Tag/Nacht 4: Milford Sound/Te Anau

So, dann mal weiterschreiben, bevor ich kein Internet mehr habe (dieser lebensbedrohliche Umstand könnte tatsächlich in den nächsten Tagen eintreten, aber no worries, dann kommt eben immer etwas mjher auf einmal…)

Der 4te Tag war ein ziemliches Highlight, und gleichzeitig der letzte volle zusammen mit Rico und Paul. Denn schon die ganze Zeit spukte es mir im Kopf herum, es wie Frodo zu machen (angeregt durch die Drehortbesuche :D) und meine Gefährten zu verlassen.

Nach einem sehr schönen Sonnenaufgang bei den Mavora Lakes, die die Strapazen der Zeltübernachtung fast vergeßen machten, ging es über die staubige Schotterstraße zurück nach Te Anau, wo die Route zum Milford Sound abzweigt. Uns wurde geraten (vom Mann beim Kepler Track), die Reise lieber im Bus zu machen. Man würde sonst nämlich nie ankommen, weil schon der Weg zu so vielen Zwischenstopps einlädt. Falls wir doch das Auto benutzen wollten, sollten wir auf alle Fälle Schneeketten mit uns führen…

Das Auto, das mit uns  dann auf der Straße zum Milford Sound fuhr, hatte dann aber keine bei sich. Tatsächlich haben wir einige Zwischenstopps gemacht, als wir die gut ausgebaute, aspahltierte Straße gefahren sind. Zum Beispiel bei den sich nicht spiegelnden „Mirror Lakes“ oder einem Wasserfall.

Wir waren zwar das einzige Auto auf dem Weg, aber nicht die einzigen Menschen. Denn von der  fernöstlichen Sorte, von denen es in Interlaken nur so wimmelt (ihr wisst, was ich meine), gab es Massen, die ständig von den vielen Bussen ausgespuckt wurden. War also alles etwas voll und man konnte die schöne Natur garnicht geniessen. Die Straße gewann stetig immer mehr an Höhe, bis man durch den „Homer Tunnel“ fährt, auf dessen anderer Seite man sich mitten in der schneebedeckten Gebirtgswelt des Fjordlandes wiederfindet. Ein beeindruckender Ausblick! Leider spielte das Wetter nicht so mit. Sonnenschein im Milford Sound ist jedoch auch wie ein Sechser im Lotto. Es ist eines der regenreichsten Gebiete der Erde, was daran liegt, dass die Regenwolken, die sich über der Tasmanischen See auftürmen, von den Bergen des Fjordlandes am Weiterziehen gehindert werden und dementspechend abregnen. Wir hatten sogar  Glück, dass die Straße zum Milford Sound überhaupt geöffnet war, mehrere Tage zuvor war sie nämlich wegen hoher Lawinengefahr geschlossen. Schon bald kamen wir dann in den eigentlichen Milford Sound, ein von hohen Bergen umschlossenes Tal mit Wasser, das direkten Zugang zur Tasmanischen See hat – ein Fjord also.

Massentouristisch aber bestens erschlossen, es gibt sogar einen Flughafen. Der Anflug muss auch echt spannend sein. Hauptattraktion, die wir auch in Angriff nehmen wollten, ist jedoch eine Schifffahrt in dem Fjord. Dabei konkurrieren mehrere Anbieter in einem riesigen Besucherzentrum um die Gunst der Besucher. Neben 2-stündigen Fahrten werden z.B auch Übernacht-Fahrten angeboten, doch das war nicht geplant. Wir haben uns für den billigsten Anbieter entschieden und eine relativ späte Abfahrt, die letzte Fahrt ergattert.  Die Straße zum Milford Sound wird nämlich ab 17 Uhr geschlossen – unsere 2-stündige Fahrt sollte um 14.30 beginnen, also recht knapp. Da wir zur Abfahrt allerdings noch über eine Stunde Zeit hatten, aßen wir erst einmal im Auto unser Mittagessen (wo auch sonst bei dem heftigen Regen) und fuhren dann später mit dem Schiff los, was Rico und Paul fast verpasst hätten, hätte ich nicht den Stewart ums Warten gebeten (ich bin aus bedürfnisorientierten Gründen vorgegangen). Je weiter wir uns vom Ufer entfernten, desto geringer wurde der Regen bis er schließlich ganz aufhörte. Doch der Himmel blieb natürlich bewölkt. Trotzdem bot sich uns in atemberaubender Anblick über die riesigen Bergen, die steil direkt zum Meer abfallen. Der Regen hatte auch etwas Gutes – tausende von Wasserfällen ergossen sich in den Fjord, ein Phänomen das man bei gutem Wetter nicht beobachten kann. Die Route unseres Schiffes ging von der einen Seite des Fjordes bis zur Tasmanischen See (wo das offene Meer beginnt) und dann auf der anderen Seite zurück. Die See war sehr stürmisch, der Wellengang entsprechend, sodass wir gut durchgeschüttelt wurden und einige der geschätzt 200 Bilder verwackelt sind.

So emotional kann Natur sein – ich war den Tränen nahe und habe gleichzeitig vor Freude gestrahlt (wie selten).

Ich kann euch den Fjord nicht beschreiben, noch können die paar Bilder es, man muss einfach da gewesen sein. Man fühlt sich so klein und verloren, selbst das Schiff ist nichts im Hinblick auf die gewaltigen Berge, dessen Steilwände teilweise direkt vom Wasser an Hunderte von Metern in die Höhe reichen und auf denen auch oft noch Schnee lag.

Allzu schnell war dieses Erlebnis dan nauch vorbei. Aus den erwähnten Zeitgründen wie auch wegen des Wetters konnten wir kein Abstecher zum Unterwasser-Obversatorium machen, in dem man einen Teil der Artenvielfalt im Milford Sound beobachten kann. Aufgrund des starken Regenfalls liegt nämlich eine bis zu 40m dicke Süßwasserschicht auf dem Salzwasser im bis zu 300m tiefen Fjord. Neben Delfinen, die man dort oft  (auch von den Schiffen)beobachten kann (blieb uns leider verwehrt) schwimmt allerlei anderes nettes Getier dort herum. Uns blieb jedoch nur der Blick auf ein paar Seehunde, die einen wirklich tollen Lebensmittelpunkt haben.

Nach etwas frühem Anlegen des Schiffes (wir hatten eigentlich für 30 min mehr bezahlt), ging es dann schnell zum Auto. Aber das war, wie schon erwähnt, auch ok, da die Straße eben bald geschlossen hätte und wir nur ungern eine Nacht dort verbracht hätten. Auf den Rückweg waren wir nicht die Einzigen, die sich den Pass wieder hinaufquälten. Erinnerungen an Bluff wurden wach, wo der Motor derSteigung nicht gewachsen war. Doch er heilt durch (auch wenn wir oft überholt wurden) und wir kamen heil durch den Tunnel und an den Streckenposten vorbei (die kontrollieren, ob alle durch sind, und dann die Strecke sperren), bis wir auf einmal wegen meines ersten Staus in Neuseeland anhalten mussten. Der Grund war nicht unschwer zu erkennen – eine Schlammlawine hatte sich gelöst und die Straße versperrt. Ganz im Touri-Style haben wir das natürlich ordentlich fotografiert, während wir auf das Anrücken des Baggers gewartet haben. Der kam dann auch nach einiger Zeit und hat den Matsch weggeräumt. Nach etwa einer dreiviertel Stunde ging es dann weiter, der weitere Weg nach Te Anau verlief unkompliziert. Dort wollten wir, klatschnass wie wir waren, dann mal eine Nacht im Hostel verbringen, was mir sehr lieb war (den anderen offensichtlich nicht so…). Unter der heißen Dusche (der ersten nach 4  Tagen…) habe ich dann meine Trennungspläne geschmiedet, die ich allerdings noch nicht öffentlich machte, ich wollte erst noch eine Nacht drüber schlafen. Ein Fehler, die Lösung am anderen Tag war etwas unelegant…

Doch dazu ein andermal, ich muss jetzt mit Markus meinen Trip nach Sydney planen. Grünschnabelig wie wir sind, haben wir nämlich noch keine Unterkunft gebucht, und es ist fast unmöglich jetzt noch was halbwegs Preiswertes zu finden…

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Ein Kommentar

  1. Tatjana

     /  Oktober 19, 2010

    Hilfe! Du bist mal eben grad zurück und jetzt gehts schon wieder los?! und dann auch noch so was geiles wie Sydney!! Das gibts echt nicht, was du da grad erlebst! ;D
    Liebe Grüße!

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: