Tag 1 und 2

Schon ist der zweite Arbeitstag zu Ende, wie schnell doch die Zeit vergeht…

Der erste fing für mich gestern um kurz vor 9 an, bot aber noch nicht allzuviel Spannung. Da man mir noch einen „Stundenplan“ schrieb, durfte ich den Tag über in dem Raum zubringen, den ich in Deutschland gehasst habe.

Richtig geraten?! Genau, ich durfte in den Kunstraum und habe dort gewisse Sachen bemalt. Einen Zaun weiß bepinselt und Plakate veredelt, alles Sachen für das Schul-Musical, was bald aufgeführt wird. Zwischendurch unterhielt ich mich mit der Lehrerin. Pro Stunde waren auch jeweils immer um die 4 Schüler da, die geholfen haben. In der Pause wurde ich dann eingeführt, wie die Pausenaufsicht zu machen ist. Ich muss nämlich ab und an in den Pausen über den Schulhof der Primary School gehen und dabei aufpassen, dass die Kinder auch schön brav sind, ihr Pausenbrot aufessen und nicht auf den Rasen laufen.

Sonst habe ich innerhalb der Schule an diesem Tag nicht viel erlebt, jede Menge jedoch danach. Am späten Nachmittag ging ich nämlich mit Christian Golfen (er hat das ganze Equipment mit allen nötigen Schlägern). Culverden hat nämlich einen traumhaften Golfplatz mit herrlichem Panoramablick auf die weißen Berge. Wir wollten einfach ein bisschen üben auf ein paar Bahnen, um nicht zu spät zum Dinner zu kommen, was wir wiederum bei Tina einnahmen, einer Lehrerin, wo diesmal auch wieder 2 andere anwesend waren. Der Golfplatz hat 9 Bahnen und wir schafften die ersten 4. Nachdem ich am Anfang noch Probleme mit dem Schlagen hatte, wurde ich im Laufe der Bahnen immer besser (hab ja bisher auch nur auf Fehmarn gespielt). Als es bei der zweiten Bahn über den kleinen Bach ging, passierte das erste Missgeschick. Natürlich landete mein Ball direkt im tiefen Wasser, wo er jetzt auf ewig bleiben darf. Entsprechend nervös war ich, als wir zum zweiten Mal über den Bach schlagen mussten. Dieses Mal klappte aber alles und der Ball kam wohlbehalten auf der anderen Seite an. Auf der letzten, immerhin 500m langen Bahn passierte mir aber noch ein Missgeschick. Der Ball landete mitten in einer riesigen Pfütze, die mitten auf dem Platz stand, von mir aus aber nicht sichtbar war. Weil ich das Verlieren dieses Balls nicht auch noch eingestehen wollte, zeigte ich Herz, indem ich mir die Schuhe auszog und in das eiskalte, aber nur knöcheltiefe Wasser watete, um den Ball hinaus zu holen. Von Christian wurde dies natürlich frenetisch gefeiert. Am Ende der Bahn konnte dann ich ihn feiern, als ihn ein fantastischer Schlag gelang. Aus 20m Entfernung traf er nämlich im hohen Bogen mit einem Aufsetzer erst die Lochfahne und letztlich das Loch. Ein Schlag, dessen Wahrheit ich innerhalb der Schule nun bereits ein paar mal bekräftigen durfte. Weil es nun aufs Abendessen zuging und dazu dunkel wurde, machten wir Schluss und aßen bei Tina zu Abend, unterhielten uns und fuhren relativ zeitig in mein neues Zuhause, wo ich recht bald einschlief. Ob es immer noch der Jetlag ist, ich weiß es nicht, ich bin jedenfalls um 21 Uhr so hundemüde, dass ich schlafen muss.

Schlafen kann man hier zum Glück gut, sodass ich heute morgen gut gestärkt aufwachte, um den zweiten Tag anzugehen. Ich hatte nämlich eine große Aufgabe vor mir: nachdem ich nach 5 Minuten allmorgendlichen Spaziergang in der Schule angekommen war, wurde mir eröffnet, ich solle während des „Assembly“, einer Versammlung der ganzen Schule, eine kleine Rede halten. Ich kam also zusammen mit einigen Lehrern in die Turnhalle und wollte mich auf die dortigen Stühle setzen, während die Schüler auf der Tribüne saßen. Doch alle blieben stehen, denn es wurde erst die neuseeländische Nationalhymne gesungen. Die ist zweisprachig (Maori und Englisch) und sehr schön anzuhören, solltet ihr mal machen. Danach wurde ich nochmal offiziell begrüsst und habe dann ein paar Worte über mich gesagt hat. Ich werde in der Schule wohl von den Schülern nur „Mr H (Ätsch)“ gerufen werden, weil „Heuermann“ für Englisch-Sprachige doch sehr schwer auszusprechen ist. Hat bisher auch noch keiner hingekriegt, hört sich an wie „Yuhermän“. Danach wurden noch diverse Schüler ausgezeichnet, haben über Exkursionen berichtet und so weiter. So eine feierliche Versammlung wär in deutschen Schulen auch garnicht mal so schlecht!

Meine Arbeit heute war sehr aufregend und vielfältig. Zuerst war ich in der Primary School bei den ganz kleinen Schülern, habe den Unterricht beobachtet und ihnen beim Lesen geholfen. Reihum mussten sie zu mir kommen und haben mir aus kleinen Heften Geschichten über Piraten oder Nilpferde vorgelesen, die ich jetzt schon auswendig kenne. Danach assistierte ich einer anderen Lehrerin in derselben Klasse, die mir ein weinendes Kind überließ, das ich verwahren sollte, was sich als sehr schwer herausstellte, weil ich einerseits nicht wusste, was los war, und andererseits auch nicht verstand, wenn sie was sagte, ganz zu schweigen von meinen limitierten Englisch, mit dem ich sie zu trösten versuchte. Hat aber letztlich dann geklappt. Mit dem Verständnis klappt es ansonsten aber ziemlich gut und mein Englisch scheint immer besser zu werden. Ich habe jetzt sogar schon den Punkt erreicht, dass ich meist in Englisch denke.

Danach half ich in der Bibliothek einen „special needs“-Jungen beim Lesen und anschließendem Aufgaben lösen. Mit ihm werde ich noch öfter zu tun haben. In der letzten Stunde assistierte ich Bruce beim Sport. Wir sichteten Leute für das Schulfussball-Team. Für einen Deutschen sah das ziemlich grottig aus, dem Neuseeländer war die Leistung wohl aber eine Gute. Bruce war jedenfalls voll des Lobes über die beiden Mannschaften, aus denen er die Schlechtesten aussortierte, um somit das Schulteam zu bilden. Ich half ihn dabei, die Auswahl war aber nicht sonderlich schwer, weil nicht allzu viele weg mussten und wir deshalb einfach das fussballerisch nicht so starke Geschlecht (ihr wisst schon) nahmen… Bruce macht übrigens mit ein paar Schülern am Sonntag einen Trip zum Mount Lyford, und ich darf mitkommen. Ski fahren in Neuseeland, und das Beste, die Schule bezahlt sogar alles für mich. Ich freue mich schon riesig!

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