Tag 5/6: Golden Bay Area – Nelson

Nun bin ich hier in Nelson – in einem vollen Hostel, das zwar kostenloses Internet versprochen hat, es aber nicht hält – denn das Internet ist so langsam, dass es keine Seite aufbauen kann. Drum sitze ich hier in der schönen Lounge auf einen Holzgestell über der Rezeption und schreibe eben bei OpenOffice. Gibt auch eine ganze Menge zu erzählen:

 

hier in Nelson bin ich vor einer Stunde angekommen. Nelson ist die drittgrößte Stadt der Südinsel (nach Christchurch und Dunedin), man kann hier also durchaus was anfangen. Leider regnet es schon den ganzen Tag, sodass ich im Moment nicht wirklich Lust habe, die Stadt zu erkunden. Das werde ich aber am späten Nachmittag wohl noch nachholen.

 

Nachdem ich gestern ja über mein neues Projekt gesprochen habe – für einen Halb-Autisten wie mich perfekt geeignet – möchte ich Euch nun darlegen, was sich gestern und heute morgen ereignet hat.

Gestern morgen stand ich in meinem wunderbaren, leeren Backpackers auf, wurde mit einem kostenloses Frühstück mit selbstgebackenem Brot überrascht und mir wurde erklärt, was ich denn Schönes dort in der Gegend sehen könne. Dann ging es auch schon los, Richtung Norden zum Farewell Spit. Auf dem kann man ohne die teuer geführte Tour zwar nicht wandeln (nur 2k am Anfang), die Gegend rundherum bietet aber auch eine herrliche Landschaft.

Zuerst ging es zum Cape Farewell, dem nordwestlichsten Punkt der Südinsel, wo man einen guten Blick aufs Meer und die umliegende Steilküste hatte. Dann ging es weiter zur Wharariki Beach, wo ich ja bereits am Vorabend ja einen wundervollen Sonnenuntergang erlebt habe. Nun wollte ich die Dünen, Höhlen und Co. dort etwas genauer erkunden.

Barfuß ging es erst durch den heißen Sand, dann durch das etwas kühlere Watt. Mir wurde nämlich empfohlen, bei (Voll)-Ebbe um 11.30 dort zu sein, dem ich auch nachgekommen bin. Dieser Strand ist einfach großartig – ein Abenteuerspielplatz für Groß wie Klein. Man kann steile Dünen erklimmen und wieder runterrutschen (der Aufstieg ist hart, der Abstieg aber sehr spaßig), Höhlen erkunden, die bei ansteigender Flut teilweise von Wasser gefüllt werden (oder sogar vollständig) und die zerklüftete, felsige Küste erkunden, ganz zu schweigen von den stets tollen Blick.

Der Strand birgt dennoch Gefahren – und zwar nicht nur vermeidbare wie, dass man nicht im Meer schwimmen sollte, sondern auch in Form von Menschen fressenden Bestien, die ich ja noch allzu gut in Erinnerung habe. Damit sind keine Haie gemeint, sondern Seehunde – die es dort in Massen gibt. Wenn man die Höhlen erkundet bzw. Tunnel durch die Felsen geht, muss man echt total aufpassen, dass dort kein Seehund relaxt. Auch wenn man an den Felsen vorbei geht, ist Vorsicht geboten, die Dinger verschmelzen nämlich geradezu mit den Felsen und sind fast nicht mehr auszumachen – weshalb ich fast auf einen Seehund getreten bin.

Die Seehunde dort sind auch relativ groß, weshalb ich manche Gegenden dort am Strand lieber vermieden habe, wo ich zum Passieren weniger als 20m Abstand gehabt hätte.

Kinder sollte man dort besser nicht unbeaufsichtigt lassen – die könnten den Schock ihres Lebens bekommen, wie wohl das Kind vor meinen Augen. Ich ging auf einen halb im Meer, halb noch auf dem Watt stehenden Felsen zu, vor dem Mutter, Vater und Kind standen und die auf dem Felsen sich sonnenden Seehunde beobachten. Doch plötzlich – ich war noch etwa 100m entfernt – sprintete ein Seehund, in einem Tempo, das ich ihm niemals zugetraut hätte, auf die Familie zu und attackierte sie – es sah jedenfalls so aus. Relativ schnell verschwand er dann jedoch wieder – zurück auf seinen, doch recht steilen Felsen. Die Viecher können nämlich echt gut klettern, und watscheln über den Strand, wie gesagt, genauso schnell wie ein Mensch laufen kann. Entkommen kann man denen nicht so einfach. Auf mein Nachfragen, ob alles „OK“ sei, meinte der Vater, sie hätten nichts abbekommen vom Seehund. Der kleine Junge hat jedoch herzzereißend geweint – noch 10 Minuten danach. Der wird wohl ein Trauma davon bekommen…

Ich wurde zum Glück nicht gefressen und fuhr danach ein paar Meter zurück, um den Weg den Hügel hinauf zu einem Leuchtturm zu meistern. Dort – am Pillar Point – hatte man einen tollen Blick auf den Farewell Spit, der, obwohl kleiner als gedacht, doch noch sehr imposant aussieht. Diese Landzunge erstrecke sich von meinen Aussichtspunkt noch etwa 15km in die Tasmanische See – nicht viel, aber doch etwas. Nach diesem ca. einstündigen Trip ging es dann wenige Kilometer weiter zum Farewell Spit Visitor Center, wo ich mich etwas über diese Landzunge informierte und danach einen kleinen Spaziergang auf den ersten, noch zugänglichen Metern des dortigen Strandes unternahm. Echt interessant alles über den Spit, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.

Irgendwann verließ ich dann diese schwer beschreibbare, sehr vielfältige und schöne Gegend zurück Richtung Collingwood und nahm für ein paar Kilometer eine Hitchhikerin (Tramperin) mit, ich komme so langsam auf den Geschmack, Taxi zu spielen, wie ihr noch später sehen werdet.

Es ging jedoch noch nicht zurück nach Collingwood, sondern erst in ein ziemlich abgelegenes Gebiet. Einer des abgelegensten mit normalen Fahrzeug einigermaßen erreichbaren Gebiete Neuseelands, nämlich entlang der Tasmanküste in den Kahurangi Nationalpark. Es ging durch ein sehr schönes Gebiet (ja, ich weiß, ich verwende zuviel „schön“ – aber es ist nunmal schön oder wundervoll): über kleine Dämme vorbei an einer Art Lagune (mir fehlt das Wort): bei Ebbe ist dort überall Matsch, bei Flut füllt sich alles mit Wasser und es sieht superschön aus. Es war aber noch nicht voll Flut, weshalb ich die wahre Schönheit erst auf der Rückfahrt sah. Die erfolgte aber erst ach ein paar Stunden, denn es ging ingesamt 50km oneway über eine „Gravel Road“, mitten über die besagten Dämme und durch den Regenwald, später auch durch Farmland. Ich fuhr soweit, bis es nicht mehr weiter ging, ohne ein gesperrtes Tor zu überwinden. Dort war allerdings auch ein Wanderweg vom DoC, der zu einem kleinen See führte – über privates Farmland.

An einem kleinen Fluss vorbei machte ich den Track, durchquerte barfuß eine kleine Furt und musste dann eine Weide mit hunderten Schafen und auch einigen Rindern passieren. Dabei war mir etwas mulmig zumute, denn ich war ganz in rot gedresst – rote Badehose, rotes T-Shirt (und gerötete Haut :P). Und Rinder werden ja angeblich durch rot gereizt…

Doch die Schafe liefen ständig vor mir weg, und auch die Rinder machten keine Anstalten, mich anzugehen. Notfalls hätte ich mich mit einem beherzten Sprung in den Fluss gerettet 😀

Der See war nicht sonderlich spektakulär, aber schön (schon wieder dieses schöne Wort) inmitten der zerklüfteten, mit Regenwald bewachsenen Hügel- und Weidelandschaft gelegen.

Danach ging es wieder den ganzen Weg über die Kiespisten zurück, in wieder etwas bewohntere Gegenden. Es waren immerhin aber ein paar Farmen dort in der Umgebung. Und auf halber Strecke sogar ein Miniort namens Mangakawau, wo es sogar – wer hätte das gedacht – einen Backpackers mit dem treffenden Namen „The last Outpost“ gab. Aber ich hatte ja noch eine Nacht in Collingwood zu verbringen, das ich nun wieder ansteuerte. Aber nur ansteuerte, denn obwohl schon früh am Abend, nahm ich kurz vor Collingwood dann auch noch die 40km zum Heaphy Track auf mich. Da es in der Gegend nach dorthin auch ein paar „interessante“ Sehenswürdigkeiten gab, dauerte es sogar noch etwas länger. Eine „historisch bedeutende“ Hängebrücke überquert ich so, die ganz schön /schon wieder!) instabil aussah und dementsprechend sehr wacklig war.

Auch die „Devils Boots“, des Teufels Schuhe konnte ich bewundern – Felsen die entsprechend aussehen.

Bevor ich dann jedoch am Anfang des Heaphy Tracks ankam, wurde ich noch von einem Schild aufgehalten, ddass auf 3 Furten hinwies, die zu überqueren seien und bei starkem Regen unpassierbar wären. Tatsächlich sah die Erste nicht so schön aus – aber warum war ich 30km gefahren, die letzten 10km davon wieder über eine staubige Kiespiste. Also ab durch die Furt, Reifen waschen! Bin auch unbeschadet durchgekommen, genauso wie durch die anderen Furten. Der Anfang bzw. das Ende des Heaphy Tracks war leider etwas unspektakulär. Man ist halt mitten im Kahurangi Nationalpark und sieht nur Regenwald und vielleicht mal ein mit Regenwald vollständig bewachsenen Hügel. Also brach ich bald wieder auf – zum letzten Ziel meines Tages, mal keine Wanderung. Mein Ziel war nämlich ein allseits bekannter und von Lehrern meines Projekts empfohlenen Pubs – dem „Mussel Inn“. Dort gönnte ich mir eine leckere vegetarische Lasagne und schöne (:D) hausgemachte Limonade. Der Pub, ordentlich gefüllt, ist wirklich ein lohnenswerter Besuch. Es gibt 11 Biersorten, sogar selbst gebrautes Bier – und wer ein freies Bier möchte, muss nur eine Aufgabe erfüllen: für jeden Possum-Schwanz gibt es nämlich ein Bier aufs Haus – denn „nur ein totes Possum ist ein gutes Possum“ wirbt der Pub.

Da ich kein Biertrinker bin, habe ich davon jedoch nicht Gebrauch gemacht. Ehrlich gesagt, ich habe bisher auch kaum Possums gesehen – ganz im Gegensatz zu den vielen Hasen.

 

Dann, gegen 22 Uhr, war der Tag endlich zuende, nach einer wohltuenden heißen Dusche chillte ich noch etwas in der gemütlichen Lounge meines Backpackers und erhielt z.b die Botschaft von meinem neuen Projekt in Auckland.

 

Heute morgen verließ ich dann den bisher besten Backpackers, in dem ich bis dato übernachtet habe, und fuhr wieder nach Süden gen Nelson. Zuerst stoppte ich nach wenigen Metern aber nochmals in Collingwood, um bei „Rosy“ Schokolade zu probieren. In Collingwood lebt nämlich eine Dame, die handgemachte Schokolade produziert. Nicht ganz günstig, aber das Stück, dass ich gekauft und probiert habe, schmeckte fantastisch. Ist auch nicht geschmolzen, denn wie schon gesagt, ist es heute kälter und regnerisch.

Dann ging es nach Süden, zuerst jedoch mit Stopp an den Pupu Springs, eine spirituell bedeutende Stätte der Maori und zugleich Wasser, das zu den klaresten Wassern (Wässer ?) der Welt gehört. An der tiefsten Stelle ist das Wasser so klar, dass man 63m tief sehen kann. Und tatsächlich ist das Wasser so klar, dass es fast surreal ist. Eine Spiegelvorrichtung dort zeigt einem, wie der See von Unterwasser aussieht – so klar, dass man wirklich alles dort gesehen hat.

Ein kleiner Spaziergang durch den, eigentlich immer wieder gleich aussehenden Regnwald – schloss diese Sehenswürdigkeit dann ab.

Eigentlich wollte ich ja nach noch nach Totaranui, dem Ende des Abel Tasman Tracks, doch angesichts des langen Umweges dorthin und dem schlechten Wetter bin ich gleich hier nach Nelson gefahren, nach einem kleinen Erfrischungsstopp in Motueka.

Zuvor habe ich mich jedoch mal wieder als Taxifahrer betätigt und 2 Hitchhikerinnenm, aus Kanada und Mexiko, über den Berg zwischen Takaka und Motueka gebracht. War eine ganz nette Ablenkung. So habe ich zB meine Spanisch-Kenntnisse hervorgekramt, um die Mexanerin zu beeindrucken :P, bloß leider ist mein Spanisch schon fast vollständig verschwunden.Lag aber vielleicht auch am Auto fahren über die kurvige, enge Straße.

Ich hoffe, meine ehemalige Spanisch-Lehrerin liest das hier nicht mit, die wäre echt enttäuscht 😛

 

So, das war jetzt ziemlich viel, aber alles was ich bis hierhin erlebt habe, fast ausnahmslos.

Vielleicht habt ihr ja tatsächlich durchgehalten und alles gelesen?

Wie dem auch sei, ich gehe jetzt mal Nelson erkunden!

 

Morgen geht es übrigens nach Havelock in den Marlborough Sounds, übermorgen dann nach Picton in ebensolchen. Das ist dann – so weh es auch tut – schon der letztevolle Tag auf der Südinsel für vermutlich ein paar Jahre. Am Sonntag geht es nämlich mit der Fähre nach Wellington und von dort sogleich weiter nach Waikanae, wo ich Jonas und eine Freundin von ihm abhole. Dann am gleichen Tag geht es noch nach Taupo – wie ihr seht, finde ich keine Ruhe hier!

 

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Ein Kommentar

  1. Tatjana

     /  Dezember 16, 2010

    hab mich länger nicht gemeldet, hatte aber auch leider keine zeit. deshalb hab ich grad alles seit deinem letzten tag in culverden gelesen… -.- xD
    ich find es einfach krass, wie viel du erlebst und anscheinend auch wirklich aufnehmen und genießen kannst. nah einer woche rundreise in irland, war ich schon völlig fertig. Respekt, also!
    deine reiseberichte von sonne, strand und meer haben meine Vorfreude auf den Madeira-Urlaub, den ich in den winterferien machen werde, angereizt! Ich bin gespannt, wie es ist, mal wieder auf einer südlichen Insel und surrounded by water zu sein! 🙂
    hier schneit es übrigens unermüdlich – und ich liebe es!! =D
    liebe grüße und frohe weihnachten (auch wenn du dieses gefühl wahrscheinlich im moment nicht teilst),
    Tati =)

    Antwort

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