Zwischenstand und die letzten 2 Wochen(-enden)

Da ich bestimmten Leuten nicht den Abend verderben möchte, geht es nun weiter. Nicht mit den Urlaub, sondern mit den letzten Wochen(-enden). Und zwar in umgekehrter chronologischer Reihenfolge.

Heute ist Donnerstag, das heisst gleich  steht Tennis an. Die Mannschaftsspiele sind alles Doppel, man spielt nur bis 6, und zwar mit der komischen Regel, dass wenn man zurückliegt bzw. punktemässig Vorsprung hat, man bzw.Gegner spielmässig Vorsprung bekommt (Beispiel: 1:2 – der nächste Satz fängt mit 15:0 an, bei 3:1 wären es z.B 0:30). Es ist also sehr schwer (hoch) zu gewinnen. Aber ich habe mich jetzt gut eingespielt auf den Hartplatz (der schon eine ziemliche Umstellung ist) und hoffe, dass wir heute gewinnen werden.

Gestern abend war ich mal beim Fussball. Mittwoch abends findet nämlich Indoor Soccer in der Turnhalle statt. Dachte ich mir mit meinem zweifelhaften Talent natürlich, ich zeig den Kiwis mal wie man Fussball spielt.

Die Mannschaften sind bunt gemixt, Männlein, Weiblein, Grundschulkinder bis alte Herren. Was mich aber erstaunt hat, ist die Parallelgesellschaft hier auf den Lande. Wirkliche Kiwis waren nur in Form der kleineren Kinder vorhanden (die mir übrigens den Tipp gaben, dort hin zu kommen). Es gab eine große Anzahl an Südamerikanern, etwas älter als ich die meisten. Argentinier, Chilenen, Uruguayer und Brasilianer – dementsprechend hoch war auch das Niveau des Fussballs. Die arbeiten hier wohl in der Umgebung auf den Farmen und sind entsprechend durchtrainiert. Trotzdem gelang es mir mit meinen beiden linken Füßen ein paar Tore zu schiessen, ich würde sogar soweit gehen, dass ich gut mit ihnen mithalten kann 😀 Hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht, ich werde die restlichen Mittwoch-Abende dort auch verbringen, etwas Sport tut ja schließlich gut. Tatsächlich sage ich schon die restlichen, es sind nämlich nur nur 6 Wochen hier. Nicht nur von meiner Seite möchte ich das Projekt nach den Sommerferien wechseln, sondern auch von meiner Schule. So meinte Neil zu mir, dass ich wohl der letzte ICYE-Volunteer sei und sie ab 2011 keine neuen mehr aufnehmen würden. Ich bin allerdings nicht schuld! 😛

Kann auch deshalb sein, weil Neil das 2. Halbjahr die größte Zeit weg ist. Er hat so eine Art „Sabbatical“, wo er durch die Schulen hier tourt und schaut, was da so Sache ist. Spionage sozusagen! Außerdem macht er im Frühjahr eine Deutschland-Tour, wo er unter anderem Münster besuchen wird und auf dem Weg vielleicht einen Zwischenstopp in Herford macht. Wer weiß, vielleicht trifft ihn ja jemand…

Bei ihm habe ich übrigens das letzte Wochenende eingeleitet, mit einer kulinarischen Glanzleistung seinerseits . 3 Hauben für ihn!

Sonntag war ich, nachdem ich samstag viel zu spät aufgestanden bin, dann in Christchurch, wo ich mir die 2 grösseren Museen angeschaut habe. Einerseits das Canterbury Museum, das viel Wissenswertes über die Region und Neuseeland allgemein vermittelt, aber auch Abteilungen hat, die sich mit Ägypten, Fernost und der Antarktis beschäftigen. Insbesondere habe ich jetzt einen Überblick über die komplette Vogelwelt Neuseelands, von denen das Museum unzählige ausgestopfte Präparate zeigt. War alles sehr interessant und habe mir 4h Zeit genommen, lohnt sich auf jeden Fall, wenn ihr mal nach Christchurch kommt. Und der Eintritt ist frei!

Ebenso in der Christchurcher Arts Gallery, wo ich viele Werke neuseeländischer Künstler bestaunen könnte. Die haben es viemehr drauf als ihre vorsintflutlichen europäischen Artgenossen.

Wie man sieht, mausere ich mich also zu einem ziemlichen Kulturfreak. Tatsächlich werde ich wohl nach meinem Jahr auch etwas in dieser Richtung studieren. Kombiniert mit etwas anderem, wodurch ich erst durch Neuseeland richtig wachgerufen wurde. Ihr könnt gespannt sein 😀  Denn über Unis und Studiengänge habe ich mich, seit ich hier bin, in vielen Stunden informiert. Jura ist für mich abgehakt, aus vielerlei Gründen, die ich hier nicht erwähnen brauche. Aber wer weiß, es ist grade mal ein Viertel meiner Zeit hier rum.

Nach der Widmung der Kultur führte mich dann noch ein kleiner Spaziergang durch die Parks (Christchurch wird auch die „Garden City“ genannt), die sich durchaus mit denen Londons messen können. So konnte ich dabei dem „Punting on the Avon“ zusehen: der Avon ist ein kleiner Fluss, auf dem Boote für Touristen fahren. Die werden durch einen Mann mit Stab fortbewegt, der diesen vom Flussboden abdrückt, um Fahrt aufzunehmen. Mir fehlt das deutsche Wort, sofern es das denn gibt. Danach habe ich mal wieder verirrt, und zwar habe ich mein Auto nicht wieder gefunden, das ich viel zu weit vor der Stadt geparkt hatte (man findet auch problemlos 5min von der Innenstadt einen Parkplatz, ich habe aber natürlich eine halbe Stunde entfernt geparkt). Letztlich habe ich mich aber an den Hochhäusern orientieren können und das Auto doch noch gefunden (bin nach Nordwesten statt nach Nordosten gelatscht).

Das war mein Wochenende, aber ihr habt auch noch das Recht zu erfahren, was ich das Wochenende davor getrieben habe. Am anschließenden Montag war nämlich sogar frei („Labour Day“) und ich wollte eigentlich einen größeren Trip machen. War dann aber nichts. Aber es war ein schöner Tripp. Erst ging es auf der „Inland Scenic Route“ durch Canterbury bis zum Mt Hutt, der im Winter ein beliebtes Skigebiet ist. Zwischendurch ein Stopp am Ufer eines Flusses, wo ich ein Speedboat beim Fahren beobachtet habe. Die sind nämlich Erfindung der Kiwis und können in Affentempo in noch und noch so flachen Wasser die Flüsse herauf- oder hinabschiessen und dabei sogar 360-Grad Wendungen ausführen. Werde da vermutlich auch nochmal investieren, um in eins reinzukommen und mitzufahren.

Der Mt Hutt war aber nicht mein eigentliches Ziel, sondern es ging weiter, in ein abgelegenes Tal, wo nach einiger Zeit Schotterpiste ein wunderschönes Dorf am See (Lake Clearwater) kam. Für mich ging es aber weiter in die Pampa: mein Ziel war nämlich Mt Sunday – dort war nämlich, ihr erratet es vermutlich, ein Herr-der-Ringe-Drehort, vermutlich sogar der, den man am leichtesten wiedererkennt (Berge pflegen ja schließlich ihre Erscheinung nicht zu verändern). Ein Berg war es nun nicht, sondern eher ein Hügel, alleinestehend im Tal, im Hintergrund die schneebedeckten Berge. Es handelt sich um den Hügel, auf dem der Ort „Edoras“ erbaut wurde. Dazu eine kleine Story: die neuseeländische Naturschutzbehörde hatte vorgeschrieben, dass nach den Dreharbeiten alles wieder so aussehen musste wie vorher. Der gesamte Rasen des Hügels wurde also mitsamt der Erde in Schwerstarbeit abgetragen und nach Wellington geflogen, wo er in einer extra eingerichteten Gärtnerei gepflegt wurde, um ihn nach Abchluss der Dreharbeiten dort wieder einzupflanzen. Schon strange! Tatsächlich sieht man heute nichts mehr, was auf einen Drehort hinweisen könnte. Ich war allerdings auch nicht auf den Hügel. Er ist nämlich privates Farmland, und im Gegensatz zu anderen bin ich ja kein unerwünschter Eindringling. Ich habe mich trotzdem erst über die Absperrung geschwungen, als ich nach 5 Minuten jedoch an einen reißenden Fluss kam, bin ich lieber umgekehrt. So stark war mein Begehren dann doch nicht, dass ich halbnackt durch das eiskalte Wasser waten würde. Der Blick auf den Berg war mir schön genug.

Auf den Rückweg, der sich durch mehrere Kühe auf der Straße etwa zog, fuhr ich dann noch eine 20km lange Schotterstraßenabzweigung zum Lake Heron, wo ich die Nacht verbringen wollte. Tatsache – ich wollte im Auto schlafen. Hatte mir viele Kissen und eine Decke mitgenommen. Dort gab es auch einen Campingplatz, wo auch ein paar Leute anwesend waren. Ich stellte also meinen Wagen dorthin, spazierte noch etwas um den See und machte es mir dann in meinem Wagen gemütlich, wo ich jenen poetischen Erguss hervorbrachte, den ihr weiter unten sehen könnt. Internet gabs da allerdings nicht :D, sodass ich bald versuchte, zu schlafen.  Wohlgemerkt – versuchte! Das Zeltabenteuer hätte mir eine Lehre sein sollen. Schlafen konnte ich nämlich nicht – und es wurde kalt, kälter als ich dachte, und meine Decke war nicht warm genug. Da ich hier charakterlich etwas verkomme (:P), war dann mein Entschluss auch schnell gefasst: ich wollte zurück nach Culverden fahren. Das ist aber nicht um die Ecke, sondern gute 4h Fahrzeit entfernt. Dazu war es Nacht, 1 Uhr um genau zu sein, ich war in der abgelegensten Ecke in der Wildnis und musste erst noch ein paar Kilometer schwer zu fahrende Schotterstraße zurücklegen. Das hatte ich dann soweit überlebt (ein paar Hasen, Possums und Co, allerdings nicht :D), als sich das nächste Problem stellte. Das Benzin meines Wagens war fast leer. Tankstellen gibt es hier zwar genug – bloß nachts haben die wenigsten auf. Ich hielt bei gewiss 5-6 an, aber nirgendswo war jemand zu sehen (und die Zapfsäulen gingen auch nicht ;)). Mit letzter Reserve rettete ich mich dann noch nach Christchurch, wo ich zum Glück volltanken konnte, um dann gegen 5 Uhr erschöpft aber glücklich in Culverden anzukommen. Der Sonntag war dann entsprechend im Eimer.

Am Montag ging es für mich dann noch nach Motunau Beach, einer kleinen Ansiedlung am Meer, der von Culverden aus wohl naheste Strand. Vor Motunau liegt auch eine kleine Insel, wo viele bedrohte Vögel usw. leben. Dank des guten Wetters konnte man am Horizont sogar die Nordinsel ausmachen. Sonderlich viel habe ich dort nicht gemacht, beim Strandspazerigang allerdings eine Paua-Muschel gefunden eingesteckt. Das sind Muscheln, die sehr schön schimmern. Im Canterbury Museum gab es einen Raum (ähnlich also wie das Bernsteinzimmer), der nur mit diesen Muscheln geschmückt war.

Wer jetzt denkt ich bin fertig, der hat sich getäuscht.

Ich möchte nämlich noch darauf hinweisen, dass man vielleicht bald etwas über mich in der Zeitung hören könnte. Wer also die NW abonniert hat, aufpassen! Nach einen ziemlich misslungenen Artikel Anfang des Jahres habe ich nämlich jetzt das Glück, dass eine ehemalige Mitschülerin vom RGH, die grade bei der NW das 11. Klasse-Praktikum macht, mich auf Anraten einer sehr geschätzten Lehrkraft (die sich wundern wird, wie gut mein Englisch geworden ist) kontaktiert hat und mit ein paar Infos meinerseits einen sehr gut gelungenen Artikel geschrieben hat. Steht noch nicht fest, ob er veröffentlicht wird, würde mich aber sehr freuen…

Da meine Blogadresse dort auftaucht, könnte vielleicht ein weiterer Ansturm auf diese Seite losbrechen. Ich hoffe, der Server hält durch 😀

Was das Thema Privatsphäre angeht (Google und Co. wissen eh viel mehr Interessantes über mich, als hier je stehen würde…): ich teile gerne meine Erfahrungen mit anderen Leuten – die können das, was ich hier erlebe, gerne erfahren. Angst, dass sich das irgendwie in meinem weiteren Leben negativ auswirken könnte („der Namen googlende Personalverantwortliche“!) habe ich keine – ganz im Gegenteil… Ich wollte das nur mal gesagt haben…

Nun bin ich tatsächlich am Ende, ich hoffe, Du, Tatjana, bist zufrieden und ich habe Dir den Abend gerettet 😉 Wenn ich wiederkomme, erwarte ich eine Belohung für diese 2-stündige Schreiborgie 😉

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Ein Kommentar

  1. Tatjana

     /  November 4, 2010

    😀 eine Belohnung für deine unendlich vielen Stunden, die du für diesen Blog aufgebracht wird, kann ja gar nicht groß genug ausfallen. aber ich werd mir was überlegen! 🙂
    Mach weiter so – du rettest mir wirklich die abende (zumindest heute, nach einem echt blöden uni-tag!)
    lg,
    Tatjana =)

    Antwort

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