Tag/Nacht 7: Queenstown-Dunedin-Oamaru

Nach dem abenteuerlichen Skydive ist nicht mehr viel passiert, ich ging früh schlafen, da ich am nächsten Morgen zurück nach Dunedin zu meinem Auto wollte. Ich hatte mir einen Bus (Intercity) dahin gebucht; wie ich zu meinem Auto kommen sollte, war mir aber unklar, ich wusste noch nicht einmal den Straßennamen, der zu der abgelegenen Farm führte…

In Dunedin nach 3-4 Stunden Busfahrt (einschließlich mehrerer Zwischenstopps) angekommen, fand ich mich in etwa in der Innenstadt wieder. Der ungefähre Ort, wo das Auto stand (Port Chalmers), ist 20km entfernt, sodass Laufen nicht infrage kam – schon allein wegen meines Gepäcks. Schlau wie ich bin, habe ich mich am Vorabend im Internet über Dunediner Taxi-Unternehmen schlau gemacht und mir diverse Nummern aufgeschrieben. Man hat mich wohl auch verstanden, nach ein paar Minuten kam ein Taxi, dessen Fahrer genau richtig für mein Anliegen war. Ich sagte, ich wüsste nicht genau, wo ich hinmuss, es könnte also eine ziemliche Suchaktion werden. Er meinte, er sei grade erst angefangen, hätte also auch noch keine Ahnung und könne so gut die Wege einprägen 😀

Erstmal hielten wir also auf Port Chalmers zu und unterhielten uns lebhaft. Mein brilliantes Ortsgedächtnis ließ mich diesmal nicht im Stich, ich sah den New World, wo wir Rico getroffen hatten, und ließ das Taxi die Straße den Hügel hinauf ansteuern. Jetzt musste ich nur noch die richtige Abzweigung, eine kleine Straße zu der Farm, finden, was auch gelang. Ohne einmal zu verfahren, kam ich dort an und fand mein Auto noch so vor, wie ich es hinterlassen habe (naja, nicht ganz, es ist ziemlich dreckig – immer noch…).

Der nette Taxifahrer half mir das Gepäck umladen und wartete auch noch, bis mein Wagen ansprang. Ich hatte ihm nämlich erzählt, dass mein Auto gewisse Male ja nicht angesprungen sei. Tatsächlich – auch diesmal funktionierte nichts. Das teure Taxi war sein Geld durch den netten Fahrer schon wert, vor allem, weil er mir den entscheidenden Tipp gab, was ich machen müsse, falls das Auto mal wieder nicht anspringe (behalte ich aufgrund der Einfachheit lieber für mich…). Seitdem habe ich jedenfalls keine Probleme mehr gehabt 🙂

Endlich wieder im eigenen Auto angekommen, stellte ich mir dann schöne Musik ein und verließ den Hof. Dort kam dann noch Ricos Gastschwester (oder wer auch immer), bei der ich mich für den Parkplatz bedankte, und die ich zu meinem ersten Reiseziel ausfragte, die steilste Straße der Welt, die in Dunedin liegt. Hat sie mir beschrieben, hat mir aber nicht viel geholfen. Ich irrte mitten durch die Dunediner Stadt, das erste Mal Stadtverkehr in Neuseeland für mich (da ich noch nicht in Christchurch war damals). Arg vorsichtig wie ich war, konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen, einmal auf der rechten Spur gegen den Gegenverkehr zu fahren. Ich hab es zum Glück rechtzeitig bemerkt und konnte noch rückwärts zurück fahren (war einspurig). Trotzdem bin ich irgendwann (auch dank der tollen Straßenkarte Neils, die noch viele andere Wege bestens beschrieben hat) am Ziel angekommen, der Baldwin Street, die die angeblich steilste Straße der Welt ist. Sie hat eine Steigung von ca. 35%, was schon nicht wenig ist. Sie ist nur etwa 200m lang, der Aufstieg hat mich trotzdem etwas Zeit gekostet. Zu Fuß allerdings, meinem Auto wollte ich dieser Belastung nicht aussetzen. Habe mich darauf beschränkt, anderen Autos zuzusehen, wie sie sich die Straße hinauf quälen und dann in freier Fahrt wieder hinuntersausen. Die Straße ist schon recht touristisch frequentiert, die Bewohner dürfte das entsprechend nerven (bleibt ja eine ganz normale Straße in einer Vorstadt).

Nach dieser Besichtigung führte mich mein Weg aus Dunedin heraus Richtung Oamaru. Dort hatte ich geplant, die Nacht zu verbringen. Auf dem Weg nach Oamaru machte ich noch bei den „Moeraki Boulders“ halt, das sind extraterrestrisch anmutende Steinkugeln am Strand von Moeraki. Sehen ganz interessant aus, als wären sie vom Himmel gefallen. Total glatt und kugelrund. Man könnte meinen, sie sind  erodiertes Gestein, das in den vergangenen Jahrmillionen durch Wind, Wellen und Wetter (welch Alliteration!) zu dieser einzigartigen Form geschliffen wurde. Tatsächlich war aber ein Kristallisierungsprozess von Calcium und Karbonaten dran schuld (Gruß von Wikipedia!). Eine Legende der Maori hat noch eine ganz andere Erklärung: demnach wären es Kürbisse, die von einem großen Reisekanu gefallen seien, als es vor 1000 Jahren Schiffbruch erlitt.

Wie dem auch sei, faszinierend war es allemal. Nach der Praktizierung eines geheimen Rituals ging es dann für mich weiter nach Oamaru. Auf den Weg dorthin fand ich jedoch einen einladenden Backpacker, wo ich anhielt und eine kleine Pause einlegte. Es war eine organische Farm und ich war der einzige Gast. Dazu später mehr. Ich brach für den Abend erst einmal nach Oamaru auf, wo ich mir die Stadt anschaute (die Altstadt aus weißem Marmor hat was) und meine Pizza-Tests weiterführte. Für den Abend hatte ich geplant, Pinguine zu sehen. Oamaru ist nämlich Heimat des blauen Pinguins, der kleinsten Art der Welt und vom Aussterben bedroht. Auf dem Weg zum Reservat standen Schilder am Straßenrand, die vor straßenkreuzenden Pinguinen warnen. Sehr nette Schilder! Die Pinguine kann man vor allem dort in einem privaten Reservat sehen. Für die Abendshow habe ich mir dann ein Ticket genommen und nach etwas Wartezeit, weil ich zu früh war, dann auf einer Tribüne Platz genommen, von der man aus das Meer, den Felsstrand, die Steilküste und das Pinguinreservat beobachten kann. Die Tiere in dem Reservat sind nämlich alle wild, sie schwimmen tagsüber im Meer und kommen nur bei Anbruch der Nacht ins Reservat, wo sie ihre Höhlen haben.

Ich saß also mit vielen anderen Leuten auf der Tribüne und wartete, dass sich die Pinguine blicken ließen. Aber erst einmal tauchte ein Seehund aus dem Wasser auf und machte es sich auf einen Felsen bequem, er wollte wohl auch den Pinguinen zuschauen… Die kamen bei Anbruch der Dämmerung dann auch. Erst wenige, dann immer mehr. Am Ende sollten es über 200 gewesen sein, die von den Wellen an die Felsküste gespült wurden (Pinguine können richtig cool surfen ;)) und dann die Felsen hochwatschelten, um durch einen kleinen Kanal in ihr umzäuntes Reservat zu verschwinden. Sehen konnte man sie dabei ganz gut, da der Anlandungsplatz mit Licht erstahlt war, welches die Pinguine allerdings nicht kennen und deshalb für schwarz halten. Um sie anderweitig nicht zu stören, war Fotografieren auch strengstens untersagt 😉

War ganz interessant sie zu beobachten, und den fachkundigen Ausführungen eines Moderators zu lauschen. Als einer der letzten machte ich mich zurück zum Auto auf, wo mir gewahr wurde, dass ich mir den Besuch der Show auch hätte sparen können. Denn auch hier liefen Pinguine herum, überquerten die Straße und trieben allerhand Schabernack. Ich konnte mich ihnen ungestört nähern und hab ein paar nette Fotos gemacht, dabei sogar einen zufällig beim Ka*** zugeschaut, wie interessant 😀 (ja, ich weiß, ich bin ein Tierquäler…).

Nach diesem tollen Erlebnis ging es dann die ca. 30km zurück zum Backpacker, wo ich den Abend bei einem schönen Buch und gutem Gespräch auf besagter organischer Farm ausklingen habe lassen. Ich war der einzige Gast und unterhielt mich mit dem Besitzer, der neben seiner rein total organischen Farm eben auch ein paar Betten und Campingflächen mit entsprechender Infrastruktur zur Verfügung stellt. Er empfahl mir auch ein paar nette Zwischenstopps, die ich auf meiner Reise zum Mount Cook machen könnte, die ich am nächsten Tag vorhatte…

Doch nach dieser Textorgie müsst ihr euch darauf etwas gedulden 😛

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3 Kommentare

  1. Tatjana

     /  November 3, 2010

    echt? ich muss mich gedulden, bis die nächste textorgie online gestellt wird? das is ja doof… was mach ich denn jetzt die ganze zeit, wenn meine abendlektüre wegfällt? ;D
    liebe grüße aus dem heute ziemlich kalten und regnerischen Bielefeld,
    Tatjana =)

    Antwort
  2. Bemerkenswerter Blogbeitrag.Mich hat das Thema schon immer so nebenbei interessiert. Freu mich auf die nächsten Posts!

    Antwort

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