Tag/Nacht 11: Gletscher-Hokitika

Weiter gehts mit dem 11. Tag:

Ich merke schon, dass gewisse Erinnerungslücken einsetzen, darum schnell mal aufschreiben.

Zuerst stand nach meiner Nacht in Fox-Village (so heisst die nach dem Gletscher benannte Ortschaft) eben der Besuch des Fox-Gletschers auf dem Plan. Ich verließ den nur dem Tourismus seiner Existenz verdankenden Ort und fuhr etwas zurück Richtung Süden, um dann eine Seitenstraße zum Gletscher zu nehmen – natürlich gut ausgebaut für die ganzen Touristen.

Ein paar Worte zum Fox-Gletscher (gleiches gilt auch für den Franz-Josef-Glacier): benannt nach dem ehemaligen neuseeländsichen Premierminister Fox ist der Gletscher einer der wenigen der Welt, deren Masse nicht schrumpft, sondern sogar zunimmt (40 cm pro Tag)  (wegen dem vielen West Coast-Regen wahrscheinlich) und zusammen mit dem Franz-Josef-Gletscher der einzige Gletscher, der direkt im tropischen Regenwald liegt. Durch diesen ging es dann auch erst. Ganz nett war ein Schild inmitten der vielen hohen Bäume, das der Gletscher um 1750 noch zu dieser Stelle gereicht hatte – schwer vorzustellen. Bald kam man dann aus dem Regenwald raus in eine riesige Geröllwüste umgeben von den hohen Bergen, wo nach kurzer Zeit dann auch ein großer Parkplatz war. Von da an stand dann noch eine etwa 20-minütige Wanderung auf dem Programm, bis man sich dem Gletscher so weit es ging angenähert hatte. So weit es ging – denn man kommt leider nicht bis zum Gletscher, es sei denn man überwindet die Absperrungen. Warnschilder zeigen aber die vielen Möglichkeiten, wie man sein Leben verlieren könnte. Ob nun durch Steinschlag, Lawinen, plötzlich auftretendes Hochwasser usw. Man ist dazu verdammt, ca. 100m vor dem Gletscheranfang anzuhalten und dort seine Fotos zu schiessen. Es sei denn, man mietet sich einen ortskundigen Führer, dann kann man auch bis zum und auf den Gletscher vordringen. Oder man fliegt gleich mit dem Flugzeug oder Helikopter dorthin – ca. alle 10 Minuten sah man einen dorthin fliegen. Aber das kostet natürlich…

Ich hab mich dort nicht allzulange aufgehalten und mich auf dem Weg zum Franz-Josef-Gletscher gemacht, benannt nach dem österreichischen Kaiser Franz Josef (durch den schon erwähnten Julius von Haast, der übrigens Deutscher war, und nicht wie fälschlicherweise bereits erwähnt Österreicher). Das ist der für mich schönere Gletscher, was auch daran liegt, dass hier der Gletscher quasi direkt aus dem Regenwald heraus beginnt. Dort hatte ich auch Bekanntschaft mit einem lustigen Kea gemacht, der mich verfolgt hat. Keas sind die in Neuseeland endemischen Bergpapageien, die gerne Schabernack treiben – z.B Menschen alle mögliche Sachen zu klauen.

Der Gletscher unterscheidet sich anonsten nicht groß vom Fox-Gletscher, wie ein Gletscher aussieht und was es ist, wisst ihr vermutlich – und Fotos habe ich auch bereits veröffentlicht. Aber ehrlich gesagt, ich war nach den beiden Besuchen etwas enttäuscht – hatte mir mehr erwartet. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich ihn nur aus der Ferne gesehen und nicht berührt habe.

Es war nun einmal gerade Mittag, ich hatte also noch endlos Zeit, und bin mal wieder an einen einsamen Strand gefahren. Gillesspie Beach – ein wirklich einsamer Strand, zu dem ich gut 45 Minuten eine abenteuerliche Schotterstraße mitten durch den Regenwald fahren musste. Dort angekommen bin ich dann ein wenig rumspaziert, u.a. gab es eine  Lagune zu sehen, dessen Wasser ziemlich unappetitlich aussah. Meinen Weg kreuzten weidende Schafe, die einmal diesen sogar blockierten. Ich weiß nicht, was all die Tiere gegen mich haben, aber schon wieder war ein Schaf ziemlich agressiv – zum Glück nicht mir gegenüber. Es hat mit einem anderen gekämpft und dieses , gerammt, dass es nur so krachte. War mir etwas unangenehm, ich wollte nicht gerammt werden.

Nach diesen Strandspaziergang fuhr ich die Strecke zurück (die Straße ist eine Abzweigung von der Hauptstraße bei Franz-Josef-Dorf), um auf halben Weg noch am Lake Matheson anzuhalten, einen berühmten See, der dafür bekannt ist, dass sich der Mount Cook und die Gletscher in ihm spiegeln. Leider nicht, als ich da war. Eine tief hängende Wolkendecke versperrte die Sicht auf die Berge und damit auch den Mount Cook, den ich demnach von Westen nicht mehr gesehen habe (wie bereits angedeutet). Ich bin trotzdem einmal um den See gewandert (er ist nicht sonderlich groß), hat ca. eine dreiviertel Stunde gedauert. Die Strecke ging durch den Regenwald, mit einigen Steigungen, und immer mal wieder am See entlang, der trotz fehlender Spiegelungen durchaus idyllisch und einen Besuch wert ist.

Danach führte mich meine Reise nach gut 3-stündiger Fahrt dann nach Hokitika, den ersten Ort nach gut 500km West Coast, den man als Stadt bezeichnen könnte. Ja, ca. 3000 Einwohner reichen in Neuseeland für eine Stadt. Alles, was ein Stadtzentrum hat, in dem es mindestens zweigeschossige Gebäude gibt, wo es einen Supermarkt gibt, der nicht Foursquare ist, wo es eine Bank gibt und wo man eine breitere Auswahl an Schlafmöglichkeiten hat, ist eine Stadt in Neuseeland. Hokitika ist Zentrum der Jade-Verarbeitung (pounamu), was auch den wichtigsten Wirtschaftszweig darstellt. Ich deckte mich mit Lebensmitteln ein, erkundete ein wenig die Stadt (und fand eine Attraktion für den nächsten Tag) und ruhte mich abends dann in meinem über einer Jade-Manufaktur gelegenen Backpacker aus, wo ich auch eine Schweizerin traf, mit der ich mich ganz nett unterhielt.

Das war mein 11. Tag. Was ich am 12. Tag machte,in Hokitika und anderswo, erfahrt ihr demnächst.

 

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