Tag/Nacht 9: Mt Cook-Wanaka

Am Morgen des neunten Tages ging ich zuerst in das „Museum“ (nachdem ich mich angezogen, gewaschen, ausgecheckt usw. habe natürlich :P).

Dort konnte man allerhand Wissenswertes  über Berge und deren Bezwinger, die man auch Bergsteiger nennt, erfahren. Darunter auch über den wohl Berühmtesten unter ihnnen, zugleich auch wohl der berühmteste Neuseeländer. Sir Edmund Hillary nämlich gelang die Erstbesteigung des Mt Everest, des bekanntlich höchsten Berges der Welt. Alles sehr interessant, wäre aber langweilig darauf einzugehen. Es gab allerdings einen Andenkraum mit Todeslisten-Büchern, wo alle am Mt Cook verunglückten Bergsteiger aufgeführt wurden. Da wird deutlich, dass der Berg schon seine Tücken hat. Ca. 220 Tote in den letzten 100 Jahren, 20 davon in den letzten 10.

Allerdings sehr wenig, wenn man die doch recht vielen Leute bedenkt, die auf den Gipfel pilgern (was sich einfacher anhört als es ist). Ich wollte nicht in dieser Liste stehen, weshalb ich den Versuch nicht unternahm und lieber eine Schotterstraße zum Tasman-Gletscher gefahren bin, der in einem Seitental liegt. Nach Parken des Autos und einer kleineren Wanderung hatte ich dann den Gletscher erreicht – oder besser gesagt, was von ihm übrig ist. Vor meinen Augen erstreckte sich ein glasklarer See umgeben von einer Geröllwüste. In diesem See schwammen noch vereinzelt Eisberge, ich dachte fast, ich wäre in der Antarktis. In der Ferne den Berg hinauf war noch etwas Ewiges Eis zu sehen, die letzten Reste des einst so großen Gletschers. Da sieht man mal, was der angebliche Klimawandel für Folgen hat – traurig.

Auch den Mt Cook konnte man von hier sehen. Des Weiteren gab es ein paar Meter vorher 2 total spiegelnde Seen, indem man perfekt die Berge shen konnte. Da habe ich einige Fotos von gemacht. In einem dieser Teiche (See ist das falsche Wort dafür) schwamm sogar eine ziemlich seltene Entenart mit lustigen Geräuschen. Naja, das wars dann auch mit der Mt Cook-Experience.

Ich legte die lange Strecke nach Twizel zurück, um darauf 3mal durch den Ort zu fahren, weil ich die richtige Abzweigung nicht gefunden hatte. Über den Weg nach Wanaka kann ich nicht viel berichten, es war aber eine abwechslungsreiche Strecke mit vielen verschiedenen Landschaftstypen, die am höchsten Punkt beim Lindis Pass immerhin 924m betrug. Nach ein paar Stunden war ich dann in Wanaka angekommen, bzw. ein paar Kilometer davor. Ich machte nämlich Stopp in der „Puzzling World“. Diesmal nicht zufällig, sondern geplant.

Die „Puzzling World“ ging aus dem einstmals ersten „Modern-Style“-Labyrinth hervor und bietet neben jenem heutzutage auch verschiedene andere Rätsel(-spiele), optische Täuschungen und ganz nette Illusionsräume. So gibt es einen Raum voll mit Köpfen, bei dem es so wirkt, als würden deren Augen einen folgen, wenn man durch den Raum geht. In einem bewusst schief angelegten Raumkomplex habe ich dann sogar zum ersten Mal in meinen Leben Wasser gesehen, welches bergauf fliesst 😀 Clevere Täuschung. Gab auch noch ein paar andere witzige Sachen.Von außen gibt es auch schief stehende Türme und so weiter zu sehen, das Gebäude sieht ziemlich surreal aus (fast so schlimm wie das MartA…).

Doch Hauptgrund für mich war das Labyrinth. Das ist auf einer Fläche von vielleicht lediglich 50 qm angelegt. Holzbarrikaden sind ineinander verschachtelt und formen ein Labyrinth. An jeden der 4 Ecken sind Türme, von denen man sich einen guten Überblick verschaffen kann. Ein roter, ein blauer, ein grüner und ein gelber Turm. Ziel war es auf der schweren Route (die ich natürlich genommen habe) alle Türme in der festgelegten Reihenfolge zu besteigen und dann auch noch den Ausgang zu finden (die einfache Route ist, die Türme in willkürlicher Reihenfolge zu besteigen). Bei der schweren Route wurde eine Durchschnittslösungszeit von 90 Minuten angegeben, konnte ich mir bei der Größe des Labyrinths garnicht vorstellen.

Ich kam allerdings nach erst gut über 2 Stunden, sprich knapp 120 Minuten, aus dem Labyrinth. Es ist wirklich verdammt kompliziert. Grade für den ersten Turm habe ich über eine halbe Stunde gebraucht, obwohl der ziemlich einfach und schnell zu finden ist. Aber einmal eine falsche Abzweigung genommen, hatte ich mich sofort verirrt. In manche Sackgassen war ich bestimt einige Dutzend Male. Es gab auch Brücken, die einzelne Teile des Feldes miteinander verbunden haben (weil durch die Mitte die Toilettenräume gingen, darunter auch ein orginal römisches Plumpsklo :D)). Dort konnte man sich dann immerhin einen Überblick verschaffen, wo man am besten hergeht, um den bald schon wieder zu vergeßen, wenn man sich zwischen Wänden eingekeilt befindet, die auch ich nicht überblicken kann. An manchen Stellen sind extra Notausgangs-Türen angebracht, falls man keine Lust oder Kondition mehr hat. Denn das Labyrinth hat mich bestimmt 10km Gehen gekostet – auf der kleinen Fläche von 50 qm. Trotzdem war mir nicht langweilig, ich war so sehr drauf fokussiert, da Labyrinth zu schaffen, Aufgeben kam für mich nicht infrage. Habe ich dann ja auch letztendlich. Aber dort gehe ich nie wieder rein!

Man ist natürlich nicht alleine dort, sondern es kommen einen immer wieder Massen von Menschen entgegen, die man auch sehr oft wiedersieht.

Hat aber Spaß gemacht und ist zu empfehlen. Sofern man grundsätzlich Labyrinthe mag 😉

Für mich ging es danach weiter in die Stadt, wo ich mir auf gut Glück einen Backpacker gesucht habe. Meine Wahl fiel auf den „Wanaka Bakpaka“. Endlich mal ein Hostel, das sich einen originellen Namen gegeben hat. Ich hoffe, ihr versteht warum…

Der Namen war gleichwohl nicht das entscheidende, sondern die zentrale Lage direkt am See, an dem Wanaka liegt. An dem kleinen Strand dort erholte ich mich dann auch von den Strapazen des Labyrinths und beobachtete die Motorboote, die Wasserski-Fahrer zogen, welche von einer Meute Alkoholiker angefeuert wurden. Wanaka ist nämlich sozusagen das Ski-Zentrum der Südinsel mit den meisten Skigebieten um die Stadt herum (Wanaka liegt übrigens auch  nicht allzuweit von Queenstown entfernt). Dementsprechend gibt es auch ordentlich Apres-Ski und der Ort hat auch ein paar Bars und Restaurants, wenn auch nicht ganz so extrem wie in Queenstown. Nach einem Mahl beim Fastfood-Restaurant meines Vertrauens (nein, kein Mackas diesmal) genoss ich dann noch am Seestrand den Sonnenuntergang über den Bergen. War ganz schön.

Am nächsten Tag sollte ich dann meine Reise fortsetzen, geplant war die Roure über den Haast Pass nach Haast, und damit an die West Coast. Doch der Plan wurde etwas geändert, was auch nicht schlecht war…

 

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