Wairarapa und Wellington

Ok, ich möchte Euch nicht allzu lange auf die Folter spannen:

am Morgen des Sonntags verließ ich Hastings nach Süden. Wie man dem vorherigen Bericht entnehmen kann, wollte ich eigentlich direkt nach Wellington fahren. Zwei Zwischenstopps hatte ich aber fest eingeplant:

der erste war in der südlichen Hawkes Bay Region im Landesinneren, den ich aufgrund guter Beschilderung auch gleich gefunden habe. Auf diesen Schildern wurde der Name übrigens abgekürzt, nämlich so „longest place name of the world“. Das ist auch schon lange, aber nicht so lange wie der Name, den ihr mir auswendig vorsagen müsst, wenn ich wieder in Deutschland bin!

Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronu-kupokaiwhenuakitanatahu

Das heisst laut Wikipedia übersetzt soviel wie:„Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte“.

Es ist übrigens ein Hügel, lediglich 305m hoch, und  eigentlich auch nur zweitlängster Name der Welt, im längsten Ortsnamen der Welt residiert nämlich (weiß garnicht, ob der das weiß ;)) mein ehemaliger Mitschüler Jonathan (Bangkok=Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit).

Vor dem Hügel steht dann ein sehr fotogenes Schild, wo der Name in ganzer Länge zu lesen ist. Diverse Beweisfotos werden das in Kürze (wenn ich i Auckland bin) untermauern.

Danach ging es dann weiter nach Süden, erst noch ungeplant an einem abgelegenen Strand an der Ostküste (Herbertville). War den Abstecher wert, es war nämlich eine sehr komische Lagune, wo am Strand Massen von Schaum angespült waren, den ich erst für Sand hielt – war bloß komisch, dass der Sand so geschaukelt hat. Auch hier werden wohl Bilder die beste Erklärung liefern können, genauso wie für die vielen anderen Ziele, darunter das nächste. Bin nämlich falsch gefahren und fand mich auf irgendwelchen abgelegenen Schotterpisten wieder, die durch das Nichts führen. Die Wairarapa-Region im Südosten der Nordinsel ist nämlich äußerst dünn besiedelt. Sehr hügeliges Land, wo es vor allem Farmen und ein paar kleine Dörfer gibt. Manche so klein, dass sie meist nur aus einer Schule und vermutlich den Häusern der Lehrer bestehen – zugehörig fühlen sich dann noch ein paar Farmen im weiteren Umkreis (Bildung ist hier für jeden in Neuseeland – der Schulbus fährt auch überall hin, egal wie abgelegen).

Über die Schotterstraßen kam ich jedoch noch zu den Waihi Falls, einem Wasserfall. Nichts sonderlich Besonderes, habe mittlerweile schon soviele Wasserfälle gesehen. Dort war ich aber nicht etwa alleine, sondern eine große Motorrad-Clique hatte wohl ihren Sonntagsausuflug dorthin gemacht 😉

Weiter ging es dann nach Süden, ich entschloss mich noch nach Castlepoint zu fahren. Das ist ein kleiner Ort an der fast garnicht besiedelten Südostküste, wo vor allem vermögende Wellingtonianer ihr Wochenende oder Ferien verbringen. Dabei hätte der Ort auch durchaus touristisches Potential, wenngleich er natürlich abgelegen ist (60km von Masterton, größerer Ort auf der SH2). Einerseits gibt es nämlich die geschützte Bucht, wo man sicher gut schwimmen kann, andererseits gibt es tobenden Ozean mit meterhohen Wellen. Die Bucht ist nämlich zu der einen Seite von einem schmalen Felsen begrenzt. wo oben auch ein Leuchtturm thront. Dort bin später auch hinaufgestiegen und habe die Sicht (und den Wind) genossen. Der Felsen setzt setzt sich in geringerer Höhe landwärts fort, auf der einen Seite derwogende Pazifik, der seit Südamerikas Küste bis dort kein Hindernis mehr hatte, auf der anderen eine nicht allzu große Wattfläche bis letztlich zum Strand. Obwohl die Felsen immernoch etwa 3-4m hoch waren, sind die Wellen teilweise so hoch gewesen, dass sie rübergeschwappt sind und ein Teil des Watts sich auch bei Ebbe mit Wasser gefüllt hat. Ein kleines bisschen weiter ragt dann noch ein über 150m hoher alleinstehender Felsen in den Himmel – perfektes Panorama dort. Ihr könnt nur auf die Fotos hoffen, dann wisst ihr, was ich meine…

Danach sollte es dann zum zweiten, vorher schon feststehenden Ziel meiner Route gehen – Cape Palliser. Bloß war es mittlerweile schon knapp 17 Uhr.

Egal, dachte ich mir, und fuhr noch über 2 Stunden nach Süden. Zuerst über besagtes Masterton, einzige wirkliche Stadt im Wairarapa-Gebiet (wo man allerdings nicht viel machen kann), dann bis nach Martinborough, das von Weinanbau dominiert wird. Dort hatte ich schon vorher nach Unterkünften geschaut, falls ich nicht nach Wellington kommen sollte. Bis auf einen etwas überteuerten Backpackers gibt es aber nur noch teurere Unterkünfte. Habe mich also, mittlerweile 18.30 Uhr, nicht darum gesorgt und bin weiter nach Cape Palliser gefahren. Vielleicht ahnt ihr es schon, Cape Palliser ist der südlichste Punkt der Nordinsel – und hat natürlich wieder einen Leuchtturm.

Der letzte Teil der Strecke ist sehr shön, direkt am Wasser entlang geht es zum Cape. Vorher jedoch noch zu den Putangirua Pinnacles, die am Weg lagen. Dort war auch ein bereits gut besuchter DoC-Campingplatz, der mich zum ersten Mal darauf verwies, dass ich ja notfalls im Auto schlafen könnte…

Die Pinnacles erforderten dann noch einen kleinen Marsch. Ich bin vom eigentlichen Weg (versehentlich) abgewichen und ein steiniges Flussbett hochspaziert (zum Glück kam keine Flutwelle) und hatte dann auch einen guten Blick auf die Pinnacles. Das sind einfach relativ viele nadelförmige Felsformationen auf einen Fleck, entstanden durch Erosion und so weiter.

Mittlerweile fast 20 Uhr ging es dann noch die letzten 10km zum Cape Palliser, das letzte Stück über Schotterstraße keinen Meter vom Meer entfernt. Dort angekommen war ich auch der Einzige und bestieg noch die Treppe zum Leuchtturm – 300 Stufen auf einer vielleicht 20m langen Treppe. Also sehr steil, aber war cool. Von dort oben konnte man dan die Steilküste bewundern, die stürmische Cook Strait und darauf fahrende riesige Schiffe am Horizont. Die Südinsel kann man von dort übrigens nicht sehen – das liegt daran, dass da Cape zu weit östlich ist (von Wellington und auch hier kann man Teile sehen).

Irgendwann ging es dann zurück und ich machte mir so langsam wirklich Sorgen, wo ich übernachten sollte. Unglücklicherweise hatte ich dort keinen Handy-Empfang, sodass ich auch nirgendwo anrufen konnte.Die Idee, auf dem DoC-Platz zu übernachten, verwarf ich erstmal und fuhr noch weiter bis nach Martinborough. Dort angekommen, mittlerweile 21 Uhr, wurde es dann düster und düsterer. Und wer sich erinnert – ich habe keine normale Brille mehr, die ich ja eigentlich zum Auto fahren benötige (Sonnenbrille geht nicht wirklich bei Nacht). Dort habe ich dann meine jetzige Unterkunft hier n Plimmerton angerufen – aber auch die waren schon voll. Mit nach 23 Uhr wär ich aber wohl eh etwas spät gewesen.

Ich bin danach also erst ohne rechte Idee durch Martinborough gefahren und habe Unterkunft gesucht, aber nichts passendes gesehen, bis ich eine Infotafel fand. Der einzige Backpackers war allerdings eben schon voll – und der Holiday Park regierte etwas ungehalten auf meinen späten Unterkunftswunsch (hab den Manager wohl wachgeklingelt) Dabei war es doch gerade erst 21 Uhr – in meiner Schulzeit habe ich noch lange nicht die Hausaufgaben angefangen dort :D.

Nun jedenfalls, ich hatte keine Unterkunft, im teuren  Hotel muss ich mich nun wirklich nicht einquartieren, also beschloss ich eine Nacht im Auto zu verbringen. Das ist an sich ja nichts Besonderes – die meisten anderen Freiwilligen machen das dauernd. Problem aber ist einerseits, dass ich mich alleine etwas unwohl dabei fühle. Andererseits ist mein Auto zu klein, um in vernünftiger Position zu schlafen und durch den Diebstahl habe ich auch weder Schlafsack noch andere wirklich warme Sachen. Denn das hier Sommer ist soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in den meisten Nächten echt ziemlich kalt wird.

Um zumindest im Warmen einzuschlafen versuchen, fuhr ich erst einmal aus Martinborough heraus, stellte die Heizung im Suto auf Hochturen und versuchte in der Dunkelheit noch ein paar mehr Kilometer nach Wellington zu schaffen. Langsam, da ja mit nicht allzu guter Sicht, kroch ich über die einsamen Straßen und suchte mir, als es irgendwann dann zu warm wurde, einen Platz, wo ich das Auto abstellen konnte. Das war in einer noch einsameren Schotterstraße, wo ich nur umgeben von Kuh- und Schafweiden war. Ich probierte also zu Schlafen, was mehr oder minder irgendwann gelang. Quer im Wagen, die Füsse auf dem Beifahrersitz, den Kopf auf Fahrerseite an der Scheibe, als Kissen diente ein Pullover (immerhin habe ich meine Sachen alle gewaschen, als ich in Tokomaru Bay war). Geweckt wurde  ich zwischendurch, als ein langer Laster die Schotterpite vorbeigebraust ist. Da habe ich dann auch gemerkt, dass ich meinen Sitz ja verstellen kann, fast wie eine Liege runterklappen. Habe ich dann auch gemacht – und siehe da, gleich ist es viel angenehmer.

Um ca. 2 Uhr nachts wurde es dann aber langsam ziemlich kalt im Wagen, obwohl ich mittlerweile lange Hose und Pullover übergezogen hatte. Ich entschloss mich also, weitere Kilometer nach Wellington zu fahren und das Auto wieder aufzuwärmen. Den nächsten Stopp hatte ich dann am Rand einer kurvigen Hauptstraße, mitten in den Hügeln vor Wellington. Mit meiner neuen Schlafposition war es dann etwas besser, trotzdem bin ich um 5 Uhr morgens wieder aufgewacht, wo es ja auch langsam schon wieder Richtung Sonnenaufgang geht. Es war noch relativ dunkel, aber hell genug um mit Sonnenbrille weiter zu fahren, schnell genug um den schon recht dichten Verkehr nicht aufzuhalten (was ich in der Nacht ohne Brille sicher gemacht hätte). Ich fuhr also weiter Richtung Wellington, zuerst noch durch Hutt Valley. Das ist das Tal vor der Bucht von Wellington und beinhaltet u.a. die Städte Lower bzw. Upper Hutt, wo schon einige Tausend Menschen, die zum Großraum Welllington gehören (ca. 350000) , leben. Hier in der Gegend gibt es sehr, sehr viele Schauplätze, an denen HdR gedreht wurde – da mir aber ja ein Locationfinder fehlt und die nicht ausgeschildert sind, ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Nacht im Auto übrigens hat jetzt ihren Schrecken verloren – sie war zwar kurz und unbequem, aber so spart man immerhin ein bisschen was. Ich werde nicht darauf hinarbeiten, aber wenn ich noch einmal in eine solche Lage komme, kann ich das dann ganz relaxt angehen…

Es ging erst einmal noch nicht in die eigentliche Stadt Wellington, sondern auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht am Wasser entlang, mit  schöner Sicht auf das grade das Tageslicht begrüßende Wellington.

Der Weg zur Spitze der Bucht war leider noch zu (zu früh), also zurück und nun tatsächlich nach Wellington hinein, über den mehrspurigen Motorway, den ich aber ganz gut gemeistert habe. Genauso die Fahrt durch die Innenstadt, die hohen Gebäude (wobei klein im Vergleich zu Sydney) auf mein Auto schauend. Ich sah auch, dass Parken (womit ich generell ein Problem habe :D) hier auch schwierig werden könnte.

Zuerst habe ich jedoch die Stadt hinter mir gelassen und bin durch die Vorstädte gefahren, die größtenteils auf den Hügeln hinter Wellington liegen, oft bis 400m höher als Wellington ist. Die Autos müssen sich also oft recht steile Straßen hinaufquälen. Dafür hat man von dort aber einen schönen Blick über die Hauptstadt Neuseelands – das ist Wellington nämlich!

Nicht etwa das weit größere Auckland, sondern Wellington, vor allem weil es zentraler liegt. Bevor Menschen von der Südinsel Auckland im 19. Jahrhundert erreicht haben, vergingen Wochen. Außerdem liessen sich von Wellington auch aufkeimende Unabhängigkeitsbestrebungen der Südinsel besser ersticken. Die gibt es übrigens immer noch – eine Partei, die die Unabhängigkeit der Südinsel fordert ist schon mehrmals zu Wahlen angetreten, hatte aber bisher keine Chance (also keinenRückhalt in der Bevölkerung). Tatsächlich sind die Unterschiede von Süd- zu Nordinsel aber durchaus da. Mir kommt es immernoch so vor, als ob ich jetzt in einem anderen Land bin – obwohl nur die 30km breite Cook Strait beide Inseln voneinander trennen.

Das muss nun erstmal genügen, was ich gestern und heute in Wellington erlebt habe, füllt mindestens ebenso nochmal soviel Text – da habe ich jetzt keine Lust mehr drauf – muss ja auch noch den Essay für den einen Wettbewerb fertig schreiben! 😉

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