Kaikoura – Whale Watching

Heute war mal wieder einer meiner sentimentalen Tage, an denen mir richtig bewusst geworden ist, welches Privileg es doch ist, in Neuseeland sein zu dürfen. Der Tag führte mich nämlich nach Kaikoura, das ich nach einer schönen Fahrt um ca. 10 Uhr morgens erreichte. Schon die Strecke, die teilweise am Meer entlang verläuft, ist atemberaubend. Hohe Hügel auf der einen, das Meer  auf der anderen Seite. Die Gischt der garnicht mal so kleinen Wellen trifft manchmal sogar die Straße. Das Wetter war herrlich, Sonnenschein und kaum eine Wolke am Himmel. Ich habe nur einen kleinen Zwischenstopp gemacht, hätte aber vielmehr machen können, wäre da nicht die Zeit gewesen – ich musste nämlich zeitig zum Whale-Watch kommen, 10.30 war Check-In-Time. Nach etwas Wartezeit und einem Film über die Meeresbewohner mit anschließendem Safety-Briefing (wie im Flugzeug) ging dann auch schon der Bus zum etwas entfernten Hafen. Grade bevor ich jedoch in den Bus einstiegen wollte, gab es eine kleine Überraschung. Ich hörte nämlich jemanden „Christoph“ rufen und erblickte Katha und Sophie, 2 ICYE-Freiwillige, die in Christchurch ihr Projekt haben und wohl auch Wale sehen wollten.  Da aber der Bus nicht auf mich wartet, konnte ich nicht viel mehr machen, als kurz „Hey“ zu sagen…

Am „Hafen“ angekommen ging es dann auf die Boote – ein Art Katamaran. Man musste sich erst einmal in den Innenraum setzen (sehr bequeme Sitze übrigens) und die Crew-Mitglieder – allesamt Maori – haben sich vorgestellt.

„Whale-Watch Kaikoura“ ist nämlich völlig in der Hand von Maori und beschäftigt auch hauptsächlich diese. Auch schlechten, ungelernten Schülern gibt das Unternehmen regelmässig die Chance auf Arbeit. Überhaupt wäre ohne das Whale-Watch-Unternehmen Kaikoura heutzutage wohl nur ein weiterer unbedeutender Küstenort. Wer mehr über Kaikoura, das Unternehmen und Co. erfahren will, ich verweise auf: http://www.merian.de/reiseziele/artikel/a-643617

Besondere Wichtigkeit hatte natürlich das Erklären, was bei Seekrankheit zu tun sei. Vorsorglich wurde auch schonmal auf die Spucktüten an jedem Sitz verwiesen – natürlich kostenlos und so viel man braucht (O-Ton).

Überhaupt war die Crew (nur 4 Leute) total humurvoll, kompetent und freundlich – hat das Erlebnis nochmal deutlich gesteigert.

Irgendwann ging es dann los – und ich dachte, gut das es Spucktüten gibt. Es wurde zwar angekündigt, dass die See total flach sei, in Wirklichkeit reitet man über bis zu 3m hohe Wellenkämme. Wie das bei schlechteren See-Bedingungen dann aussieht, möchte ich mir garnicht ausmalen.

Außerdem saß ich relativ weit vorne, der Ritt durch die Wellen glich also einer Achterbahnfart und in meinen Magen stieg schon ein ungutes Gefühl auf. Ich möchte darauf nicht weiter eingehen, aber es sei gesagt, dass ich keinerlei Tüten gebraucht habe – im Gegensatz zu manch anderen auf dem Boot.

Nach 5 nautischen Meilen waren wir dann auch an unserem Bestimmungsort angelangt, wo das Sonar den Wal vermutet hat.

Kurz ein paar Sachen dazu: bei den Wal(en) handelt es sich um „Sperm Whales“. Das sind nicht etwa (wie Google es übersetzt) „Spermien-Wale“, sondern Pottwale – die größte Art unter den Zahnwalen. Vor Kaikoura erstreckt sich ein sehr tiefer Unterwasser-Canyon, wo es auch die Lieblingsbeute des Pottwals gibt, nämlich Riesen-Kalmare. Die sieht man zwar nicht an der Oberfläche, ab und an wird aber mal ein totes Exemplar an die Küste geschwemmt. Bisher größtes Exemplar war satte 15m groß, ziemlich enorm für einen Kraken. Der Pottwal wird jedoch noch größer (über 20m) – und wiegt wesentlich mehr. Ungefähr so groß wie unser Boot also und doppelt so schwer  (bis zu 40 Tonnen!).

Seine Lieblingsbeute neben den Kalmaren sind übrigens Haie, insbesondere Weiße Haie, die es auch zuhauf in diesem Gebiet geben soll. Da der Pottwal kein schneller Schwimmer ist, hat er eine besonders gemeine Waffe. Sein Sonar wird zu 160 Dezibel laut und tötet alles in der näheren Umgebung Unterwasser. Darum sollte man mit dem Wal auch besser nicht schwimmen. Bei den ganzen Haien, die da angeblich rumschwimmen, aber eh nicht so zu empfehlen. Wer mehr erfahren will, lest den Artikel oben oder benutzt die Suchmaschine Eures Vertrauens!

Am Sichtungsplatz angekommen hiess es dann Warten, bis der Pottwal auftaucht. Er muss nämlich hin und wieder mal an die Oberfläche kommen, um frische Luft zu schnappen, er ist ja schließlich ein Säugetier. Das Warten wurde jedoch nicht lang, da man gut die verschiedenen Seevögel beobachten konnte, die anmutig wenige Zentimeter über das Wasser gleiteten – darunter auch Albatrosse mit bis zu 3m Flügelspannweite!

Irgendwann hiess es dann, der Wal sei da. Es handelt sich nur um einen Wal, einen männlichen  „Resident“, der das ganze Jahr im Canyon dort lebt – die Weibchen und andere Männchen sind immer nur saisonal sichtbar. Das Besondere an Kaikoura ist aber eben, dass ein paar Pottwale das ganze Jahr über zu sehen sind. Natürlich liefen gleich alle Leute auf die eine Seite des Bootes, das schon fast in Schieflage geriet und knipsten, was das Zeug hält. Ich natürlich auch. Gesetzestechnisch muss sich das Boot min. 50m vorm Wal fernhalten, der dadurch kleiner erscheint als er eigentlich ist, zumal man meist nur ca. ein Drittel seiner gesamten Länge aus dem Wasser herausragen sieht. Plötzlich schwamm der Wal jedoch auf das Boot zu, und nur knapp 15m am Rumpf vorbei, was einen wahnsinnigen Blick ermöglicht hat, den ich unglücklicherweise nicht einfangen konnte, weil ich grade ein Video von ihm gedreht hatte. Danach ist er dann auch abgetaucht.

Die Tour war jedoch noch nicht zuende, sondern es wurde wieder ein bisschen gewartet, weil er womöglich bald nochmal auftauchen sollte. nach ca. einer halben Stunde passierte das dann auch, wenn auch ein paar hundert Meter entfernt. Unser Boot nahm also Kurs und wir hatten noch einmal Gelegenheit, dieses majestätische Tier zu bewundern – diesmal sogar im Hintergrund die noch schneebedeckten Berge hinter Kaikoura – traumhaft!

Ca. 10 Minuten liess sich der Wal Zeit Luft zu holen und seine Wasserfontänen hochzupusten, ehe er letztlich verschwand. Seine Schwanzflosse, die aus dem Wasser aufragte, war das letzte was ich von ihm sah, und fast das Schönste. Unglücklicherweise betätigte ich den Auslöser meiner Kamera eine Sekunde zu früh, sonst hätte man die Flosse noch besser gesehen. Aber auch so ein Top-Foto, das ihr unten bewundern dürft.

Dann ging es langsam zur Küste zurück, wo noch kurz die Robben dort besichtigt wurden – war allerdings nur eine da. Delfine oder andere Wale haben wir leider nicht gesehen, das ist Pech. Letzte Woche wurden z.-b neben Massen von Delfinen sogar ein paar Orcas gesichtet. In den Marlborough Sounds und der Tasman Region werde ich dazu jedoch vielleicht auch noch die Gelegenheit bekommen!

Nachdem ich grade etwas Essen bestellt hatte, direkt beim Whale-Watch kam die nächste, eigentlich vorhersehbare, Überraschung. Wenige Meter von meinem Platz gingen die anderen ICYE-Freiwilligen aus Christchurch vorbei – erkannt haben sie mich erstmal nicht. Ich bin hingerannt und habe kurz mit ihnen ein paar Worte gewechselt – doch diesmal umgekehrt, der Bus wartet nicht auf sie…

Da ich mich noch etwas in Kaikoura aufhalten wollte, bin ich durch die „Innenstadt“ (Straße mit ein paar Geschäften, Restaurants, Banken und Co.) zum Besucherzentrum gegangen und habe mich erkundigt, wo man noch gut ein bisschen Wandern könne. Am Strand dann zurückgegangen, stig ich in mein ziemlich warmes Auto ein und probierte den Parkplatz zu finden, von wo es zu diesem Wanderweg ging. Hab ihn, rein der Nase nach, auch auf Anhieb gefunden. Kurz vorher überholte ich jemanden, der mich dann, bevor ich losgehen wollte, wieder einholte und fragte, ob ich ihn wieder zurück nach Kaikoura mitnehmen könnte. Der Arme war nämlich fast schon 2h zu diesem Parkplatz gelaufen. Wir machten also die Wanderung zusammen und unterhielten uns dabei. Er kommt ursprünglich aus Kanada und arbeitet auch an einer Schule in Wellington für ein Jahr, allerdings als „richtiger“ Lehrer. War eine ganz nette Ablenkung, der Weg war nämlich steil. Leider konnte ich den eigentlich erwarteten Ausblick auf Kaikoura  und das Meer nicht geniessen, da der Pfad durch den Regenwald verlief und die Bäume eben die Sicht versperrten. Es war ein Rundweg, und wir brauchten ca. 45 min. um wieder am Carpark anzukommen. Evtl. fahre ich nächstes Wochenende nochmal hin und mache dann eine Tageswanderung zum Gipfel eines der Berge, die ihr unten auf den Fotos bewundern könnt.

Dann nahmen wir die Straße, die 15k schnurgradeaus bis zum Meer führt. Irgendwann habe ich ihn dann rausgeworfen und bin nach einem kleinen Einkauf im „New World“ zurück nach Culverden gecruist. War ein ganz netter Typ und mal eine gute Erprobung meiner Englischkenntnisse über eine Stunde ziemlich viel zu reden.

Jetzt gibt es noch ein paar Fotos als Entschädigung für da viele Lesen!

Enjoy it!

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