum Neuseelands und sicher auch das größte, außerdem eines der innovativsten und interessantesten Museen, in denen ich bisher sein durfte.

Schon allein das Gebäude ist riesig und die Ausstellungen erstrecken sich über 6 Etagen, dazu gibt es Cafes, Shops und Co.

Natürlich ist das Museum kostenfrei, die meisten Ausstellungen jedenfalls. Kostenpflichtig sind nur ein Paar von Simulatoren (komme ich noch zu) und manch temporäre Ausstellung, wie z.B im Moment dort mit dem Titel „European Masters“. Letztere habe ich mir jedoch gespart, da die Ausstellungsstücke wohl alle aus irgendeinem deutschen Museum in Frankfurt stammten – da kann ich dann ja immer noch hingehen.

Die nächsten 3-4 Stunden schaute ich mir also alles an – fast alles. Geschafft habe ich nämlich längst nicht alles. Aber immerhin alles Mögliche über Flora und Fauna, Geologie und Geografie, Geschichte, Maori-Kultur und Kunst, usw. gelernt. Unter anderem verfügt das Te Papa über den einzigen (natürlich toten) Riesenkalmar, der konserviert unter dickem Glas liegt. Schon beeindruckend! Genau so die Rekonstruktionen quasi aller anderen noch lebenden oder schon ausgestorbenen Tiere Neuseelands. Die ganzen Dinge über die Maori waren auch sehr interessant. Was beachtlich ist, ist, dass alle Beschreibungen im Museum zweisprachig sind – Englisch und Maori. So kann man ein wenig Te Reo Maori lernen, indem man die Sachen vergleicht.

Anonsten glänzt das Museum mit modernen Design und noch modernerer Technik.

Kunst gibt es natürlich auch noch, die Ausstellung von Fotografien über Asien und Neuseeland war sehr schön, die „malerische“ Kunst habe ich mir für den nächsten Tag aufgespart. Möchte Euch ja nicht mit allen Sachen nerven, die ich gesehen habe.

Mit dem Vorhaben am nächsten Tag wiederzukommen verließ ich das Te Papa und wanderte die Hafenpromenade entlang. An einer Brücke standen viele Menschen dicht gedrängt am Geländer und Schwimmer hatten sich auf eine nahegelegene Badeinsel „geflüchtet“. Grund war nämlich ein ziemlich imposanter Stachelrochen, der durch das Wasser glitt (hab ein gutes Foto von gemacht).

Als er 10m weiter geschwommen war, ging das Badeleben aber gleich munter weiter…

Ich wollte jedoch nicht baden, sondern die Hauptstadt erkunden. Das ist Wellington ja nämlih.

Und wie es sich für eine Hauptstadt gehört, gibt es auch ein Parlament, das ich mir angeschaut habe.

Nach einem Spaziergang durch die Hauptstraße Wellingtons war ich dann auch schon am neuseeländischen Parlament angekommen. Erst ging ich jedoch in ein Museum der „Reverse Bank of New Zealand“, wo mich ähnliches wie schon in Sydney erwartete (dort war ich ja in einem ähnlichen). Aber auch die Geschichte der neuseeländischen Banknoten (ebenfalls aus Polymer) und ihre Herstellung ist interessant. Unter anderem gab es hinter einem verglasten und vergitterten Fenster auch ein paar Geldbündel – und die paar Geldbündel stellten schon 1 Million NZ-Dollar da. Hätte ich gerne genommen…

Besonders interessant jedoch ist eine dort ausgestellte neuseeländische Erfindung. Als es nämlich noch keine Computer gab, gab es schon einen Wirtschaftscomputer, den ersten der Welt. Das ist eine seltsam aussehende Apparatur, die mit Wasser betrieben wird, und in der Lage ist, viele makroökonomische Vorgänge anschaulich und richtig darzustellen.

Der Erfindergeist der Kiwis ist wirklich verblüffend.

 

Das Parlament selbst sieht aus, wie fast so alle Parlamente auf dieser Welt. Interessanter ist jedoch der Sitz des Ministerpräsidenten, die Exekutive Neuseelands. Der sitzt nämlich im angeschlossenen „Beehive“. Das heißt soviel wie „Honigwabe“ und hat auch seinen Namen verdient, da das Gebäude wie eine Honigwabe aussieht.

Ich habe diese Wabe (und das Parlament) jedoch nicht nur gesehen, sondern war auch drinnen.

Es gibt eine regelmässig stattfindende, kostenlose Führung durch die Räumlichkeiten, die ich mir nicht entgehen lassen wollte.

In Deutschland muss man vorm Bundestag stundenlang warten, bis man hineinkommt, dort musste ich die Sicherheitskontrolle passieren und in bequemen Ledersesseln kurz zum Beginn der Führung warten (insgesamt 10 Minuten), dann ging es schon los. Mit Fotos kann ich jedoch nicht dienen, man musste Kamera und alle anderen elektronischen Geräte abgeben.

Zuerst ging es ins erwähnte „Beehive“, wo uns nur ein größerer Tagungsraum gezeigt wurde.

Mehr gibt es anscheinend aber auch nicht zu sehen, die Büros des Präsidenten und der Minister sind ja nicht zugänglich.

Stattdessen ging es jedoch ins Parlament, das voll zugänglich war, weil die Abgeordneten alle ohnehin „Ferien“ haben. Zuerst ging es in den Keller, wo die Erdbeben-Stabilisatoren sitzen.

Wellington ist nämlich ein ziemlich ungünstiger Regierungssitz. Nur 400m vom Parlament entfernt ist die Grenze zwischen den beiden Platten, auf denen Neuseeland liegt.

Die Südinsel und Teile Wellingtons (darunter auch das Parlament) liegen noch auf der Pazifischen Platte, der Rest Neuseelands auf der Australischen Platte. Ein ziemliches Erdbebengebiet also eigentlich.

In einer aufwändigen Sanierungsarbeit wurde das Parlament, „Beehive“ und Co. (und auch andere Gebäude Wellingtons, z.B Te Papa) mit den Erdbeben-Stabilisatoren ausgestattet, ebenfalls eine neuseeländische Erfindung. Ohne das groß erklären zu wollen, läuft es letztlich darauf hinaus, dass die gesamten Gebäude quasi vom Boden isoliert sind und die Erdbewegungen kaum noch Auswirkungen haben – schwer vorzustellen. Seit der Installation hat es auch noch kein Erdbeben in Wellington gegeben, das diese getestet hätte. Aber die Kiwis haben die Technologie natürlich nach Amerika, Japan usw. exportiert, wo es anscheinend auch bei schweren Erdstößen bestens funktioniert hat.

Vom Keller ging es noch in andere Räume, ein Komitee-Saal z.B und den Presseflügel. Die angeschlossene Nationalbibliothek wurde grade renoviert und war nicht zugänglich.

Dafür ging es noch in den eigentlichen Parlaments-Saal, wo, wenn nicht grade „Ferien“ sind, munter über neuseeländische Politik debattiert wird. Wer will kann dann auch ohne Probleme auf einer Rotunde oberhalb den Diskussionen lauschen – in Deutschland ist das, glaube ich, nicht möglich,

Angebracht ist jetzt vielleicht wirklich mal ein kleiner Lehrgang über neuseeländische Politik.

Neuseeland ist formal immer noch eine parlamentarische Monarchie mit der englischen „Queen“ als Staatsoberhaupt, auch wenn die Rufe nach einer Republik und der Lossagung vom „Commonwealth“ zunehmen. Ministerpräsident ist im Moment John Key, der den „Nationaldemokraten“ angehört. Die haben die meisten Sitze im Parlament, allerdings nicht ganz die absolute Mehrheit. Das Parlament hat momentan 122 Sitze, normal sind eigentlich 120.

Grund ist, dass sich das neuseeländische System am deutschen orientiert – also gibt es auch „Überhangmandate“. Trotz der 5%-Regelung sitzen aber ganze 7 Parteien im Parlament, hauptsächlich dann durch Direktmandate und darauf aufbauender prozentualer Verteilung (schaut euch das deutsche Wahlrecht halt an :D). Gegenspieler der „Nationaldemokraten“ ist (natürlich) die „Labour“-Partei, die beiden Parteien stellten bisher die Ministerpräsidenten (wie CDU und SPD).

Der Maori-Partei wird eine bestimmte Anzahl an Sitzen garantiert, wie genau das abläuft, weiß ich aber nicht. Mit deren Unterstützung regiert John Key aber grade, allerdings nicht in einer Koalation, sondern als Minderheitsregierung mit deren Billigung und der einer anderen Partei.

So habe ich das ungefähr von unserer Führerin aufgegriffen, ich hafte nicht für Fehler (das Vergleichsbeispiel Deutschland brachte aber der Guide (Führerin mag manch einer vielleicht wieder falsch verstehen…)).

 

War auf jeden Fall sehr interessant dort, ich habe jetzt auch nicht alles beleuchtet 😉

Der Tag endete dann, indem ich zu meinem Hostel etwas außerhalb von Wellington, in Plimmerton, fuhr. Das war direkt am Strand in einer Bucht gelegen, von der aus man sogar die Südinsel sehen konnte. Ich bin dann sogar noch fix ins Wasser gehüpft, ebenso schnell aber wieder verschwunden, da ein kalter Wind aufgekommen war. Am Abend gab es dann noch einen wundervollen Sonnenuntergang zu bestaunen, der die Konturen der Südinsel noch deutlich deutlicher werden ließ.

Den späten Abend habe ich mir dann in meinem Zimmer, dass ich mir mit 2 Deutschen teilte, noch mit einen Film versüßt, habe nämlich schon eine kleine Bibliothek jetzt auf der Festplatte und nach dem Mid Year Camp dürfte die noch deutlich größer sein.

 

Der nächste Tag sah dann, wen wundert es, ein spätes Aufstehen meinerseits. Bin dann wieder nach Wellington hineingefahren, zuerst wieder die Hügel hinauf, ich wollte nämlich eigentlich zum Mt Victoria Lookout. Den habe ich natürlich nicht gefunden, aber immerhin hatte ich bei einem Kriegsdenkmal ebenfalls einen exzellenten Blick auf Stadt, Bucht und mehr.

Dann ging es wieder nach Miramar, diesmal wusste ich, wo ich hin musste.

Hinein ging es nämlich in die „Weta Cave“. Das ist ein kostenfreies Mini-Museum des angeschlossenen „Weta Workshops“, Nun, was ist der „Weta Workshop“?

Ursprünglich ein Kostümhersteller für Filme, könnte man sagen, mittlerweile aber auch hoch angesehen für digitale Spezialeffekte. So wurden alle Spezialeffekte und sämtliche Kreaturen (von Gollum zu Baumbart, von Warg zu Olifant, von Ork zu Elb) von „Weta Workshop“ erschaffen, ob nun künstlich oder durch Kostüme, Make-Up und Co.

Aber nicht nur die „Herr-der-Ringe“-Trilogie kann der Workshop sein (Mit)-Werk nennen, sondern auch neuere Filme wie „King Kong“, die „Narnia“-Reihe , „Avatar“ und viele andere.

In dem kleinen Museum gab es eine übermannsgroße Orkfigur zu bestaunen (der, der Boromir erschoss, und von Aragorn enthauptet wurde…) und sämtliche Miniaturfiguren von „Herr-der-Ringe“. Der Workshop stellt nämlich auch die Merchandising-Artikel her. Falls ihr also eine Hdr-Figur irgendwo habt, könnte die von Weta stammen.

Gab natürlich auch noch ein paar Utensilien anderer Filme und eine täuschend echt aussehende Statue meines Freundes Gollum, mit dem ich mich gleich auf ein paar Fotos verewigt habe.

Ein sehr interessanter halbstündiger Film über die Arbeit des „Weta Workshop“ und seine Produktionen schloss den Aufenthalt dort dann ab.

Weiter ging es dann wieder ins Te Papa – ich wollte nämlich die beiden Simulatoren noch testen.

Der eine simuliert eine U-Bootfahrt zu einem Unterwasservulkan ein paar Hundert Meilen von Neuseeland entfernt, nichts sonderlich Besonderes.

Der andere hatte es jedoch in sich: der „High Ride“ genannte Simulator bot ein Erlebnis vergleichbar einer Achterbahnfahrt.Thema des Films war quasi „Sportarten in Neuseeland“, die man aus allen möglichen Perspektiven erlebt hat und dabei ordentlich durchgeschüttelt wurde.

So sah man z.B ein Rugbymatch aus der Perspektive des Balls – und ihr könnt Euch denken, dass man ordentlich durchgeschüttelt wurde, als alle auf den Ball drauf sprangen 😉

Ansonsten sieht man sich Motorrad fahren, Segelflugzeug fliegen, Ski fahren oder was auch immer, bloß baut man immer einen Crash, wo man ordentlich durchgeschüttelt wird.

Schade, dass es nicht 3D war 😀

Habe dann auch noch die Geologie-Ausstellung entdeckt, die mir am Vortag entgangen war und den dortigen Erdbeben-Simulator ausprobiert, sowie die restlichen Austellungen, insbesondere über Kunst und Töpferei angeschaut.

Den Rest des Nachmittages bin ich dann noch durch die Stadt marschiert und habe mir sämtliche Straßen im CBD angeguckt (mehr oder minder), bis ich letztlich noch am Westpac-Stadium landete, durchaus imposant, aber in Vergleich zu deutschen Fußball-Stadien nichts Besonderes.

Der Tag klang dann in Plimmerton nicht groß anders aus als am Vorabend.

 

Man merkt, ich habe doch jetzt am Ende ziemlich abgekürzt, doch hinke ich ja auch etwas hinterher.

Mittlerweile bin ich schon wieder in Tauranga – berichten muss ich noch über die Kapiti Coast, Wanganui,Tongariro, Taranaki und mein heutiger Aufenthalt im Auenland & Hobbingen (hab nämlich das Filmset besucht ;)).

Das heißt ich habe in Auckland dann noch ein wenig zu tun – aber habe mich doch ganz gut gehalten bisher….

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Ein Kommentar

  1. Johanna

     /  Januar 19, 2011

    ahhhhh SO cool deinen bericht über wellington zu lesen!!! 🙂 ich habe mich gefühlt, wie zu hause.. „ahja, da war er, ja das is toll!“ “ ha, ich durfte fotos im parlament machen, weil mein gastpapa da gearbeitet hat, hehe!“ „och das hat er gemacht, das hab ich damals irgendwie verpasst..“ die ganze zeit so..! 😉 gut christoph, ich hoffe, du lässt es dir weiterhin gut gehen in deinem reisemonat! mal gucken, ob die anderen städte meine alte geliebte heimat wellington übertreffen können. bis spätestens im august in berlin! grüüüüße aus ecuador. 🙂

    Antwort

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